KI leiht Betrügern ihre Stimme: So schützen Sie sich vor verdächtigen Anrufen

Smartphone mit Anrufbenachrichtigung und Schallwelle für Stimmenklonung auf Schweizer Schreibtisch

Eine italienische Bank soll 95 Millionen Euro verloren haben.

Kontext

Auf einen Blick

  • Eine italienische Bank soll 95 Millionen Euro verloren haben.
  • Ein Unternehmen aus dem Kanton Schwyz hat mehrere Millionen Franken verloren.
  • Der UFCS-Bericht bezieht sich auf das erste Halbjahr 2026.
  • Die Überprüfung muss über einen anderen Kanal erfolgen.

Wichtige Fakten

  • Italienischer Fall → 95 Millionen Euro
  • Schweizer Fall → Unternehmen im Kanton Schwyz; mehrere Millionen Franken
  • Bericht → BACS; erstes Halbjahr 2026
  • Anrufe falscher Beamter → Rückgang um 75%
  • Online-Identitätsdiebstahl in der Schweiz → 2%, 80%, 3%

Eine auf der Veränderung einer Stimme durch künstliche Intelligenz basierende Betrugsmasche soll eine italienische Privatbank um 95 Millionen Euro gebracht haben. In der Schweiz verlor hingegen ein Unternehmen im Kanton Schwyz mehrere Millionen Franken infolge von Telefonanrufen, bei denen die Stimme eines Geschäftspartners nachgeahmt wurde.

Der zunehmend verbreitete Einsatz generativer KI-Tools wird diese Art von Betrug häufiger machen. Das Risiko betrifft sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen, insbesondere wenn eine bekannte Stimme verwendet wird, um eine finanzielle oder IT-bezogene Anfrage glaubwürdig erscheinen zu lassen.

Eine vertraute Stimme ist kein Beweis

In der RTS-Sendung On en parle vom 8. Oktober 2026 bezeichnete Sandy Lavorel, Gründer von FlairSafe, die Überprüfung über einen zweiten Kanal als wichtigsten Schutz:

Es ist ratsam, die Person erneut über einen anderen Kanal zu kontaktieren, um ihre Identität zu überprüfen, insbesondere wenn eine Zahlung verlangt wird oder man aufgefordert wird, einen Code mitzuteilen oder ein Passwort anzugeben.

Lavorel weist auch auf eine grundlegende Regel der digitalen Hygiene hin: langsam machen. Die Betrüger machen sich die Dringlichkeit zunutze, um die Opfer zum Handeln zu bewegen, ohne nachzudenken. Auch wenn die Stimme wie die einer sehr vertrauten Person klingt, gilt es, Entscheidungen unter Druck zu vermeiden und die Anfrage über einen anderen Kanal zu überprüfen.

FlairSafe ist eine kostenlose Plattform, die hilft, Online-Betrug zu erkennen. Derzeit erkennt sie Betrugsfälle, die auf Stimmklonierung basieren, nicht spezifisch, kann aber das Risikoniveau einer Nachricht anhand eines Screenshots oder eines kopierten und eingefügten Textes analysieren. Mit mehreren Partnern laufen Gespräche zur Entwicklung dieser Funktion.

Der jüngste Bericht des Bundesamts für Cybersicherheit, der sich auf das erste Halbjahr 2026 bezieht, weist darauf hin, dass der Einsatz von KI bei Betrugsmaschen weiter zunimmt. Die Angreifer nutzen sie, um personalisierte und glaubwürdige Inhalte zu erstellen. Zu den Zielen gehören Mitarbeitende von Unternehmen, während der CEO-Betrug eine künstliche Stimme verwendet, die die eines Vorgesetzten imitiert, um Mitarbeitende dazu zu bringen, unrechtmäßige Überweisungen zu tätigen.

Das ergänzende Material zur Schweiz weist außerdem auf einen Rückgang der Anrufe falscher Beamter um 75% hin, nachdem neue Vorschriften gefälschte ausländische Telefonnummern blockieren. Im Material über Online-Identitätsdiebstahl in der Schweiz kommen außerdem die Prozentsätze 2%, 80% und 3% vor: Diese Angaben beziehen sich auf jenes ergänzende Material und werden nicht den beiden hier beschriebenen Fällen von Stimmklonierung zugerechnet.

