Tessin: Öffnung einer Anlaufstelle für digitale Abhängigkeiten

Ein junger Mensch am Luganersee nutzt ein Smartphone während die Sonne hinter dem Monte Brè untergeht

OSC lanciert eine spezielle Anlaufstelle für digitale Abhängigkeiten. 6,8 % der Tessiner sind gefährdet, 22 % unter 15 Jahren. Der Service ist in Lugano und Bellinzona verfügbar.

Kontext

Auf einen Blick

  • Neue Anlaufstelle DIDI für digitale Abhängigkeiten im Tessin ab Juni 2024
  • 22 % der 15- bis 24-Jährigen im Tessin zeigen suchtähnliches Online-Verhalten
  • DIDI bietet kostenlose Unterstützung für Jugendliche, Familien und Erwachsene

Wichtige Fakten

  • Anlaufstelle: DIDI (Digitale Abhängigkeiten im Tessin)
  • Eröffnung: Juni 2024
  • Standorte: Lugano und Bellinzona
  • Zielgruppe: Jugendliche, Familien und Erwachsene
  • Problematik: 22 % der 15- bis 24-Jährigen zeigen suchtähnliches Online-Verhalten
  • Ziel: Strukturierte Betreuung und Unterstützung bei digitalen Abhängigkeiten
  • Angebot: Kostenlose Beratung und Therapiepfade
  • Notfallkontakt: Telefonseelsorge Tessin unter 0800 143 000

Die kantonale soziopsychiatrische Organisation (OSC) in Bellinzona hat die Eröffnung der neuen Anlaufstelle DIDI (Digitale Abhängigkeiten im Tessin) bekannt gegeben – ein kostenloses Angebot für Jugendliche, Familien und Erwachsene mit Problemen im Zusammenhang mit exzessivem digitalem Medienkonsum. Das Projekt geht auf Daten der Schweizerischen Gesundheitsbefragung von 2022 zurück, die zeigen, dass 6,8 % der Tessiner Bevölkerung über 15 Jahren ein Online-Verhalten aufweisen, das einer Abhängigkeit gleichkommt.

Bei den 15- bis 24-Jährigen steigt dieser Anteil auf 22 %, was das Phänomen besonders unter Jugendlichen kritisch macht. Die neue Anlaufstelle wird ab Juni 2024 an den OSC-Standorten Lugano und Bellinzona ihren Betrieb aufnehmen; die genauen Öffnungszeiten stehen noch nicht fest.

Auf der Tagung «Jenseits des Bildschirms», organisiert von der OSC in Zusammenarbeit mit der USI im Rahmen der Veranstaltungsreihe QUAD GEMS, wurde die Notwendigkeit eines ganzheitlichen Ansatzes betont. Tommaso Zanella, Vizepräsident der Stiftung Minotauro, hob hervor, «dass es nicht darum geht, Smartphones und soziale Netzwerke einfach zu verbieten oder einzuschränken, sondern junge Menschen dabei zu begleiten, ihren Emotionen und ihrer Rolle in der Gesellschaft einen Sinn zu verleihen». Zanella kritisierte zudem die Tendenz, die Debatte auf ein «Risiko oder eine Chance» zu reduzieren, und forderte, digitale Abhängigkeiten als Ausdruck eines tieferliegenden emotionalen Vakuums in der Erwachsenengesellschaft zu verstehen.

Die Rolle vorübergehender Einschränkungen

Andrea Raballo, Psychiater und Leiter der OSC-Bildungsabteilung, erklärte, wie neue Technologien heute zum Hauptfeld von Abhängigkeiten geworden sind – ein Phänomen, das vor 40 Jahren noch in konkreteren Bereichen auftrat. «Die flächendeckende und vereinfachte Verfügbarkeit von Smartphones, Chatbots und KI hat die Zahl der Betroffenen exponentiell ansteigen lassen», so Raballo. Seiner Ansicht nach können zeitlich begrenzte Regeln und Einschränkungen sinnvoll sein, doch sie sollten die Gesellschaft dabei unterstützen, sich an diese Veränderungen anzupassen – ohne einen historischen Wandel, der bereits im Gange ist, zu behindern.

Warum ein spezialisiertes Angebot?

Maria Chiara Ferrazzo Arcidiacono, Leiterin des klinischen Psychologie- und Psychotherapie-Dienstes der OSC, bestätigte, dass die OSC bereits heute Fälle von digitalen Abhängigkeiten behandelt. Die Eröffnung von DIDI soll die Betreuung jedoch strukturierter gestalten. «Das Angebot steht allen offen, mit besonderem Fokus auf Familien mit Jugendlichen oder Kindern sowie Erwachsenen, die von Psycholog:innen und Psychotherapeut:innen unterstützt werden», präzisierte sie. Ob der Service auch online oder nur vor Ort angeboten wird, steht noch nicht fest.

📊 Die OSC verweist auf alarmierende Zahlen: 6,8 % der Tessiner:innen über 15 Jahren zeigen ein suchtähnliches Online-Verhalten, bei den 15- bis 24-Jährigen sind es sogar 22 %.

