F-35, Bern und USA: kein Festpreis vereinbart

Bericht der Aufsichtskommission dementiert Amherd: Es gab keine Festpreisvereinbarung mit den USA. Zusatzkredit von CHF 394 Mio. und Reduktion auf 30 Jagdflugzeuge.
Kontext
Auf einen Blick
- Geschäftsprüfungskommission des Nationalrats: Kein Festpreis mit den USA für die F-35A vereinbart
- Die Schweiz wird 30 statt 36 Kampfjets haben; Zusatzkredit von 394 Millionen CHF
- Bericht kritisiert fehlendes Verhandlungsmandat und das Vieraugenprinzip
- Amherd und Savic haben im Frühjahr 2025 ihre Ämter verlassen
Wichtige Fakten
- Was: Bericht der Geschäftsprüfungskommission des Nationalrats widerlegt Amherds These eines Festpreises für F-35A
- Wann: Dienstag (Datum der Mitteilung der Kommission)
- Wo: Schweizerische Eidgenossenschaft, Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten
- Wer: Geschäftsprüfungskommission des Nationalrats, Viola Amherd (ehemalige Verteidigungsministerin), Darko Savic (ehemaliger Leiter von Air2030)
- Betrag: Zusatzkredit von 394 Millionen CHF; geschätzte Mehrkosten zwischen 650 Millionen und 1,3 Milliarden CHF
- Reduktion der Kampfjets: Von 36 auf rund 30 F-35A
Die Geschäftsprüfungskommission des Nationalrats hat am Dienstag einen 95-seitigen Bericht veröffentlicht, der die These von Viola Amherd kategorisch widerlegt: Für den Kauf der F-35A-Kampfjets war mit den Vereinigten Staaten nie ein Festpreis vereinbart worden. Es handelt sich nicht um einen einfachen Verwaltungsstreit, sondern um eine Angelegenheit, die den Umgang mit Milliarden öffentlicher Franken und die Glaubwürdigkeit der Bundesinstitutionen betrifft.
Laut Mitteilung der Kommission hätten das Eidgenössische Departement für Verteidigung und der Bundesrat „nicht davon ausgehen dürfen, dass ein pauschaler Festpreis vereinbart worden war“. Der Preis ist zudem nicht nur nicht anwendbar, sondern war trotz einer Notiz, die das Gegenteil nahelegte, nie Gegenstand einer vertraglichen Vereinbarung. Die Kommission kann nicht einmal „nachvollziehen, weshalb das Verteidigungsdepartement diesen Preis gegenüber dem Parlament mit solcher Entschiedenheit verteidigt hat“.
Unzureichende Verhandlungsführung
Die Kritik beschränkt sich nicht auf den Preis. Der Bericht bemängelt die ungenügend straffe Organisation der Verhandlungen und einen unzureichenden Informationsfluss. Besonders problematisch ist, dass vor Beginn der Verhandlungen ein klar definiertes Verhandlungsmandat fehlte. Die Gespräche wurden von einem zu kleinen Personenkreis begleitet, und in einigen Phasen fehlte sogar „die elementarste Form der Aufsicht“, nämlich das Vieraugenprinzip.
Im Jahr 2020 hatte das Schweizer Volk einen Höchstbetrag von sechs Milliarden Franken für den Kauf von 36 F-35A bewilligt. Fünf Jahre später, im Jahr 2025, stellte sich heraus, dass der von Bern als fest angesehene Preis von den Vereinigten Staaten nicht garantiert wurde. Ende Juni des vergangenen Jahres schätzte der Bund die Mehrkosten auf 650 Millionen bis 1,3 Milliarden Franken. Angesichts dieser Erkenntnis beschloss der Bundesrat, die Zahl der Kampfjets von 36 auf rund 30 zu reduzieren. Um einen Teil der zusätzlichen Kosten zu decken, ist jedoch weiterhin ein Zusatzkredit von 394 Millionen Franken erforderlich.
Viola Amherd, die damalige Verteidigungsministerin, steht im Zentrum der Untersuchung. Amherd hatte die These verteidigt, wonach der Preis der F-35A fest war. Auch Darko Savic steht im Visier der Untersuchung, der ehemalige Leiter des Projekts Air2030. Beide haben ihre jeweiligen Ämter im Frühjahr 2025 verlassen, bevor das Ausmaß der Mehrkosten klar zutage trat.
