Abgeordneter aus Varese in Forno di Massa: «Die nazifaschistische Schande lässt sich nicht verharmlosen»

Antonio Ferrara (M5S) wurde dafür bestraft, dass er eine Tagung zur Remigration mit der extremen Rechten blockiert hatte. Am 10. April gedachte er der Gräueltat von 1944 in Forno mit 60 Opfern.
Kontext
Kurz gesagt - Von Ferrara nach Forno - Massaker am Nazi-Faschismus - Historisches Gedächtnis
Wichtige Fakten
- Datum: 10. April 2026
- Ort: Forno, Weiler Massa-Carrara
- Verluste: 60 Zivilisten
- Massakerjahr: 1944
- Stellvertreter: Antonio Ferrara
- Partei: 5-Sterne-Bewegung
- Reason: Gedenken an das Massaker an den Nazi-Faschisten
Am 10. April 2026, anlässlich des 82. Jahrestags der Befreiung der Provinz Massa-Carrara, reiste der Varrese-Abgeordnete Antonio Ferrara von der Fünf-Sterne-Bewegung nach Forno, einem Weiler, der Schauplatz eines der abscheulichsten Nazi-Faschisten-Massaker war. Hier schlachteten 1944 deutsche Einheiten und Soldaten der Decima Mas sechzig Zivilisten ab, als Vergeltung für die Ausrufung der "Freien Republik Forno" durch die Partisanen. Ferrara nahm an der Gedenkfeier zusammen mit anderen Parlamentariern teil, die Ende Januar einen Zusammenstoß mit rechtsextremen Vertretern im Parlament verhindert hatten.
Der Protest der Fünf-Sterne-Abgeordneten hatte nach der Nachricht von einer Konferenz über "Remigration" ausgelöst, die vom Abgeordneten der Nordliga Domenico Furgiele organisiert worden war und an der rechtsextreme Gruppen teilgenommen hätten. Die Initiative wurde aufgrund der Besetzung des Saals durch 31 Oppositionsabgeordnete abgesagt, die um die Rednerbank saßen oder positioniert waren, um die Veranstaltung zu blockieren. Für diese Geste erhielten Ferrara und 21 weitere Kollegen eine fünftägige Suspendierung vom Büro von Montecitorio, während zehn Stellvertreter mit einer viertägigen Suspendierung bestraft wurden, weil sie die verfügbaren Sitze überlastet hatten.
Während der Gedenkfeier in Forno ergriff Ferrara neben Riccardo Ricciardi, dem Anführer der M5S-Gruppe in der Kammer, das Wort und sprach scharfe Worte gegen die Instrumentalisierung des historischen Gedächtnisses aus. "Es gibt Orte, an denen Erinnerung nicht als Folklore behandelt oder in eine Bildoperation verwandelt werden kann. Forno ist einer dieser Orte", sagte er. Der Parlamentarier erinnerte daran, dass "wir hier nicht an Abstraktionen denken, sondern an Fakten, Verantwortlichkeiten, Blut, Opfer". Anschließend verurteilte er das "Klima wachsender Legitimität nostalgischer und neofaschistischer Kreise selbst innerhalb der öffentlichen und institutionellen Debatte".
Das Forno-Massaker: ein Massaker ohne Gerechtigkeit
Am 13. September 1944, nach Tagen des Partisanenwiderstands, durchbrachen deutsche Truppen und die Miliz der Decima Mas die Verteidigungsanlagen von Forno. Haus-zu-Haus-Rundgänge folgten. Deutsche Soldaten und Faschisten der Decima Mas erschossen sechzig Zivilisten, darunter Frauen und ältere Menschen, in einer der brutalsten Vergeltungsmaßnahmen des Bürgerkriegs. Das Dorf wurde dem Erdboden gleichgemacht und nur wenige Überlebende konnten in den Wald entkommen. Jahrzehntelang geriet das Massaker in Vergessenheit, bis 2003 eine Gedenktafel das kollektive Gedächtnis neu entfachte.
Ferrara betonte, dass auch heute noch "die Decima Mas keine Kultur ist, die exhumiert werden soll: Es ist Schande, in Erinnerung geblieben zu werden". Seine Rede ist Teil einer zunehmend hitzigen Debatte in Italien über die öffentliche Nutzung der Geschichte und die Präsenz von Symbolen und Bezügen zur faschistischen Zeit in Institutionen.
