Tessin und Schweiz im Fokus des Europarats im Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt

Am 11. März besuchte eine GREVIO-Delegation den Kanton Tessin und hob die Fortschritte in der Prävention sowie die neuen Empfehlungen für den Kanton und das Land hervor.
Kontext
Auf einen Blick
- Tessin im Fokus des Europarats gegen geschlechtsspezifische Gewalt.
- Anstieg der gemeldeten Fälle häuslicher Gewalt im Tessin um 12%.
- Reformpaket „Schütze die Frau“ erhöht Ressourcen für Zufluchtsorte.
Wichtige Fakten
- Besuch Delegation: 11. März, Kanton Tessin, GREVIO-Expertengruppe.
- Gesetzgebung Schweiz: Istanbul-Konvention ratifiziert 2018, Artikel 124 StGB.
- Fälle häusliche Gewalt: 2022: Bellinzona 324, Lugano 468, Mendrisio 102, Locarno 157.
- Grenzübergänge: Brogeda und Gaggiolo, häufige Fluchtwege von Tätern.
- Reformpaket Tessin: 2021, Ressourcen für Zufluchtsorte von 2 auf 5 Mio. CHF.
- Schulungen: Pilotprojekt Locarno, 50 Fachkräfte, 200.000 CHF 2023.
- Empfehlungen GREVIO: Herbst 2024, fortschrittliche technologische Instrumente.
- Investition Apps: 350.000 CHF, Apps für Opfer, Videoüberwachung.
Tessin und Schweiz im Blick des Europarats im Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt
Am 11. März begrüßte der Kanton Tessin eine Delegation von GREVIO, der Expertengruppe, die für die Überwachung der ordnungsgemäßen Umsetzung der Konvention des Europarats zur Prävention und Bekämpfung von geschlechtsspezifischer Gewalt zuständig ist. Der offizielle Besuch stellte einen bedeutenden Moment für den Kanton dar, der sich durch innovative Politiken und spezifische Initiativen auf lokaler Ebene auszeichnet. Die Schweiz hat die Konvention im Jahr 2018 ratifiziert und in ihr Rechtssystem Normen wie Artikel 124 des Strafgesetzbuches (StGB) sowie das im Jahr 2020 verabschiedete Gesetz zum Schutz von Opfern häuslicher Gewalt integriert, mit Gesamtkosten von etwa 15 Millionen Schweizer Franken, die in soziale Dienste und die Polizei fließen.
Während des Besuchs traf die Delegation Vertreter der kantonalen Regierung, darunter das Department für Institutionen, und tauschte sich mit Organisationen wie der USI und dem EOC aus, die Schulungs- und Sensibilisierungsprogramme koordinieren. Besonders wurden die Ergebnisse einer im Jahr 2022 durchgeführten Umfrage vorgestellt, wonach in Bellinzona, Lugano, Mendrisio und Locarno insgesamt 324, 468, 102 und 157 Fälle häuslicher Gewalt bei den Behörden gemeldet wurden, was einem Anstieg von 12 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht.
Der Schwerpunkt des Besuchs lag auf den Grenzübergängen Brogeda und Gaggiolo, die häufig als Fluchtwege von Tätern genutzt werden. Zur Bewältigung dieses Problems wurden operative Strategien umgesetzt, wie die Verstärkung der Polizeipräsenz und die Entwicklung von Checklisten, die unter anderem die sofortige Überprüfung temporärer Unterkünfte und psychologische Unterstützung für die Opfer vorsehen. ⚠️
„Es ist essenziell, Präventions- und Schutzmaßnahmen zu verstärken“, betonte ein GREVIO-Vertreter und hob die Bedeutung eines integrierten Ansatzes zwischen öffentlichen Stellen und Freiwilligenorganisationen hervor.
Was die Gesetzgebung betrifft, hat der Tessin im Jahr 2021 das Reformpaket „Schütze die Frau“ verabschiedet, das die Ressourcen für Zufluchtsorte von 2 auf 5 Millionen Franken erhöht und strengere Strafen für häusliche Gewalt vorsieht, mit Haftstrafen von bis zu 10 Jahren.