Operative Details
Die Chronologie eines Managementfehlers
Der Fall der F-35-Kampfjets stellt ein emblematisches Beispiel dafür dar, wie eine zunächst vom Volk unterstützte eidgenössische Entscheidung fehlerhaft umgesetzt werden kann. Im Jahr 2020 stimmten die Schweizer einer Bereitstellung von 6 Milliarden Franken zu, die auf der Prämisse beruhte, dass der Preis fest und abgesichert sei. Diese Prämisse erwies sich als falsch. Fünf Jahre später treten versteckte Kosten in Milliardenhöhe zutage, und die Zahl der Kampfjets sinkt von 36 auf etwa 30 Einheiten.
Die Aufsichtskommission zeigt sich überrascht darüber, dass das Eidgenössische Departement für Verteidigung vor dem Parlament selbst eine falsche These mit solcher Bestimmtheit aufrechterhalten und verbreiten konnte. Wie war das möglich? Die Antworten liegen in der Führung der Verhandlungen: ein fehlendes klar definiertes Verhandlungsmandat, fragmentierte Kommunikation, das Fehlen der elementarsten Gegenprüfung (des Vieraugenprinzips) und ein zu kleiner Kreis von Personen, die an den Entscheidungen beteiligt waren.
Die Rolle der Kommission und die persönliche Verantwortung
Dieser Bericht ist das Ergebnis der Aufsichtstätigkeit des Nationalrats. Die Geschäftsprüfungskommission nimmt eine zentrale Rolle wahr: Sie beaufsichtigt die Tätigkeit der Bundesverwaltung, überprüft, ob die Versprechen gegenüber den stimmberechtigten Bürgerinnen und Bürgern eingehalten werden, und gewährleistet eine korrekte Verwendung der öffentlichen Mittel. Im Fall der F-35 musste die Kommission tief graben, um herauszufinden, wie die Eidgenossenschaft eine Volksabstimmung auf eine vertragliche Prämisse hatte stützen können, die nicht existierte.
Der zusätzliche Kredit von 394 Millionen Franken, der nun zur Deckung eines Teils der Mehrkosten benötigt wird, stammt aus der Bundeskasse. Die 650-1.300 Millionen Franken an zusätzlichen Kosten stellen öffentliche Mittel dar, die nicht anderen Budgetposten zugutekommen können: dem Gesundheitswesen, der Forschung, der Infrastruktur oder dem Verkehr.
Die individuellen Verantwortlichkeiten von Viola Amherd und Darko Savic bleiben im Mittelpunkt der Untersuchung. Beide haben ihre Ämter im Frühjahr 2025 verlassen, lange bevor das volle Ausmaß des Problems öffentlich zutage trat. Der Bericht untersucht eingehend die Rolle jedes Einzelnen bei der Führung der Verhandlungen und bei der Kommunikation gegenüber den Spitzen der Bundesverwaltung.
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Wichtige Punkte
Was diese Entscheidung für die Schweiz bedeutet
Die Anschaffung von 30 F-35A statt 36 verändert die Verteidigungsfähigkeit der Schweiz in den kommenden Jahrzehnten. Es ist keine Entscheidung, die leichtfertig getroffen werden sollte, und die Tatsache, dass sie aus einem kritischen Bericht der Aufsichtskommission hervorgegangen ist, deutet darauf hin, dass der Weg zu dieser Reduktion alles andere als geradlinig war. Die Botschaft, die sich daraus ergibt, ist zweifach: Einerseits musste der Bundesrat ein gescheitertes Projekt verkleinern; andererseits stellt der zusätzliche Kostenaufwand von 394 Millionen Franken dennoch eine Belastung des Bundeshaushalts dar. Die Stimmberechtigten hatten 6 Milliarden Franken für 36 Kampfflugzeuge auf der Grundlage einer Annahme bewilligt, die sich als unzutreffend erwiesen hat.
Die parlamentarische Kontrolle als Schutzmechanismus
Die Untersuchung der Aufsichtskommission zeigt, wie das Schweizer Parlament über seine Kontrollorgane in der Lage ist, Fehler in der Bundesverwaltung aufzudecken und eine Korrektur zu erzwingen. Allerdings zeigt die Tatsache, dass der Bericht notwendig war, auch, dass die internen Kontrollsysteme — wie das im Bericht erwähnte Vieraugenprinzip — während der Verhandlungen nicht funktioniert haben. Die parlamentarische Aufsicht ist eine wesentliche Absicherung gegen Fehler bei der Steuerung grosser Projekte mit erheblichen Kosten.