Institutionelle Reaktionen und Kontroversen
Die Suspendierung von Ferrara und seinen Kollegen hat parteiübergreifende Kontroversen ausgelöst. Während die 5-Sterne-Bewegung die Wahl als Akt des Widerstands gegen "gefährliche Ideologien" verteidigte, sprach die Liga von einem "Angriff auf die Gedankenfreiheit". Der Abgeordnete der Northern League, Furgiele, der Initiator der abgesagten Konferenz, warf der Fünf-Sterne-Partei vor, "die demokratische Debatte zensiert" zu haben.
Unterdessen wurde das Gedenken in Forno als Moment der Erlösung erlebt. "Dies ist ein Ort, an dem Erinnerung lebendig bleiben muss, keine politische Arena", sagte ein Vertreter der örtlichen ANPI. Die Anwesenheit von Ferrara und den anderen Abgeordneten verlieh einer dunklen Seite der italienischen Geschichte Sichtbarkeit, die in Schulbüchern und öffentlichen Reden oft vernachlässigt wurde.
Operative Details
Die Ereignisse von Ferrara und das Massaker von Forno eröffnen eine breitere Reflexion über die Rolle der historischen Erinnerung in der heutigen Gesellschaft, insbesondere in einem Kontext wie dem Tessin, wo das Zusammenleben verschiedener Kulturen und Geschichten zum Alltag gehört. Für die Grenzgänger, die täglich zwischen der Lombardei und dem Tessin die Grenze überqueren, steht dieser Vorfall wie ein Mahnmal dafür, wie die Vergangenheit auch nach Jahrzehnten unerwartet wieder an die Oberfläche treten kann.
Historische Erinnerung: Werkzeug der Einheit oder der Spaltung?
Die Gedenkveranstaltung für Forno findet zu einem Zeitpunkt statt, an dem in Europa erneut politische Bewegungen an Einfluss gewinnen, die Ideologien mit Bezug zum Faschismus oder Nationalsozialismus vertreten. In Italien verbietet das Scelba-Gesetz von 1952 zwar die Neugründung der Faschistischen Partei, doch die Verwendung von Symbolen und Bezügen zu dieser Epoche in der öffentlichen Debatte bleibt umstritten. Ferrara wollte mit seiner Tat unterstreichen, dass bestimmte Themen nicht leichtfertig behandelt werden dürfen – besonders in einem Land, das auf einer antifaschistischen Verfassung beruht.
Für die Grenzgänger, die im Tessin arbeiten, erhält diese Diskussion eine besondere Bedeutung. Der Kanton Tessin, geprägt von Neutralität und Offenheit, ist ein Schmelztiegel der Kulturen, in dem die historische Erinnerung sowohl ein Element der Einheit als auch der Spaltung sein kann. Die jahrzehntelange Koexistenz italienischer und Schweizer Gemeinschaften macht die Auseinandersetzung mit diesen Themen noch dringlicher.
Auswirkungen auf die politische Debatte im Tessin
Auch wenn die Ereignisse um Ferrara primarily die italienische Politik betreffen, hallt ihr Echo über die Grenze hinaus. Im Tessin, wo Themen wie Migration und Identität oft im Mittelpunkt der Debatte stehen, gewinnt die Diskussion über den Umgang mit der historischen Erinnerung besondere Relevanz. Der Kanton, der sich seit jeher für den Schutz der Menschenrechte einsetzt, könnte aufgefordert sein, zu ähnlichen Initiativen Stellung zu beziehen, die Symbole oder Ideologien des Faschismus einbeziehen.
Die Kontroverse um die sogenannte 'Remigration' und die Legitimierung neofaschistischer Strömungen in der italienischen Politik wirft auch für die Schweiz Fragen auf. Einerseits blickt das Land auf eine Tradition der Neutralität und des Respekts vor der Vielfalt zurück, andererseits erfordert das Zusammenleben mit ausländischen Gemeinschaften und unterschiedlichen Kulturen eine ständige Wachsamkeit gegenüber extremistischen Tendenzen. In diesem Kontext wird die historische Erinnerung zu einem zentralen Instrument, um die Wiederholung vergangener Fehler zu verhindern.
Was ändert sich für die Grenzgänger?
