Ehemaliger Vorsitzender der SBVg vor Gericht wegen Korruption und Geldwäsche (Grenzgänger-Leitfaden)

Justizpalast Lausanne, Sitz des Bundesstrafgerichts, wo Pierre Mirabaud vor Gericht steht

Pierre Mirabaud, ehemaliger Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung, vom TPF wegen Korruption kuwaitischer Gelder angeklagt. 24 Monate Bewährungsstrafe beantragt.

Kontext

In Kürze

  • TPF-Verfahren Anfang September gegen ehemalige SBVg
  • Anklage: Korruption und Geldwäsche in Höhe von 82 Millionen Franken
  • 24 Monate Bewährungsstrafe von der Bundesanwaltschaft beantragt

Eckdaten

  • Was: Verfahren wegen Bestechung ausländischer Amtsträger und schwerer Geldwäsche
  • Wann: Prozess Anfang September 2026; Untersuchung 2021 eingeleitet
  • Wo: Bundesstrafgericht (TPF) Lausanne
  • Wer: Pierre Mirabaud, ehemaliger Präsident der SBVg (2003-2009), 77 Jahre alt
  • Betrag: versprochene Retrozessionen: CHF 82 Mio.; gezahlte Rückzahlung: CHF 42 Mio.

Pierre Mirabaud, von 2003 bis 2009 ehemaliger Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg), wird Anfang September vom Bundesstrafgericht (BST) in Lausanne beurteilt. Der Vorwurf: Er habe einen hochrangigen kuwaitischen Beamten bestochen, um die Verwaltung großer öffentlicher Gelder zu erhalten. Mirabaud ist 77 Jahre alt und hat sich für ein vereinfachtes Verfahren vor einem Einzelrichter entschieden, wobei er die angefochtenen Tatsachen anerkennt.

Der Anklageschrift zufolge gehen die Vorfälle auf den Zeitraum von 2000 bis 2012 zurück. Die Strafuntersuchung wurde 2021 von der Bundesanwaltschaft (BA) eingeleitet. Mirabaud habe dem Präsidenten der mit der schweizerischen AHV vergleichbaren kuwaitischen Sozialversicherungsanstalt (PIFSS, Public Institution for Social Security) ungerechtfertigte Retrozessionen in Höhe von insgesamt 82 Millionen Franken versprochen.

Wie das Korruptionsschema funktionierte

Im Gegenzug für diese Retrozessionen wird der

Operative Details

Die Bedeutung des Prozesses für die Schweizer Finanzbranche

Der Prozess in Mirabaud ist kein einfacher Fall von internationaler Korruption. Es stellt einen Test für die Fähigkeit des Schweizer Systems dar, das Verhalten der Bankspitzen zu kontrollieren. Die SBVg, die Schweizerische Bankiervereinigung, ist das oberste Vertretungsorgan der Privatbank in der Schweiz. Dass sein ehemaliger Präsident wegen schwerer Korruption und Geldwäsche aus einem transnationalen Schema angeklagt wird, schadet direkt dem Ruf des gesamten Schweizer Finanzplatzes.

Die Bundesanwaltschaft hat entschieden, den Fall mit Entschlossenheit zu verfolgen. Die 2021 eingeleitete Untersuchung rekonstruierte ein Korruptionsschema, das von 2000 bis 2012 funktionierte — zwölf Jahre, in denen Mirabaud als Präsident der SBVg und später als Privatbankier unrechtmäßige finanzielle Beziehungen zu einer kuwaitischen Sozialversicherungseinrichtung unterhielt.

Vereinfachtes Verfahren und Tatsachenfeststellung

Mirabaud entschied sich für ein vereinfachtes Verfahren vor einem Einzelrichter. Diese Wahl ist kein Zufall. Die Anerkennung des Sachverhalts bedeutet, dass der Angeklagte den Vorwurf nicht bestreitet und eine schnellere Entscheidung ermöglicht. Die Staatsanwaltschaft verlangte 24 Monate Bewährungsstrafe — eine Freiheitsstrafe, aber keine Gefängnisstrafe, vorbehaltlich der Einhaltung von Bedingungen, die der TPF festlegen muss.