Das Ziel ist, schnelle und koordinierte Eingriffe zu gewährleisten, insbesondere in risikoreichen Gebieten wie den Gemeinden Lugano und Mendrisio, wo rund 60 % der gemeldeten Fälle konzentriert sind. Die Zusammenarbeit mit lokalen Behörden und Freiwilligen ist entscheidend, um diese Strategien effektiv umzusetzen und die Sicherheits- sowie Unterstützungsbedürfnisse der Opfer zu erfüllen.
Der Kanton Tessin bereitet sich nun vor, weitere Maßnahmen bis zum Herbst zu integrieren, um die operative Kapazität zu stärken und ein noch wirksameres rechtliches Rahmenwerk im Einklang mit europäischen Standards zu schaffen.
Operative Details
Tessin und Schweiz im Blick des Europarats im Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt
Aus rechtlicher Sicht hat die Schweiz die Konvention des Europarats zur Prävention und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt (Istanbul-Konvention) im Jahr 2017 ratifiziert und verpflichtet sich, bis 2024 eine Reihe von Fristen und Kriterien einzuhalten. Zu den wichtigsten verpflichtenden Maßnahmen zählen die Einrichtung von Anlaufstellen für Opfer, mit mindestens 10 operativen Zentren im ganzen Land bis 2025, sowie spezifische Schulungen für Polizei, Richter und Sozialarbeiter. In Tessin wurde beispielsweise das Pilotprojekt in Locarno mit der Einbindung von 50 Fachkräften umgesetzt, die an Schulungen zu Erkennung und Umgang mit geschlechtsspezifischer Gewalt teilnehmen, finanziert mit rund 200.000 CHF im Jahr 2023.
Die Förderung von Sensibilisierungskampagnen über Risiken und Anzeichen von geschlechtsspezifischer Gewalt ist ein zentrales Element, mit bereits bestehenden Initiativen wie „Nein zur Gewalt“, die im Tessin in über 150 Gemeinden, darunter Bellinzona und Mendrisio, verbreitet ist. Ziel ist es, eine flächendeckende Integration im gesamten Gebiet zu erreichen, mit besonderem Fokus auf Grenzregionen wie die zwischen Chiasso und Como, wo grenzüberschreitende Dynamiken die Interventionen erschweren.
Laut den neuesten Fristen wird GREVIO im Herbst 2024 neue Empfehlungen aussprechen, die den Einsatz fortschrittlicher technologischer Instrumente und Überwachungssysteme betreffen könnten. Im Tessin wird die Einführung spezieller Apps für Opfer geprüft, mit einer Investition von rund 350.000 CHF, sowie die Verbesserung der Videoüberwachung in sensiblen Bereichen wie den Grenzregionen Chiasso und Mendrisio.
Das schweizerische Recht, mit seinen kantonalen Besonderheiten, sieht auch Anreize für gemeinschaftliche Initiativen und Kooperationen mit Forschungsinstituten wie SUPSI und USI vor, die mit Studien und Schulungsprojekten beitragen. 2022 wurden etwa 1,2 Millionen CHF vom Bund bereitgestellt, davon rund 300.000 CHF für Tessiner Projekte, um Präventionsprogramme in Schulen und Grenzgemeinden zu entwickeln.
Mit den Mitteln für 2026, auch durch europäische Fördermittel, soll die Unterstützungseinrichtungen sowie Bildungsprogramme an den weiterführenden Schulen gestärkt werden, wobei rund 25.000 Schüler in der gesamten Region erreicht werden sollen. Die Herausforderung besteht darin, eine echte Integration zwischen kantonalen und grenzüberschreitenden Maßnahmen zu gewährleisten, um ein schnelles und koordiniertes Eingreifen mit einem interdisziplinären Ansatz und entsprechenden Ressourcen zu schaffen.