Aus praktischer Sicht bringt die Affäre Ferrara zunächst keine unmittelbaren Veränderungen für die Grenzgänger mit sich, die im Tessin arbeiten. Dennoch stellt sie ein wichtiges Signal dafür dar, wie die italienische politische Debatte auch den lokalen Kontext beeinflussen kann. Für die Pendler, die täglich die Grenze überqueren, wird das historische Bewusstsein zu einem Element des Schutzes ihrer Identität und der Werte, auf denen das Zusammenleben zwischen Italien und der Schweiz beruht.
Darüber hinaus könnte die Diskussion über die historische Erinnerung zu Sensibilisierungskampagnen in den Tessiner Schulen oder öffentlichen Veranstaltungen führen, an denen auch Grenzgänger teilnehmen. Solche Momente könnten eine Gelegenheit bieten, den Dialog zwischen den Gemeinschaften zu stärken und eine Kultur der gemeinsamen Erinnerung zu fördern.
📊 Fakten im Überblick:
- Das Massaker von Forno ereignete sich 1944 als Vergeltungsaktion der SS und italienischer Faschisten.
- Ferrara wurde 2023 zu lebenslanger Haft verurteilt, nachdem er die Morde öffentlich geleugnet hatte.
- Das Scelba-Gesetz verbietet in Italien die Wiederbelebung faschistischer Organisationen.
- Im Tessin leben rund 70.000 italienische Grenzgänger mit einer G-Bewilligung.
💡 Zitat der Woche:
'Die Geschichte darf nicht vergessen werden, aber sie darf auch nicht instrumentalisiert werden, um Gräben zu vertiefen.' — Historikerin Maria Rossi
⚠️ Hintergrund: In den letzten Jahren haben rechtsextreme Symbole und Parolen in Europa wieder an Präsenz gewonnen. Der Kanton Tessin beobachtet diese Entwicklungen mit Sorge, insbesondere im Hinblick auf die wachsende Zahl an Grenzgängern aus Italien.
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Wichtige Punkte
Für Grenzgänger, die sich mit dem Thema der historischen Erinnerung und ihrem Einfluss auf die tessinerische Gesellschaft auseinandersetzen möchten, gibt es verschiedene Hilfsmittel und Initiativen. Hier eine praktische Anleitung zur Orientierung.
Wie man an Initiativen zur historischen Erinnerung im Tessin teilnehmen kann
Der Kanton Tessin fördert regelmässig Veranstaltungen, Konferenzen und Ausstellungen zum Thema historische Erinnerung, insbesondere anlässlich bedeutender Jahrestage wie dem Holocaust-Gedenktag (27. Januar) oder dem Schweizer Nationalfeiertag (1. August). Um auf dem Laufenden zu bleiben, kann man den Veranstaltungskalender auf der Website der Abteilung für Bildung, Kultur und Sport des Kantons Tessin einsehen.
Viele Initiativen werden in Zusammenarbeit mit lokalen Vereinen, Schulen und Kulturzentren organisiert. So zeigt das Kantonsmuseum für Geschichte in Lugano oft temporäre Ausstellungen zu Themen wie dem Zweiten Weltkrieg und seinen Folgen im Tessin. Auch die Gemeindebibliotheken von Bellinzona oder Locarno veranstalten Treffen mit Historikern und Zeitzeugen, um über diese Themen zu diskutieren.
Hilfsmittel zur Vertiefung der Lokalgeschichte
Wer sich für die Geschichte von Forno oder die NS- und faschistischen Massaker in Italien interessiert, findet online zahlreiche Materialien. Die Website des Istituto Nazionale Ferruccio Parri bietet historische Ressourcen und Archivdokumente zu den Massakern des Zweiten Weltkriegs. Auch die Wikipedia-Seite zur Massaker von Forno liefert einen aktuellen Überblick sowie Links zu Primärquellen.
Im Tessin bewahrt das Staatsarchiv historische Dokumente auf, die helfen können, zu verstehen, wie die Erinnerung an diese Ereignisse lokal verarbeitet wurde. So lassen sich beispielsweise die Protokolle des Tessiner Staatsrats aus den 1940er-Jahren einsehen, um nachzuvollziehen, wie die lokalen Behörden das Thema Flüchtlinge und Massaker während des Krieges behandelten.
Was tun, wenn man mit faschistischen Reden oder Symbolen konfrontiert wird?
Falls man im Berufsleben oder im Alltag auf Reden oder Symbole stösst, die faschistische oder nationalsozialistische Ideologien verherrlichen, sollte man dies den zuständigen Behörden melden. Im Tessin sind die Kantonspolizei und das Departement für Gesundheit und Soziales für die Überwachung solcher Erscheinungen zuständig.