Die Zahlung von 42 Millionen Franken an die kuwaitische PIFSS, die bereits erfolgt ist,

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Wichtige Punkte

Was passiert nach dem Prozess

Der Prozess vor dem TPF ist öffentlich. Lausanne, Sitz des Bundesstrafgerichts, wird Anfang September 2026 das Verfahren gegen Mirabaud aufnehmen. Jeder Interessierte — Kollegen aus der Finanzbranche, Journalisten, Forscher, Schweizer Bürger — kann die Anhörungen verfolgen. Das Urteil des TPF wird das endgültige Urteil über ein internationales Korruptionsschema darstellen, an dem eine Schweizer Bankenelite zwölf Jahre lang beteiligt war.

Die Botschaft zur Governance des Finanzsektors

Der Prozess sendet eine klare Botschaft an den Schweizer Finanzsektor: Transnationale Korruption, auch wenn sie von anerkannten Spitzen wie Mirabaud begangen wird, bleibt nicht ungestraft. Die Bundesanwaltschaft verfügt über leistungsfähige Ermittlungsinstrumente, und das TPF hat seine Fähigkeit unter Beweis gestellt, über komplexe Fälle von Korruption und Geldwäsche zu entscheiden.

Für diejenigen, die in der Schweizer Privatbank arbeiten, wirft der Fall konkrete Fragen zu Governance, Compliance und interner Aufsicht auf. Wie waren zwölf Jahre unrechtmäßiger Retrozessionen möglich, ohne dass jemand — weder Kollegen, noch Prüfer, noch Kontrollorgane — einen Alarm auslöste? Welche internen Kontrollen bei der Bank Mirabaud waren unwirksam?

Die SNB, die Schweizerische Nationalbank und die FINMA, die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht, müssen prüfen, ob die Aufsichtsarchitektur ausreicht, um ähnliche Skandale künftig zu verhindern.

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Quelle: tio.ch

Häufig gestellte Fragen
Wer ist Pierre Mirabaud und welche Rolle spielte er?
Pierre Mirabaud, 77, war von 2003 bis 2009 Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg). Er ist Inhaber der Genfer Privatbank Mirabaud. Er wurde von der Bundesanwaltschaft untersucht und wird vom Bundesstrafgericht wegen Bestechung eines kuwaitischen Beamten angeklagt, um zwischen 2000 und 2012 die Verwaltung erheblicher öffentlicher Gelder zu erhalten.
Wie viel Geld war in den Fall involviert?
Mirabaud habe dem Präsidenten des kuwaitischen PIFSS rechtswidrige Retrozessionen in Höhe von insgesamt 82 Millionen Franken versprochen. Im Gegenzug habe das kuwaitische Institut der Bank Mirabaud eine halbe Milliarde kuwaitischer öffentlicher Gelder (rund 400 Millionen Franken zum aktuellen Wechselkurs) anvertraut. Mirabaud hat bereits 42 Millionen Franken an die PIFSS zurückgezahlt.
Welches rechtliche Verfahren wurde für den Prozess gewählt?
Mirabaud hat sich für das vereinfachte Verfahren vor einem Einzelrichter des Bundesstrafgerichts entschieden. Der Prozess beginnt Anfang September 2026. Er erkannte den Sachverhalt an, was das Verfahren im Vergleich zu einem ordentlichen Verfahren erheblich beschleunigt.
Welche Strafe wurde von der Staatsanwaltschaft gefordert?
Die Bundesanwaltschaft beantragte eine Bewährungsstrafe von 24 Monaten. Es handelt sich nicht um eine Gefängnisstrafe, sondern um eine Freiheitsstrafe, die an die Einhaltung von Bedingungen geknüpft ist, die das TPF im Urteil festlegen muss.
Welcher Zeitraum wird von den Anschuldigungen abgedeckt?
Die beanstandeten Fälle stammen aus der Zeit zwischen 2000 und 2012. Die strafrechtliche Untersuchung wurde 2021 von der Bundesanwaltschaft (BA) eingeleitet und rekonstruierte zwölf Jahre korrupter Operationen.

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