Schweizer Banken, WAK-S bremst Bundesrat auf Eigenkapital (Grenzgänger-Leitfaden)

Bundeshaus in Bern in der Abenddämmerung, Sitz des Ständerats

Die Ständeratskommission ändert den Vorschlag der Regierung: Bis zur Hälfte der Deckung kann aus AT1-Anleihen kommen, nicht nur aus CET-1.

Kontext

Kurz zusammengefasst

  • Die WAK-S bremst die 100-prozentige Eigenmitteldeckung für ausländische Tochtergesellschaften
  • AT1-Anleihen könnten die Hälfte der vorgeschriebenen Deckung abdecken
  • Derzeit beträgt die Eigenkapitaldeckung für ausländische Beteiligungen 60%
  • UBS ist heute die einzige systemrelevante Bank, die von der Massnahme betroffen ist

Schlüsselzahlen

  • Was: Die Kommission für Wirtschaft und Abgaben des Ständerats (WAK-S) ändert den Vorschlag des Bundesrats zur Deckung der ausländischen Beteiligungen systemrelevanter Banken
  • Wann: Debatte und Abstimmung in der Kommission, Ankündigung am Abend über eine Pressekonferenz
  • Wo: Bern, Bundeshaus
  • Wer: WAK-S, präsidiert von Erich Ettlin (Mitte/OW); Bundesrätin Karin Keller-Sutter (Eidgenössisches Finanzdepartement, EFD); Daniela Stoffel (Staatssekretariat für internationale Finanzfragen, SIF)
  • Wie: Abstimmung mit 10 Ja-, 2 Nein-Stimmen und 1 Enthaltung
  • Ursprünglicher Vorschlag: 100-prozentige Deckung durch hartes Kernkapital (CET-1)
  • Vorschlag der WAK-S: Teilweise Deckung durch AT1-Anleihen (Additional Tier 1), mit Überprüfung ihrer Funktionsweise
  • Aktuelles Regime: 60-prozentige Eigenkapitaldeckung für ausländische Beteiligungen

Operative Details

Die Gründe des Kompromisses: warum nicht 100% CET-1

Der Präsident der CET-S Erich Ettlin hat die Philosophie der Entscheidung in einer expliziten Formel zusammengefasst: 'Wir wollen die Regeln verschärfen, um die Steuerzahler besser zu schützen, aber auch sicherstellen, dass die Wirtschaft keiner übermässigen Regulierung ausgesetzt wird.' Es ist ein Gleichgewicht zwischen zwei Anforderungen: einerseits der Schutz der Finanzstabilität und der öffentlichen Mittel, andererseits die Erhaltung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Finanzplatzes. Ettlin hat anschliessend klargestellt, dass es sich um 'einen Kompromiss handelt — und nicht um ein Geschenk an die UBS': der Kauf der AT1-Anleihen bringt dennoch Kosten mit sich, auch wenn, wie er einräumte, nicht klar ist, wie viel diese Anleihen der Schweizer Nummer eins im Bankwesen kosten würden. Die Bank hatte sich mit Nachdruck gegen den ursprünglichen Vorschlag der Regierung gewehrt.

Konkret ist der Unterschied zwischen dem Vorschlag des Bundesrates vom April und der Variante der CET-S nicht marginal. Der Bundesrat verlangte, dass die systemrelevanten Banken — heute wäre de facto nur die UBS betroffen — ihre ausländischen Tochtergesellschaften vollständig mit hartem Kernkapital (CET-1) finanzieren. Die CET-S schlägt hingegen vor, dass die Hälfte der Deckung über AT1-Anleihen erfolgen kann, ein Kapitalinstrument, das jedoch eine gewisse

Vergleich zwischen den Regimen: von 60% zum Mix-Szenario

Um das Ausmass der Änderung zu erfassen, kann ein Vergleich der Regime hilfreich sein.

Wichtige Punkte

Was ändert sich konkret: mögliche Szenarien

Der Text der CET-S ist noch kein Gesetz: Es handelt sich um einen Kommissionsbeschluss, der nun das parlamentarische Verfahren durchlaufen muss. Dieselbe Kommission hat erklärt, dass sie nicht die Zeit gehabt habe, den Mechanismus des Public Liquidity Backstop zu prüfen, und darauf hingewiesen, dass das Dossier noch offen sei.

