Prostatakrebs: gute Versorgung in der Schweiz 2020‑2023

Arzt und Patient besprechen PSA-Testergebnisse in einem schweizerischen Arztbüro mit Alpenblick

Oltre 35'000 casi analizzati tra il 2020 e il 2023

Kontext

Auf einen Blick

  • Über 35'000 Fälle wurden zwischen 2020 und 2023 analysiert
  • 8'929 neue Fälle und durchschnittlich 1'340 Todesfälle pro Jahr
  • 76% werden durch opportunistisches Screening entdeckt
  • Überlebensrate nach drei Jahren: 97%

Wichtige Fakten

  • Analysierte Fälle → über 35'000
  • Zeitraum → 2020-2023
  • Durchschnittliche neue Fälle pro Jahr → 8'929
  • Durchschnittliche Todesfälle pro Jahr → 1'340
  • Opportunistisches Screening → 76%
  • Tumorboard → 56%
  • Überlebensrate nach einem Jahr → 99%
  • Überlebensrate nach drei Jahren → 97%

Das aus den Registern hervorgegangene Bild

ZÜRICH - Über 35'000 Fälle von Prostatakrebs, die zwischen 2020 und 2023 diagnostiziert wurden, sind in der ersten nationalen Analyse der Indikatoren für Diagnose und Behandlung untersucht worden. Die Arbeit stammt vom Nationalen Krebsregistrierungsdienst (SNRT) gemeinsam mit der Schweizerischen Gesellschaft für Urologie (Swiss Urology).

Der Bericht bewertet die Versorgung positiv: Im Vergleich zu den anderen europäischen Ländern weist die Schweiz eine niedrige Mortalität und hohe Überlebensraten auf. Im selben Zeitraum wurden durchschnittlich 8'929 neue Fälle und 1'340 Todesfälle pro Jahr verzeichnet. Bei Männern ist dies die am häufigsten diagnostizierte Krebserkrankung im Land.

76% der Fälle werden im Rahmen eines opportunistischen Screenings entdeckt; 13% der Diagnosen gehen auf einen Zufallsbefund zurück und 7% auf Symptome. Mit zunehmendem Alter steigt der Anteil der Zufallsbefunde oder der symptombedingten Entdeckungen.

Das opportunistische Screening umfasst den PSA-Test, also den Test auf das prostataspezifische Antigen; Arzt und Patient wägen dessen Vor- und Nachteile ab und entscheiden von Fall zu Fall, ob er durchgeführt werden soll. In der Schweiz gibt es für diesen Tumor kein nationales systematisches und einheitliches Screeningprogramm; bei Brust- und Darmkrebs hingegen ist das Screening auf nationaler Ebene organisiert.

Stadien und Risiko

36% der Tumoren werden im Stadium I und 30% im Stadium II diagnostiziert, wenn die Krankheit noch auf die Prostata begrenzt ist. 14% der Fälle gehören zur Risikogruppe 1, während weitere 14% der Gruppe 2a zugeordnet werden: Für beide Kategorien ist das Progressionsrisiko begrenzt.

Der Bericht weist jedoch auf die Kehrseite der Früherkennung hin. Vor allem bei älteren Männern können Tumoren entdeckt werden, die weder klinisch relevant geworden wären noch die Lebenserwartung verkürzt hätten. Bei Menschen mit begrenzter Lebenserwartung sollten Screeninguntersuchungen daher mit Vorsicht eingesetzt werden.

Bei Tumoren mit geringem Risiko, die auf die Prostata begrenzt sind, ist in der Regel die aktive Überwachung angezeigt, nicht die sofortige Behandlung. In der Risikogruppe 1 betrifft sie etwa 72% der Patienten und sieht engmaschige Kontrollen mit PSA, Magnetresonanztomografie und Biopsie vor. Für das gesonderte Thema des Krankenversicherungsschutzes ist der Leitfaden LAMal/cassa malati verfügbar.

Operative Details

Risikoadaptierte Therapien

Der Schwerpunkt der Analyse liegt auf Tumoren mit niedrigem Risiko: In 20% der Fälle wird dennoch eine Behandlung, etwa ein chirurgischer Eingriff oder eine Strahlentherapie, durchgeführt, statt eine aktive Überwachung vorzunehmen. Dem Bericht zufolge wären viele dieser Therapien wahrscheinlich vermeidbar: Im Vergleich zur aktiven Überwachung würden sie keinen zusätzlichen Nutzen bringen und könnten Nebenwirkungen verursachen.

Der von den Autoren vorgeschlagene Ansatz ist ein einheitliches, evidenzbasiertes Screening mit klaren Ein- und Ausschlusskriterien. Ein solcher Ansatz könnte sowohl Überdiagnosen als auch Übertherapien begrenzen und dabei die Notwendigkeit, die Krankheit früh zu erkennen, vom Risiko trennen, Tumoren zu behandeln, die keine klinische Relevanz gehabt hätten.

Unter allen Patienten ist die radikale Prostatektomie der häufigste Eingriff und wird in 35% der Fälle durchgeführt. 25% der Patienten erhielten eine Hormontherapie, während 19% eine Strahlentherapie erhielten. Die mögliche Kombination der verschiedenen Optionen hängt von den Merkmalen des Tumors, dem Zustand des Patienten und dem Therapieziel ab.