⚠️ 22 % der 15- bis 24-Jährigen im Tessin weisen ein suchtähnliches Online-Verhalten auf – ein alarmierender Wert, der dringenden Handlungsbedarf unterstreicht.

💡 Zanella: «Es geht nicht um Verbote, sondern darum, jungen Menschen zu helfen, ihren Emotionen und ihrer Rolle in der Gesellschaft einen Sinn zu geben.»

Operative Details

Für die Grenzgänger, die im Tessin leben und in Italien arbeiten, stellen digitale Abhängigkeiten eine zusätzliche Belastung dar. Das Phänomen betrifft nicht nur das persönliche Gleichgewicht, sondern wirkt sich direkt auf die Produktivität, die familiären Beziehungen und die Fähigkeit aus, die Herausforderungen der grenzüberschreitenden Arbeit zu bewältigen.

Ein konkretes Szenario: Ein Elternteil als Grenzgänger, das nach einem langen Arbeitstag in Como die Abende am Telefon mit seinen jugendlichen Kindern verbringt und dabei Konflikte im Umgang mit dem übermäßigen Gebrauch sozialer Netzwerke bewältigen muss. Die Anlaufstelle DIDI bietet Unterstützung nicht nur für Minderjährige, sondern auch für Erwachsene, die Schwierigkeiten haben, konkrete Alternativen zur online verbrachten Zeit zu finden. »22 % der Jugendlichen zwischen 15 und 24 Jahren gelten als risikobehaftet«, betont Andrea Raballo, »doch oft spiegeln die problematischen Verhaltensweisen der Jugendlichen ungelöste familiäre Dynamiken wider«.

Ein weiterer kritischer Aspekt betrifft die digitalen Arbeitsmittel. Viele Grenzgänger nutzen täglich unternehmensinterne Kommunikationsplattformen, Projektmanagement-Software und Firmen-Chats. Die Trennung von Arbeits- und Privatzeit wird zunehmend schwieriger, insbesondere in einem Umfeld, in dem flexible Arbeitszeiten die Norm sind. Die Anlaufstelle DIDI wird maßgeschneiderte Wege zur Bewältigung dieser Vermischung anbieten, mit dem Ziel, Burn-out und »Connection Anxiety« vorzubeugen.

Vergleich mit der aktuellen Situation

Vor der Eröffnung von DIDI wandten sich Personen, die Hilfe bei digitalen Abhängigkeiten suchten, im Tessin vor allem an die psychologischen Dienste der OSC, allerdings ohne einen spezifischen Wegweiser. Die Wartelisten für psychologische Termine lagen oft bei über drei Monaten, und das Fehlen einer Spezialisierung in digitalen Abhängigkeiten begrenzte die Wirksamkeit der Interventionen. Mit der neuen Anlaufstelle verspricht die OSC schnellere Reaktionszeiten und zielgerichtete Therapiepfade.

Ein praktisches Beispiel: Ein 16-jähriger Junge, der täglich acht Stunden auf TikTok und Discord verbringt, kann an einem Therapiepfad mit sechs bis acht Sitzungen bei einem speziell ausgebildeten Psychotherapeuten teilnehmen. Parallel erhalten die Eltern Unterstützung, um die Situation konstruktiv zu handhaben, ohne auf absolute Verbote zurückzugreifen – diese führen oftmals zu kontraproduktiven Ergebnissen.

📊 Vergleichstabelle: Vor vs. nach DIDI

Table 1: Aspekt
AspektVor DIDINach Eröffnung von DIDI
SpezialisierungKeinePsychologen mit Schwerpunkt digitale Abhängigkeiten
Wartelisten3+ MonateZiel: 4–6 Wochen
TherapiepfadeAllgemeinIndividuell nach Alter und Bedürfnissen
Unterstützung für FamilienBegrenztStrukturiert und kontinuierlich
ErreichbarkeitNur vor OrtMögliche Online-Integration (noch zu bestätigen)

Laut Maria Chiara Ferrazzo Arcidiacono sei es das Ziel, »das oft begleitende Gefühl der Isolation bei diesen Problemen sowohl für Jugendliche als auch für Erwachsene zu verringern«.

💡 Hinweis: Die Anlaufstelle DIDI richtet sich an Grenzgänger mit G-Bewilligung sowie deren Familien und wird von der OSC in Zusammenarbeit mit lokalen Partnern betrieben. Weitere Informationen finden Sie unter osc-ti.ch/didi.

⚠️ Wichtig: Digitale Abhängigkeiten können sich auf die psychische Gesundheit auswirken. Bei akuten Krisen wenden Sie sich bitte an die Telefonseelsorge Tessin unter 0800 143 000 oder an den Notfalldienst der Psychiatrischen Dienste unter 091 814 40 40.

