Grenzgänger-Ratgeber Bludenz · St. Gallen · Montlingen-Koblach

Leben in Nenzing und Arbeiten in der Schweiz: kein Grenzgänger-Regime für Österreich

Nenzing fällt unter kein begünstigtes Grenzgänger-Regime: Art. 15 Abs. 4 DBA-A wurde 2006 aufgehoben (veröffentlicht 2007). Wer in Nenzing wohnt und in der Schweiz arbeitet, zahlt die volle kantonale Quellensteuer wie jeder andere an der Quelle besteuerte Arbeitnehmer, ohne Ermässigung und ohne Distanzschwelle.

Aktualisiert:

Einwohner
6.502
Distanz zum Grenzübergang
26 km
Montlingen-Koblach
Bezirk
Bludenz
Vorarlberg
Steuerregime
Voller Satz
Art. 15 §1

Warum es kein Grenzgänger-Regime gibt

Bis 2006 hatte Österreich ein eigenes Grenzgänger-Regime (Art. 15 Abs. 4 DBA-A, SR 0.672.916.31) mit einem ermässigten Steuerabzug. Dieses Regime wurde aufgehoben (BGBl. III Nr. 22/2007, "aufgehoben"), seither gilt die ordentliche Regel nach Art. 15 Abs. 1: Wer in der Schweiz arbeitet, einschliesslich Einwohner von Nenzing, wird mit dem vollen kantonalen Quellensteuersatz im Tätigkeitsstaat besteuert. Es gibt keine definierte Grenzzone — die Regel gilt für jeden österreichischen Einwohner, unabhängig von der Distanz zur Grenze.

Quelle: SR 0.672.916.31 (RIS Austria, consolidato); BGBl. III Nr. 22/2007 (abrogazione art. 15 §4); rapporto del Consiglio federale svizzero al Parlamento, 15.11.2013 (Postulato Robbiani 11.3607); accordo quadro UE-EFTA ex art. 16(1) Reg. 883/2004 (telelavoro, AT e CH firmatari dal 2023-07-01).

Kein ermässigter Satz, keine Tagesschwelle

Anders als im Korridor mit Deutschland, wo ein ermässigter Steuerabzug auf das Bruttoeinkommen gilt, kennt Österreich keine solche Ermässigung: Es gilt immer der volle Satz. Und anders als in den Korridoren mit Deutschland oder Liechtenstein gibt es hier auch keine Nichtrückkehrtage-Schwelle zu beachten — es gibt keinen Grenzgängerstatus, der verloren gehen könnte. Es gilt nur die allgemeine OECD-Regel für Kurzaufenthalte (Art. 15 Abs. 2, eine 183-Tage-Schwelle), die gelegentliche kurze Arbeitsaufenthalte betrifft und nichts mit regelmässigem Grenzpendeln zu tun hat.

Wie die Doppelbesteuerung vermieden wird

Österreich vermeidet die Doppelbesteuerung durch die Anrechnungsmethode (Art. 23 Abs. 2): Die in der Schweiz gezahlte Steuer wird auf die österreichische Steuer für dasselbe Einkommen angerechnet, statt der Befreiungsmethode, die Österreich sonst als allgemeine Regel anwendet. Anstelle einer individuellen Entlastung auf Schweizer Seite zahlen die Schweizer Kantone gemeinsam eine Ausgleichszahlung von 12.5% des nach Art. 15 Abs. 1 erhobenen Quellensteueraufkommens an die österreichische Staatskasse (Schlussprotokoll, Ziffer 4).

Homeoffice: die 49.9%-Sozialversicherungsschwelle

Für alle, die teilweise im Homeoffice arbeiten, gilt eine sozialversicherungsrechtliche — nicht steuerliche — Schwelle: Wer mehr als 49.9% der Arbeitszeit vom Wohnsitzstaat aus leistet, für den kann sich der für die Sozialversicherung zuständige Staat ändern (multilaterales EU/EFTA-Rahmenabkommen nach Art. 16 Abs. 1 VO 883/2004, in Kraft seit 2023-07-01 für Österreich und die Schweiz). Ein spezifisches bilaterales Steuerabkommen zum Homeoffice wurde nicht gefunden.

