Medikamente: Pflichtlager in der Schweiz unter Druck

In der Schweiz fehlen seit Jahren Antibiotika und Schmerzmittel.
Kontext
Auf einen Blick
- In der Schweiz fehlen seit Jahren Antibiotika und Schmerzmittel.
- Seit 2022 wurden die Pflichtlager mehr als 100-mal pro Jahr freigegeben.
- In Burgdorf wurde über Reserven, Kosten und Versorgung diskutiert.
- Die Hersteller von Wirkstoffen sind in Asien konzentriert.
Wichtige Fakten
Was → Pflichtlager für Arzneimittel Wo → Burgdorf 2018 → 17 Freigaben der Pflichtlager Ab 2022 → mehr als 100 Freigaben pro Jahr Lager → so gross wie fünf Fussballfelder und 15 Meter hoch Bewilligung → für den Teil des Pflichtlagers erforderlich
Die Debatte und die Reserven
Am Mittwoch bezog die Diskussion in Burgdorf auch die für die Pflichtlager zuständigen Personen ein. Bei dem Treffen ging es darum, die konkrete Situation, die Herausforderungen und die möglichen Massnahmen zu beschreiben, während das Parlament die Initiative «Ja zur Sicherheit der medizinischen Versorgung» zusammen mit dem Gegenvorschlag der Regierung prüft.
Ausgangspunkt ist der Arzneimittelmangel, der der Schweiz seit Jahren Sorgen bereitet. Zu den genannten Beispielen zählen Antibiotika und Schmerzmittel. In dem beim Treffen beschriebenen Lager werden Millionen von Arzneimittelpackungen aufbewahrt; die Anlage nimmt eine Fläche ein, die fünf Fussballfeldern entspricht, und ist 15 Meter hoch. Ein begrenzter Teil dieser Packungen gehört zu den sogenannten Pflichtlagern, also zu den Reserven, die zur Bewältigung von Situationen schwerer Mangellage vorgesehen sind.
Bernhard Megert, Direktor von Alloga, erläuterte den Unterschied zwischen den für den Markt verfügbaren Packungen und jenen, die der Kontrolle des Bundes unterstehen:
«Von 10’000 im Lager vorhandenen Packungen eines Arzneimittels gehören 3’000 zum Pflichtlager: Die übrigen 7’000 können frei auf den Markt gebracht werden, während für die reservierten Packungen die Bewilligung des Bundes erforderlich ist».
Das Beispiel zeigt, dass das physische Vorhandensein der Arzneimittel im Lager nicht bedeutet, dass für alle Packungen dieselben Bestimmungen gelten. Der nicht zum Pflichtlager gehörende Teil kann frei auf den Markt gebracht werden; für den gebundenen Anteil ist hingegen eine Bewilligung des Bundes erforderlich.
In den letzten Jahren wurde zunehmend auf diese Bewilligung zurückgegriffen. 2018 wurden Pflichtlager in 17 Fällen freigegeben; seit 2022 wurde die Schwelle von 100 Freigaben pro Jahr jedes Jahr überschritten. Diese in Burgdorf präsentierten Daten beschreiben den zunehmenden Druck auf das System der Reserven.
Operative Details
Der Vergleich zwischen Freigaben und Kosten
Der Vergleich betrachtet zunächst die Entwicklung im Zeitverlauf. Im Jahr 2018 wurden 17 Freigaben der Pflichtlager verzeichnet; seit 2022 liegt die Zahl bei mehr als 100 pro Jahr.
| Zeitraum | Anzahl der Freigaben |
|---|---|
| 2018 | 17 |
| Ab 2022 | mehr als 100 pro Jahr |
Der Vergleich zeigt eine deutlich höhere Häufigkeit als im Jahr 2018, nennt jedoch nicht die genaue Zahl für jedes Folgejahr. Daher erlaubt die Quelle nicht, einen detaillierten Jahresdurchschnitt oder einen prozentualen Anstieg zu berechnen. Dokumentiert ist weiterhin der Anstieg von 17 Freigaben im Jahr 2018 auf mehr als 100 in den Jahren ab 2022.
Peter Huber zufolge ist der Anstieg auf die Pandemie und bewaffnete Konflikte zurückzuführen. Huber ist Vorsitzender von Helvecura, der Genossenschaft, die mit der Koordinierung des Aufbaus der Pflichtlager beauftragt ist. Seiner Einschätzung nach waren die Reserven jedoch stets ausreichend. Die Daten und diese Einschätzung beziehen sich somit auf zwei unterschiedliche Aspekte: die Zahl der Genehmigungen zur Freigabe der Pflichtlager und die Angemessenheit der verfügbaren Reserven.
Das von Huber angesprochene Kernproblem betrifft die Finanzierung. Der Vergleich mit anderen Produkten macht die vom Sektor beanstandete Ungleichbehandlung deutlich:
| Genannte Produkte | Behandlung der Kosten der Lagerbestände |
|---|---|
| Benzin, Futtermittel und Lebensmittel | Die Kosten werden auf die Verbraucher abgewälzt |
| Arzneimittel | Die Preise sind reguliert, und derselbe Mechanismus ist nicht möglich |
Bei Arzneimitteln akzeptiert der Sektor daher nicht, dass die Kosten der Reserven anders behandelt werden als bei Benzin, Futtermitteln oder Lebensmitteln. Die betreffende Summe wird mit einigen Millionen Franken angegeben, ohne dass eine genauere Zahl genannt wird. Roland Pfister, Delegierter für die wirtschaftliche Landesversorgung, sagte, er habe Verständnis für das Anliegen. Der Bund bemüht sich um eine Lösung für die Finanzierung der Pflichtlager.