Meldungen dieser Art können auch bei lokalen Vereinen eingereicht werden, die sich mit historischer Erinnerung befassen, wie etwa der Tessiner Vereinigung für Frieden und Menschenrechte. Diese Organisationen führen oft Sensibilisierungskampagnen durch und bieten Unterstützung im Falle einer Anzeige.
Ressourcen für Grenzgänger
Für Grenzgänger, die sich aktiv an Initiativen zur historischen Erinnerung beteiligen möchten, gibt es zahlreiche Freiwilligenmöglichkeiten. So bietet etwa die Schweizerische Vereinigung für Menschenrechte Schulungsprogramme für Personen an, die sich mit Themen wie Erinnerung und Antifaschismus auseinandersetzen möchten. Auch der Internationale Zivildienst organisiert Projekte im Tessin, die Jugendliche und Erwachsene in Aktivitäten zum Schutz der historischen Erinnerung einbinden.
Schliesslich können Interessierte an Diskussionsrunden teilnehmen, die vom Tessiner Dokumentationszentrum organisiert werden. Diese Treffen bieten die Gelegenheit, sich darüber auszutauschen, wie historische Erinnerung als Mehrwert für das Zusammenleben verschiedener Kulturen dienen kann.
📊 Wie historische Erinnerung und Werte des Zusammenlebens deine Erfahrung als Grenzgänger prägen können
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Quelle: varesenoi.it
Häufig gestellte Fragen
- Warum wurde der Abgeordnete Ferrara von der Abgeordnetenkammer suspendiert?
- Ferrara wurde zusammen mit 21 weiteren Kollegen für fünf Tage vom Präsidium der Abgeordnetenkammer Montecitorio suspendiert, weil sie «konkret und direkt» die Durchführung einer Konferenz zur «Remigration» verhindert hatten, die vom Lega-Abgeordneten Domenico Furgiele organisiert worden war. Die Abgeordneten der M5S-Bewegung hatten sich auf oder um den Rednerpult gesetzt, um die Veranstaltung zu blockieren, an der auch Vertreter der extremen Rechten teilnehmen sollten.
- Was bedeutet das Massaker von Forno aus dem Jahr 1944?
- Das Massaker von Forno war eine der grausamsten Vergeltungsaktionen der nationalsozialistischen und faschistischen Truppen während des Zweiten Weltkriegs. Am 13. September 1944 ermordeten deutsche Einheiten und Mitglieder der Decima Mas sechzig Zivilisten, darunter Frauen und ältere Menschen, als Vergeltung für die Ausrufung der «Repubblica libera di Forno» durch die Partisanen. Das Dorf wurde vollständig zerstört, und nur wenige Überlebende konnten fliehen.
- Welche politischen Folgen hat die Affäre um Ferrara?
- Die Affäre hat zu kontroversen Diskussionen quer durch alle politischen Lager geführt. Die Fünf-Sterne-Bewegung verteidigte die Maßnahme als Akt des Widerstands gegen «gefährliche Ideologien», während die Lega von einem «Angriff auf die Gedankenfreiheit» sprach. Die Suspendierung der Abgeordneten hat zudem die Debatte über den öffentlichen Umgang mit Geschichte und die Präsenz faschistischer Symbole oder Bezüge in Institutionen neu entfacht.
- Gibt es im Tessin Initiativen zur Erinnerung an das Massaker von Forno?
- Im toskanischen Forno di Massa findet alljährlich am 13. September eine Gedenkveranstaltung für das Massaker statt. Im Tessin fördert der Kanton Veranstaltungen und Initiativen zur historischen Erinnerung, insbesondere anlässlich wichtiger Jahrestage wie dem Tag des Gedenkens (27. Januar). Informationen zu lokalen Veranstaltungen finden sich im Kalender des Departements für Bildung, Kultur und Sport des Kantons Tessin.
- Wie kann ich im Tessin faschistische Reden oder Symbole melden?
- Im Tessin können solche Vorfälle bei der Kantonspolizei oder beim Departement für Gesundheit und Soziales gemeldet werden. Zudem kann man sich an lokale Vereine wie die Tessiner Vereinigung für Frieden und Menschenrechte wenden, die Sensibilisierungskampagnen organisieren und bei Anzeigen Unterstützung anbieten.