Bei Tumoren mit mittlerem bis hohem Risiko wird in 37%-57% der Fälle operiert. Eine Strahlentherapie, mit oder ohne zusätzliche Hormontherapie und/oder Chemotherapie, kommt in 17%-43% der Fälle zum Einsatz. Wenn bereits zum Zeitpunkt der Diagnose Fernmetastasen vorliegen, wird in 69% der Fälle ausschließlich eine Hormontherapie und/oder Chemotherapie eingesetzt. Diese Zahlen beziehen sich auf unterschiedliche klinische Gruppen, nicht auf einen einzigen für alle geltenden Behandlungsweg.

Die multidisziplinäre Diskussion

In 56% der Fälle wird die Therapieentscheidung in einem onkologischen Komitee oder Tumorboard getroffen. Darin tauschen sich Fachleute aus verschiedenen Disziplinen über die Optionen aus und formulieren Empfehlungen, die den aktuellsten Therapiestandards entsprechen.

Der Bericht empfiehlt, nach Möglichkeit jede neue Prostatakrebsdiagnose von einem dieser Komitees prüfen zu lassen. Die kollegiale Diskussion wird als Instrument genannt, um die Versorgung zu verbessern und das Risiko übermäßiger Behandlungen zu verringern. Für eine separate Vertiefung zum Krankenversicherungsschutz steht der Leitfaden LAMal/cassa malati zur Verfügung.

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Wichtige Punkte

Fünf operative Schritte

Der Bericht kann auch als praktisches Raster gelesen werden, um sich zwischen Diagnose, Kontrollen und Therapieentscheidung zu orientieren. Die Abfolge folgt den in der Analyse genannten Elementen.

1. Festlegen, wie die Erkrankung erkannt wurde: opportunistisches Screening, Zufallsbefund oder Symptome. Die Verteilung verändert sich mit dem Alter, da der Anteil der Zufallsdiagnosen oder der symptombezogenen Diagnosen zunimmt.

2. Den PSA-Test in das individuelle Gespräch zwischen Arzt und Patient einordnen. Vor der Entscheidung, ob er durchgeführt werden soll, werden die Vor- und Nachteile abgewogen, da es kein systematisches und einheitliches nationales Programm für Prostatakrebs gibt.

3. Stadium und Risiko gemeinsam betrachten. Die Erkrankung kann noch auf die Prostata begrenzt sein, während die Risikogruppen 1 und 2a als durch ein begrenztes Progressionsrisiko gekennzeichnet angegeben werden. Diese Elemente unterscheiden die Fälle mit niedrigem Risiko von den übrigen.

4. In Fällen mit niedrigem Risiko und auf die Prostata begrenzter Erkrankung den Weg der aktiven Überwachung prüfen, der engmaschige Kontrollen mit PSA-Test, Magnetresonanztomografie und Biopsie umfasst. Bei älteren Männern mit begrenzter Lebenserwartung mahnt der Bericht zur Vorsicht bei der Anwendung des Screenings.

5. Den kollegialen Schritt überprüfen: Die Empfehlung lautet, dass jede neue Diagnose nach Möglichkeit von einem onkologischen Komitee besprochen wird. Das Tumorboard bringt Fachärzte verschiedener Disziplinen zusammen, um die Optionen zu bewerten und Empfehlungen gemäß den neuesten Therapiestandards zu formulieren.

Diese Übersicht hält zwei Ziele getrennt, die der Bericht gemeinsam darstellt: die Früherkennung, die sich positiv auf Behandlung und Prognose auswirkt, und die Verringerung unnötiger Befunde oder Therapien. Die relative Überlebensrate wird im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung berechnet: 99% ein Jahr nach der Diagnose, 98% nach zwei Jahren und 97% nach drei Jahren. Der Bericht stellt diesen Werten eine niedrige Sterblichkeitsrate im Vergleich zum übrigen Europa gegenüber. Für eine gesonderte Vertiefung zur Gesundheitsversorgung siehe LAMal/cassa malati.

Quelle: tio.ch

Häufig gestellte Fragen
Wie hoch ist der Anteil der Fälle von Prostatakrebs, die in der Schweiz durch opportunistisches Screening entdeckt werden?
Laut dem nationalen Bericht werden 76% der Fälle von Prostatakrebs im Rahmen eines opportunistischen Screenings entdeckt. Dazu gehört der PSA-Test, der von Arzt und Patient von Fall zu Fall bewertet wird, da es für diesen Tumor kein systematisches und einheitliches nationales Programm gibt.
Wie hoch ist das relative Drei-Jahres-Überleben drei Jahre nach der Diagnose von Prostatakrebs in der Schweiz?
Die relative Überlebensrate drei Jahre nach der Diagnose beträgt 97%, während sie nach einem Jahr 99% und nach zwei Jahren 98% beträgt. Diese Daten weisen dank einer frühzeitigen Diagnose und einer angemessenen Behandlung auf eine niedrige Sterblichkeitsrate im Vergleich zum übrigen Europa hin.
Welcher Anteil der Patienten mit einem Tumor mit niedrigem Risiko erhält dennoch eine Behandlung anstelle einer aktiven Überwachung?
In der Niedrigrisikogruppe mit auf die Prostata beschränkter Erkrankung weist der Bericht darauf hin, dass in 20% der Fälle dennoch eine Behandlung wie eine Operation oder Strahlentherapie durchgeführt wird, anstelle der empfohlenen aktiven Überwachung. Viele dieser Therapien könnten vermieden werden, da sie keinen zusätzlichen Nutzen bieten und Nebenwirkungen verursachen können.

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