Wichtige Punkte
Die Abhängigkeit von Asien bei älteren Medikamenten
Der andere Punkt betrifft die älteren Medikamente, also diejenigen, deren Patent abgelaufen ist. Urs B. Kientsch, Milizkader der Wirtschaftlichen Landesversorgung, bezeichnet die Abhängigkeit von Asien als eine von der Finanzierung der Lagerbestände getrennte Frage. Die Hersteller von Wirkstoffen sind dort konzentriert. Der Text benennt somit das Gebiet, in dem die Produktion konzentriert ist, quantifiziert jedoch nicht den Anteil der betroffenen Wirkstoffe.
Die von Kientsch genannte Lösung besteht darin, die Rückkehr der Wirkstoffhersteller nach Europa zu fördern, damit der lokale Markt versorgt werden kann. Damit dies geschehen kann, muss die Politik seiner Einschätzung zufolge gute Rahmenbedingungen schaffen. Die Quelle legt nicht fest, welche Bedingungen eingeführt werden sollten, und nennt weder eine bereits beschlossene Maßnahme noch einen Zeitplan für die Rückkehr der Hersteller.
Auch bei der Finanzierung bestehen klare Informationsgrenzen. Der Betrag wird lediglich als einige Millionen Franken beschrieben, und eine Aufschlüsselung der Kosten wird nicht angegeben. Ebenso wird die Zahl der Freigaben seit 2022 als eine Schwelle von mehr als 100 Mal pro Jahr angegeben, ohne die genaue Zahl für jedes einzelne Jahr zu nennen. Daher gibt es keine Grundlage, um eine genaue Gesamtsumme für den Zeitraum zu schätzen oder einzelne Medikamente zu vergleichen.
Der Beitrag unterscheidet außerdem zwischen Medikamentenmangel und der Verfügbarkeit der Reserven: Der Mangel bereitet der Schweiz seit Jahren Sorgen, während Huber erklärt, dass die Reserven stets ausgereicht haben. Die Zunahme der Genehmigungen wird nicht als Beweis für die Erschöpfung der Vorräte dargestellt. Die dokumentierte Diskussion betrifft vielmehr die Art ihrer Finanzierung und die Abhängigkeit vom Ausland bei einigen Medikamenten.
Auf politischer Ebene berät das Parlament über die Initiative «Ja zur Sicherheit der medizinischen Versorgung» und den Gegenvorschlag der Regierung. Der Bund erklärt, an einer Lösung für die Finanzierung zu arbeiten, doch im Text wird keine endgültige Entscheidung angeführt. Damit bleiben sowohl die wirtschaftliche Frage der Reserven als auch die industrielle Frage im Zusammenhang mit den in Asien konzentrierten Wirkstoffen offen.
Quelle: rsi.ch
Häufig gestellte Fragen
- Seit wann bereitet der Medikamentenmangel der Schweiz Sorgen?
- Die Quelle weist darauf hin, dass der Mangel die Schweiz seit Jahren beunruhigt, und nennt Antibiotika und Schmerzmittel. Das Parlament berät über die Initiative «Ja zur Sicherheit der medizinischen Versorgung» und den Gegenvorschlag der Regierung. In Burgdorf sprachen am Mittwoch auch die Verantwortlichen für die Pflichtlager, um die konkrete Situation, die Herausforderungen und die möglichen Massnahmen darzulegen.
- Wie oft wurden die Pflichtlager freigegeben?
- Im Jahr 2018 wurden die Pflichtlager 17-mal freigegeben. Ab 2022 wurden sie mehr als 100-mal pro Jahr freigegeben. Die Quelle nennt für jedes Folgejahr keinen genauen Wert und ermöglicht daher keine detaillierte Jahresdurchschnittsberechnung. Der dokumentierte Vergleich besteht zwischen den 17 Freigaben im Jahr 2018 und einer Schwelle von über 100 in den Jahren ab 2022.
- Wie funktionieren die Pflichtlager für Medikamente?
- Pflichtlager sind ein Teil der Reserven, die aufbewahrt werden, um Situationen einer gravierenden Knappheit zu begegnen. Im von Bernhard Megert erläuterten Beispiel können 7'000 von 10'000 Packungen frei auf den Markt gebracht werden, während 3'000 zum Pflichtlager gehören und die Genehmigung des Bundes erfordern. Die Quelle präzisiert zudem, dass nur ein kleiner Teil der vorhandenen Millionen Schachteln in diese Kategorie fällt.
- Warum ist die Finanzierung der Lager ein Problem?
- Peter Huber zufolge betrifft das Problem die Finanzierung, während die Reserven immer ausgereicht haben. Bei Benzin, Futtermitteln und Lebensmitteln werden die Kosten der Lagerhaltung auf die Konsumenten abgewälzt. Bei Arzneimitteln, deren Preise reguliert sind, ist dieser Mechanismus nicht möglich. Die Branche spricht von einer Ungleichbehandlung; es geht um einige Millionen Franken.
- Was ist das Problem im Zusammenhang mit der Herstellung von Arzneimitteln?
- Urs B. Kientsch weist auf die Abhängigkeit von Asien bei älteren Arzneimitteln hin, deren Patent abgelaufen ist, da die Hersteller von Wirkstoffen dort konzentriert sind. Als Lösung wird genannt, die Rückkehr der Wirkstoffhersteller nach Europa zu fördern, um den lokalen Markt zu versorgen. Die Quelle fügt hinzu, dass die Politik gute Rahmenbedingungen schaffen sollte, ohne zu spezifizieren, welche Maßnahmen.