Empfohlene Tools

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Wichtige Punkte

Die Öffnung des DIDI-SCHALTERS stellt eine konkrete Chance für Grenzgänger und ihre Familien dar. Um auf den Dienst zugreifen zu können, müssen Sie eine erste Bewertung über die kostenlose OSC-Nummer 0800 111 444 (Zeiten müssen bestätigt werden) oder durch Ausfüllen des Online-Formulars auf der offiziellen OSC-Website (osc.ti.ch) buchen. Ein medizinischer Bericht ist nicht erforderlich, es wird jedoch empfohlen, eine kurze Beschreibung des Problems und der beteiligten Familien- oder Arbeitsdynamiken mitzubringen. \

# Schritt-für-Schritt-Anmeldeverfahren

1. Erstkontakt: Rufen Sie die gebührenfreie Nummer an oder füllen Sie das Online-Formular aus. Das Sekretariat prüft die Verfügbarkeit und leitet Sie an den nächstgelegenen Standort (Lugano oder Bellinzona) weiter. 2. Erstbewertung: Ein Bediener führt eine erste telefonische oder in Anwesenheit durchgeführte Bewertung durch, um spezifische Bedürfnisse zu identifizieren. 3. Therapeutischer Weg: Bei Bedarf wird ein Weg mit einem spezialisierten Psychotherapeuten aktiviert. Die Dauer und Häufigkeit der Sitzungen werden von Fall zu Fall vereinbart. 4. Familienbeteiligung: Für Minderjährige ist die Teilnahme der Eltern an unterstützenden Treffen vorgesehen. 5. Follow-up: Nach dem Sitzungszyklus wird das Ergebnis bewertet und ein Erhaltungsplan vorgeschlagen.

Nützliche Dokumente zur Vorbereitung

  • Personalausweis oder Aufenthaltserlaubnis (für Grenzgänger, die seit mehr als 5 Jahren nicht im Tessin ansässig sind)
  • Alle früheren medizinischen Befunde oder psychologischen Bewertungen
  • Liste der verwendeten digitalen Plattformen und durchschnittliche Online-Zeit

Kosten und Deckung

Der Service ist völlig kostenlos und wird vom Kanton Tessin finanziert. Eine Rückerstattung durch Krankenkassen oder Versicherungen ist nicht vorgesehen, die Übernahme ist jedoch allen im Tessin ansässigen und arbeitenden Grenzgängern garantiert. \

Fristen und Termine

Reservierungen für Juni 2024 werden am 1. Mai 2024 eröffnet. Die Öffnungszeiten der Schalter werden bis Ende April mitgeteilt. Wer dringend Hilfe benötigt, kann sich in jedem Fall an die Notdienste der OSZE wenden, die rund um die Uhr unter der Nummer 091 820 31 11 erreichbar sind. \

Was sich für Grenzgänger ändert

Für diejenigen, die täglich die Grenze überqueren, bietet der Didi-Schalter die Möglichkeit, die stressigen Rhythmen der grenzüberschreitenden Arbeit besser zu bewältigen. «Viele Grenzgänger stehen unter einem doppelten Druck: einerseits die Arbeitsbedürfnisse in Italien, andererseits die Familienführung im Tessin», erklärte Ferrazzo Arcidiacono. «Ein unterstützender Weg kann helfen, ein Gleichgewicht zwischen den beiden Realitäten zu finden.»

Wenn Sie Grenzgänger sind und Schwierigkeiten mit dem übermäßigen Einsatz digitaler Technologien haben, ist es an der Zeit zu handeln. Die psychische Gesundheit wartet nicht: Buchen Sie Ihre Bewertung und priorisieren Sie das Wohlbefinden von Ihnen und Ihrer Familie. Prenota ora mit unserem speziellen Tool, um die Abdeckung des Dienstes basierend auf Ihrer Wohngemeinde zu überprüfen.

Quelle: ticinonews.ch

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Häufig gestellte Fragen
Wer kann die DIDI-Anlaufstelle nutzen?
Die Anlaufstelle steht allen Einwohnerinnen und Einwohnern des Tessins sowie allen Grenzgängerinnen und Grenzgängern offen, die im Kanton arbeiten – unabhängig vom Alter. Besonders im Fokus stehen junge Menschen unter 25 Jahren und Familien.
Wird ein ärztliches Attest für die Inanspruchnahme des Dienstes benötigt?
Nein, es ist kein ärztliches Attest erforderlich. Sie können einfach die Gratisnummer 0800 111 444 anrufen oder das Online-Formular ausfüllen, um eine erste Einschätzung zu vereinbaren.
Wie lange dauert der Therapieverlauf?
Die Dauer hängt von den individuellen Bedürfnissen ab. Im Durchschnitt umfasst ein Therapieverlauf 6–8 Sitzungen mit einer spezialisierten Psychotherapeutin oder einem spezialisierten Psychotherapeuten, kann aber je nach Notwendigkeit verlängert oder verkürzt werden.
Wird der Service von den Krankenkassen übernommen?
Nein, der Service ist vollständig kostenlos und wird vom Kanton Tessin finanziert. Eine Rückerstattung über die Krankenversicherung ist nicht vorgesehen.
Wird es die Möglichkeit geben, die Anlaufstelle online zu nutzen?
Bisher ist dies noch nicht bestätigt. Aktuell liegt der Schwerpunkt auf der Eröffnung der Präsenzstandorte in Lugano und Bellinzona, doch die OSC prüft eine mögliche Erweiterung der Dienstleistungen auch im Remote-Bereich.

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