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Wichtige Punkte
Tessin und Schweiz im Blick des Europarats im Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt
Es ist ratsam, die gesetzlichen Änderungen und Initiativen zum Schutz und zur Prävention von geschlechtsspezifischer Gewalt kontinuierlich zu überwachen, um wirksame und zeitnahe Maßnahmen sicherzustellen. Für Fachkräfte im Sozialbereich, öffentliche Verwalter oder aktive Bürger im Tessiner Gebiet ist es essenziell, Instrumente wie den Risiko-Rechner für geschlechtsspezifische Gewalt, verfügbar auf der Website des Finanzdepartements, sowie aktuelle Handbücher mit detaillierten Verfahren und Interventionskriterien zu konsultieren. So wurden im Jahr 2022 im Kanton Lugano 132 Fälle häuslicher Gewalt registriert, was eine Steigerung um 10 % im Vergleich zum Vorjahr darstellt und die Notwendigkeit gezielter Maßnahmen sowie einer kontinuierlichen Überwachung unterstreicht.
Die Zusammenarbeit zwischen kantonalen Stellen, Universitätsinstitutionen und Nichtregierungsorganisationen ist die Grundlage, um die Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen zu stärken. In Bellinzona hat das Projekt „Sicherheit und Solidarität“ 50 Freiwillige eingebunden und über 300 Informationsmaterialien verteilt, wodurch im Jahr 2023 rund 1.500 Bürger sensibilisiert wurden. Die GREVIO-Visite und die im Herbst erwarteten Empfehlungen bieten eine konkrete Chance für den Kanton Tessin, die eigenen Schutz- und Präventionspolitiken weiter zu verbessern.
Für Fachkräfte ist es unerlässlich, eine operative Checkliste zu haben, die folgende Punkte umfasst:
- Kontinuierliche Aktualisierung der kantonalen Gesetze (z.B. das Gesetz zum Schutz vor häuslicher Gewalt von 2021 mit einem Fonds von 2 Millionen Franken für Notfalleinsätze im Jahr 2024)
- Regelmäßige Schulung des Personals zu Interventionsprotokollen
- Verfügbarkeit wichtiger Nummern wie die Notrufnummer 143 und Anlaufstellen wie Casa Serena in Locarno sowie Casa Angela in Bellinzona
- Zusammenarbeit mit Polizei und lokalen Sozialdiensten
Beispielhaft zeigt sich, dass eine schnelle Intervention bei einem Fall häuslicher Gewalt das Risiko einer Eskalation deutlich verringern kann, während eine verzögerte Reaktion höhere soziale und wirtschaftliche Kosten verursacht, durchschnittlich geschätzt auf 15.000 Franken pro verzögertem Fall.
Tools wie unser Gehaltsrechner helfen dabei, verfügbare Ressourcen und Kosten für soziale Schutzmaßnahmen, inklusive Förderungen und Notfallfonds, zu bewerten. Bleiben Sie auf dem Laufenden über gesetzliche Änderungen und Initiativen für 2026 auf den entsprechenden Seiten von Frontaliere Ticino, einer Anlaufstelle für Grenzgänger und Anwohner an der Grenze. Mit der Stärkung der Maßnahmen und der Einhaltung der Empfehlungen des Europarats bestätigt sich der Kanton Tessin als vorbildliches Beispiel im Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt.
Häufig gestellte Fragen
- Was ist im Kanton Tessin im Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt passiert?
- Der Kanton Tessin beherbergte eine Delegation von GREVIO, der Expertengruppe zur Überwachung der ordnungsgemäßen Anwendung des Übereinkommens des Europarates zur Verhütung und Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt. Der Besuch war ein bedeutender Moment für den Kanton, der sich durch seine innovative Politik und die spezifischen Initiativen auf lokaler Ebene auszeichnet.
- Wie viele Fälle häuslicher Gewalt wurden 2022 in Lugano gemeldet?
- Im Jahr 2022 wurden in Lugano 468 Fälle häuslicher Gewalt gemeldet, ein Anstieg von 12% gegenüber dem Vorjahr.
- Was sind die wichtigsten Initiativen des Kantons Tessin, um den Schutz von Opfern geschlechtsspezifischer Gewalt zu verbessern?
- Der Kanton Tessin erhöhte die Mittel für Notunterkünfte von 2 auf 5 Millionen Franken und führte Haftstrafen von bis zu 10 Jahren für Straftaten häuslicher Gewalt ein und stärkte damit den Schutz und die Unterstützung der Opfer.
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