Auf der Grundlage der in der Quelle enthaltenen Tatsachen lassen sich einige explizite Szenarien annehmen, die als solche und nicht als sichere Vorhersagen dargestellt werden:

Szenario A — Systemrelevante Bank in voller Ordnung. Eine Bank, die alle Eigenkapitalanforderungen erfüllt, kann weiterhin Dividenden ausschütten, eigene Aktien zurückkaufen und Boni an die Führungskräfte zahlen, ohne Einschränkungen. Keine automatische Verpflichtung zur Emission zusätzlicher AT1.

Szenario B — Bank, die unter die Anforderungen fällt. Die Verpflichtung zur Aussetzung von Dividenden und Aktienrückkäufen greift; die Boni an die Führungskräfte werden reduziert oder in schwereren Fällen ganz gestrichen. Dauer und Umfang der Reduzierung hängen davon ab, wie lange und in welchem Ausmass die Anforderungen nicht erfüllt werden.

Szenario C — Emission von AT1 in einer Phase der Schwierigkeit. Die CET-S sieht ausdrücklich Massnahmen vor, um zu verhindern, dass eine Bank AT1-Obligationen emittiert, wenn sie sich bereits in einer prekären finanziellen Lage befindet: Mit anderen Worten, das Instrument, das zur Stärkung des Kapitals gedacht ist, darf nicht als letzter Ausweg eingesetzt werden.

Häufig gestellte Fragen
Was hat die WAK-S über die Deckung der Auslandsniederlassungen der Grossbanken entschieden?
Die Kommission für Wirtschaft und Abgaben des Ständerats hat den Vorschlag des Bundesrates geändert: Statt 100% in erstklassigen Basiseigenmitteln (WAK-1) sieht sie vor, dass rund die Hälfte der Deckung über AT1-Anleihen (Additional Tier 1) bezahlt werden kann. Die Schlussabstimmung ergab 10 Ja-Stimmen, 2 Nein-Stimmen und 1 Enthaltung.
Wie sieht heute die Eigenkapitalregelung für ausländische Beteiligungen aus?
Die derzeit geltende Regelung sieht eine Kapitaldeckung von 60 % für ausländische Beteiligungen von Systembanken vor. Der Vorschlag des Bundesrates vom April sollte ihn mit nur CET-1 auf 100 Prozent bringen, während die Variante der CET-S ein gemischtes CET-1 plus AT1-Szenario von bis zu rund 50 Prozent einführt.
Welche Konsequenzen sind zu erwarten, wenn eine Bank die Eigenkapitalanforderungen nicht erfüllt?
Es entsteht die Verpflichtung, die Dividendenausschüttung an die Aktionäre und den Rückkauf eigener Aktien auszusetzen. Die Prämien der Führungskräfte müssen je nach Dauer und Umfang der Nichteinhaltung der Anforderungen gekürzt oder in schwerwiegenderen Fällen gestrichen werden.
Warum hat die WAK-S einen Kompromiss statt 100 % WAK-1 vorgezogen?
Kommissionspräsident Erich Ettlin (Mitte/OW) erläuterte die Philosophie der Entscheidung: «Wir wollen die Regeln verschärfen, um die Steuerzahler besser zu schützen, aber auch um sicherzustellen, dass die Wirtschaft nicht überreguliert wird.» Er nannte die Entscheidung «einen Kompromiss — und kein Geschenk an UBS» und erinnerte daran, dass der Kauf von AT1 ohnehin mit Kosten verbunden sei.
Welche Themen sind im Dossier noch offen?
Die WAK-S selbst erklärte, sie habe keine Zeit gehabt, den staatlichen Liquiditätsgarantiemechanismus (Public Liquidity Backstop) zu prüfen, der daher offen bleibe. Der Kommissionstext soll nun dem parlamentarischen Verfahren im Ständerat und dem anschliessenden Verfahren zur Beilegung der Meinungsverschiedenheiten mit dem Nationalrat folgen.

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