Operative Details

Warum die Überprüfung außerhalb des Telefonats erfolgen muss

Die von der Quelle beschriebene Bedrohung verändert die Art und Weise, wie eine Anfrage bewertet werden muss. Das Problem besteht nicht nur darin, einer veränderten Stimme zuzuhören, sondern zu entscheiden, ob eine Stimme allein die Identität der sprechenden Person bestätigen kann. Die von der Quelle formulierte Antwort lautet nein, selbst wenn der Gesprächspartner bekannt zu sein scheint.

Vertrautheit und Authentizität sind zwei verschiedene Dinge

Ein Anruf kann im Tonfall eines Geschäftspartners, eines Vorgesetzten oder einer vertrauten Person daherkommen. Das macht die Anfrage glaubwürdiger, ersetzt aber nicht die Überprüfung über einen anderen Kanal. Der entscheidende Schritt besteht darin, das am Telefon Gesagte von der Überprüfung der Identität zu trennen: Der Anruf übermittelt die Anfrage, der Rückruf dient dazu, sie zu überprüfen.

Die Dringlichkeit ist ein weiteres Element, mit dem vorsichtig umgegangen werden muss. Laut Sandy Lavorel drängen Betrüger das Opfer oft dazu, zu handeln, ohne nachzudenken. Deshalb geht es beim Verlangsamen nicht bloß um eine Pause, sondern darum zu verhindern, dass der Druck die Entscheidung bestimmt. Wenn es bei der Anfrage um eine Zahlung, einen Code oder ein Passwort geht, wird die Notwendigkeit eines Kanalwechsels besonders deutlich.

Für Unternehmen hat diese Vorgehensweise eine konkrete Auswirkung auf die tägliche Arbeit. Ein Mitarbeiter kann einen Anruf erhalten, der angeblich von einem Geschäftspartner oder einem Vorgesetzten kommt. Beim CEO-Betrug wird die künstliche Stimme gerade dazu verwendet, Mitarbeitende davon zu überzeugen, unrechtmäßige Überweisungen zu tätigen. Die Überprüfung sollte sich daher nicht auf die Erkennbarkeit der Stimme oder die vom Gesprächspartner angegebene Rolle beschränken.

Der Vorher-Nachher-Vergleich ist eindeutig. Vor der Überprüfung bleibt die Anfrage eine unter Druck erhaltene Mitteilung. Nach dem Wechsel zu einem anderen Kanal und dem Rückruf bei der betreffenden Person muss der Gesprächspartner seine Identität und die Anfrage bestätigen. Die Quelle stellt den Tonfall der Stimme nicht als ausreichendes Mittel für diese Überprüfung dar.

Auch FlairSafe muss in dieser Abfolge richtig eingeordnet werden. Die Plattform kann Screenshots und kopierte und eingefügte Texte analysieren, erkennt aber noch nicht gezielt das Klonen von Stimmen. Wenn das wichtigste Element ein Telefonat ist, besteht der von der Quelle beschriebene Schutz weiterhin darin, langsamer vorzugehen und anschließend zu überprüfen. Der Fall des Unternehmens aus dem Kanton Schwyz zeigt, warum diese Regel auch für Menschen gilt, die in der Schweiz arbeiten, und nicht nur für Privatpersonen, die Online-Nachrichten ausgesetzt sind.

Wichtige Punkte

Was tun, wenn ein verdächtiger Anruf eingeht

Das von der Quelle angegebene Verfahren kann angewendet werden, ohne zu versuchen, die Stimme technisch zu erkennen. Ziel ist es, zu verhindern, dass der Druck des Anrufs sofort in eine Zahlung, die Mitteilung eines Codes oder die Herausgabe eines Passworts mündet.

Vorgehensweise

1. Verlangsame das Tempo. Triff keine Entscheidung, während der Gesprächspartner auf Dringlichkeit beharrt. Die Pause dient dazu, sich dem Druck zu entziehen, den Betrüger ausüben, um jemanden zum unüberlegten Handeln zu bewegen.