Die Pendelrichtung

Anders als im Korridor mit Liechtenstein — heute überwiegend Schweiz → Liechtenstein — verläuft der Pendlerstrom hier in die übliche Richtung: von Österreich zu den Schweizer Beschäftigungskantonen (St. Gallen und Graubünden).

Nützliche Lektüre

Der Rechner bildet das Grenzgänger-Regime Italien-Schweiz ab (Tessiner Quellensteuer und italienische IRPEF mit Freibetrag). Er bildet NICHT das auf dieser Seite beschriebene Regime ab — das Ergebnis gilt daher nicht für Einwohner hier.

Vergleich mit den nächsten Gemeinden

Innerhalb von 27 km um Nenzing liegen 6 Gemeinden mit einer Seite auf dieser Website: Frastanz, Feldkirch, Koblach, Altach, Hohenems und Lustenau.

In dieser Gruppe reicht die Entfernung zur Grenze von 1 km (Koblach) bis 26 km (Nenzing).

Nenzing liegt bei 26 km: Platz 7 von 7 vom niedrigsten Wert an.

GemeindeEntfernung von hierEntfernung zur GrenzeEinwohnerNächster Übergang
Nenzing (hier)26 km6.502Montlingen-Koblach
Frastanz7,4 km14 km6.673Rüthi-Meiningen
Feldkirch9,9 km11 km36.643Rüthi-Meiningen
Koblach18 km1 km5.003Montlingen-Koblach
Altach19 km5 km7.159Kriessern-Mäder
Hohenems20 km5 km17.668Diepoldsau-Hohenems
Lustenau27 km3 km24.704Au-Lustenau

Luftlinien-Entfernungen, berechnet aus den Ortsmittelpunkt-Koordinaten unseres Datensatzes. Straßenentfernung zum nächsten Übergang und Einwohnerzahl aus dem österreichischen Gemeindedatensatz (Statistik Austria).

Häufige Fragen

Welches Steuerregime gilt in Nenzing?

Nenzing folgt der ordentlichen Regel nach Art. 15 Abs. 1 DBA-A: voller kantonaler Quellensteuersatz im Tätigkeitsstaat, ohne Ermässigung. Das frühere Grenzgänger-Regime (Art. 15 Abs. 4) ist seit 2006 aufgehoben.

Gilt hier derselbe ermässigte Satz wie im deutschen Korridor?

Nein. Dieser ermässigte Satz gilt nur für den Korridor mit Deutschland. Für Österreich gibt es keine Ermässigung der Quellensteuer: Es gilt immer der volle kantonale Satz.

Gibt es eine Nichtrückkehrtage-Schwelle wie in Deutschland oder Liechtenstein?

Nein. Da es keinen Grenzgängerstatus gibt, gibt es auch keine Nichtrückkehrtage-Schwelle zu beachten. Es gilt nur die allgemeine OECD-Regel für Kurzaufenthalte (Art. 15 Abs. 2, 183 Tage), die nichts mit Grenzpendeln zu tun hat.

Ändert Homeoffice etwas?

Sozialversicherungsrechtlich ja: Wer mehr als 49.9% der Arbeitszeit im Homeoffice leistet, für den kann sich der zuständige Staat für die Beiträge ändern (EU/EFTA-Rahmenabkommen). Steuerlich wurde kein spezifisches bilaterales Abkommen gefunden: Prüfen Sie dies immer mit Ihrem Beschäftigungskanton.

Schätzungen nur zur Orientierung. Die tatsächliche Besteuerung hängt von Familiensituation, Abzügen und Bescheinigungen ab. Immer mit einer Steuerberatung oder dem Beschäftigungskanton prüfen.