Die Geschäftsprüfungskommission des Nationalrats wird die Entwicklung des Projekts weiter verfolgen. Die neue Zahl der F-35A (etwa 30) und der Zusatzkredit von 394 Millionen müssen die ordentlichen parlamentarischen Verfahren durchlaufen, wodurch eine zusätzliche Ebene demokratischer Kontrolle gewährleistet wird.
Nächste Schritte und Transparenz
Der 95 Seiten umfassende Bericht bietet den eidgenössischen Institutionen Gelegenheit, über die Governance grosser Verteidigungsprojekte und den Umgang mit internationalen Verhandlungen nachzudenken. Die aufgeworfenen Fragen — warum fehlte ein klares Verhandlungsmandat? Warum war der Informationsfluss unzureichend? Warum fehlte die doppelte Kontrolle? — bleiben grundsätzlich für jede grosse öffentliche Beschaffung gültig, unabhängig vom Bereich.
Die Glaubwürdigkeit der Eidgenossenschaft hängt auch davon ab, ob sie aus diesen Fehlern lernen kann. Die Schweizer Bürgerinnen und Bürger haben das Recht zu wissen, wie mit ihrem Geld umgegangen wird, und Transparenz muss die Regel bleiben, nicht die Ausnahme. Wer sich eingehender damit befassen möchte, wie der Bundeshaushalt verwendet wird und welche Kontrollmechanismen ihn regeln, sollte das calcolatore per le imposte svizzere und die Informationen über die öffentlichen Ausgaben des Bundes konsultieren.
Quelle: rsi.ch
Häufig gestellte Fragen
- Was genau hat die F-35-Verhandlungsaufsichtskommission herausgefunden?
- Die Aufsichtskommission stellte fest, dass das Eidgenössische Verteidigungsdepartement und der Bundesrat nicht davon hätten ausgehen dürfen, dass für die F-35A-Jäger ein pauschaler Festpreis vereinbart wurde. Der Preis war nicht nur nicht durchsetzbar, er war auch nie Gegenstand einer vertraglichen Vereinbarung mit den USA gewesen, obwohl ein Hinweis auf das Gegenteil hindeutete. Die Kommission kritisiert auch das Fehlen eines klar definierten Verhandlungsmandats, den unzureichenden Informationsfluss und das Fehlen des Grundsatzes der doppelten Kontrolle.
- Wie viele F-35A wird die Schweiz am Ende haben?
- Die Schweiz wird rund 30 F-35A-Kampfflugzeuge haben, von den 36, die ursprünglich durch die Volksabstimmung von 2020 genehmigt wurden. Die Reduktion wurde vom Bundesrat angesichts der Notlage der geschätzten Mehrkosten zwischen 650 Millionen und 1,3 Milliarden Franken beschlossen.
- Wie viel wird das zusätzliche Guthaben kosten?
- Der Zusatzkredit beläuft sich auf 394 Millionen Franken und ist zur Deckung eines Teils der Mehrkosten vorgesehen. Dieser Betrag kommt zu den ursprünglich im Jahr 2020 bewilligten 6 Milliarden Franken hinzu. Die zusätzlichen Gesamtkosten wurden auf 650 Millionen bis 1,3 Milliarden Franken geschätzt.
- Warum haben Viola Amherd und Darko Savic ihre Ämter aufgegeben?
- Viola Amherd (ehemalige Verteidigungsministerin) und Darko Savic (ehemaliger Projektleiter Air2030) verließen ihre jeweiligen Ämter im Frühjahr 2025, bevor die Höhe der Mehrkosten und der Managementfehler unter der Prämisse des Festpreises deutlich wurde. Der Bericht der Kommission untersucht ihre Rolle bei der Verhandlungsführung.
- Wie konnte der Bundesrat an einen Festpreis glauben, den es gar nicht gab?
- Dem 95-seitigen Bericht der Aufsichtskommission zufolge hatte das Eidgenössische Verteidigungsdepartement vor Aufnahme der Gespräche mit den USA kein klar definiertes Verhandlungsmandat. Auf die Verhandlungen folgte ein zu enger Personenkreis, und in einigen Phasen fehlte das Prinzip der doppelten Kontrolle. Darüber hinaus war der Informationsfluss unzureichend, so dass sich eine falsche These konsolidieren und vor dem Parlament standhaft verteidigt werden konnte.