2. Erkenne die Forderung. Kläre, ob der Anruf eine Zahlung, einen Code oder ein Passwort verlangt. In diesen Situationen empfiehlt die Quelle, die Identität über einen anderen Kanal zu überprüfen.

3. Wechsle den Kanal. Unterbrich das automatische Vertrauen in die Stimme und rufe die Person zurück, um ihre Identität zu überprüfen. Die Kontrolle muss außerhalb des erhaltenen Anrufs erfolgen.

4. Wende dieselbe Regel auf vertraute Stimmen an. Die Tatsache, dass der Gesprächspartner wie ein Geschäftspartner, ein Vorgesetzter oder eine bekannte Person klingt, macht den Rückruf und die Überprüfung nicht überflüssig.

5. Analysiere gegebenenfalls verbundene Nachrichten. Wenn die Anfrage von einer Nachricht begleitet wird, kannst du sie FlairSafe entweder per Screenshot oder durch Kopieren und Einfügen des Textes übermitteln. Die Plattform bewertet das Risikoniveau der Nachricht, erkennt jedoch noch nicht gezielt das Klonen von Stimmen.

Die Vorgehensweise für Beschäftigte in Unternehmen

Ein Mitarbeiter, der eine einem Geschäftspartner oder einem Vorgesetzten zugeschriebene Anfrage erhält, kann dieselben Schritte anwenden, bevor er fortfährt. Die Quelle weist darauf hin, dass Mitarbeiter von Unternehmen häufig ins Visier genommen werden, um hohe Geldsummen zu erbeuten; deshalb sollte die Überprüfung nicht beiseitegeschoben werden, wenn die Stimme authentisch klingt.

Der Wechsel zu einem anderen Kanal ist auch der Punkt, der die Analyse der Nachricht von der Bestätigung der Identität unterscheidet. FlairSafe kann dabei helfen, einen Text oder einen Screenshot zu bewerten, während ein Anruf mit geklonter Stimme den von Lavorel angegebenen Rückruf erfordert. Die laufenden Gespräche mit verschiedenen Partnern betreffen gerade die Entwicklung einer spezifischen Funktion für diese Art von Betrug.

Die praktische Regel bleibt daher geradlinig: langsamer werden, erkennen, worum gebeten wird, den Kanal wechseln und die Person überprüfen. Das ist das Verfahren, das auch dann anzuwenden ist, wenn die Stimme wirklich wie die einer Person klingt, die man gut kennt.

Quelle: rsi.ch

Häufig gestellte Fragen
Wie hoch ist der Verlust, den die italienische Bank durch den Betrug mit geklonter Stimme erlitten hat?
Die italienische Privatbank hat infolge eines Betrugs 95 Millionen Euro verloren, bei dem eine mit künstlicher Intelligenz veränderte Stimme verwendet wurde, um das Personal zu täuschen und eine Überweisung von Geldern zu erwirken.
Wie empfiehlt Sandy Lavorel, die Identität des Anrufers zu überprüfen, wenn man einen Sprachbetrug vermutet?
Sandy Lavorel rät, sich Zeit zu lassen, unter Druck keine Entscheidungen zu treffen, die Anfrage (Zahlung, Code oder Passwort) zu identifizieren und dann den Kommunikationskanal zu wechseln: die Person über einen anderen Weg zurückzurufen, um ihre Identität zu bestätigen, bevor man handelt.
Was berichtet der UFCS-Bericht zum ersten Halbjahr 2026 über KI-basierte Betrugsmaschen und Anrufe von falschen Amtsträgern?
Der UFCS-Bericht S1 2026 hebt eine Zunahme der Nutzung von KI zur Erstellung personalisierter und glaubwürdiger Inhalte hervor, wobei vor allem Unternehmensmitarbeitende ins Visier genommen werden; außerdem verzeichnet er dank neuer Vorschriften zu gefälschten Rufnummern einen Rückgang der Anrufe falscher Amtsträger um 75% und berichtet, dass sich die Online-Identitätsdiebstähle in der Schweiz auf 2%, 80% und 3% belaufen.

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