Bau in Tessin: Unternehmer fordern Investitionen und schnelle Entscheidungen

Luftaufnahme einer Baustelle in Lugano, Tessin, mit modernen Gebäuden und dem Luganersee im Hintergrund.

Die Bauwirtschaft im Tessin fordert eine Beschleunigung der öffentlichen Investitionen und bürokratische Vereinfachungen, um Verzögerungen zu vermeiden.

Kontext

In Kürze

  • Ticinesische Unternehmer fordern beschleunigte öffentliche Investitionen
  • Vereinfachung der Bürokratie für den Bausektor
  • Mindestlohn für Maurer bei 75'790 Franken pro Jahr brutto

Wichtige Fakten

  • Was: Forderung nach beschleunigten öffentlichen Investitionen und Bürokratieabbau
  • Wann: Präsentation auf der 109. Generalversammlung der SSIC TI, 7. Mai 2026
  • Wo: Lugano, Kanton Tessin
  • Wer: Schweizerische Gesellschaft der Bauunternehmer Sektion Tessin (SSIC TI)
  • Betrag: Jahresbruttomindestlohn für qualifizierte Maurer: 75'790 Franken

Der Bausektor im Tessin befindet sich in einer kritischen Phase. Während der 109. Generalversammlung der Schweizerischen Gesellschaft der Bauunternehmer Sektion Tessin (SSIC TI), die am 7. Mai 2026 in Lugano stattfand, wurde deutlich, dass weitsichtige öffentliche Investitionen und schnelle Entscheidungen notwendig sind, um die Stabilität des Sektors zu gewährleisten. Der Präsident Massimo Cereghetti betonte, dass der Sektor trotz internationaler Instabilität, Kostendruck und wachsender Unsicherheit ein Pfeiler der kantonalen Wirtschaft bleibt.

Investitionen und Bürokratie

Cereghetti warnte, dass die Verzögerung öffentlicher Investitionen, insbesondere in der Instandhaltung und Infrastruktur, oft zu 'falschen Einsparungen' führt, die sich mittelfristig in höheren Kosten niederschlagen. Daher forderte er die Beschleunigung der Entscheidungsprozesse und die Stärkung der Rechtssicherheit, insbesondere bei der Gebietsplanung. Zudem erinnerte er an den Beitrag des Sektors zur Reduzierung der Emissionen: Gebäude verzeichneten einen Rückgang von etwa 47% seit 1990, während die Gesamtreduktion in der Schweiz bei etwa 27% liegt.

Kollektivvertrag

Der Präsident der SSIC TI sprach auch das Thema des kantonalen Kollektivvertrags an, der kürzlich abgeschlossen wurde. Laut der Arbeitgeberseite war der gewählte Ansatz verantwortungsbewusst und auf nachhaltige Lösungen ausgerichtet. Cereghetti erinnerte daran, dass der Sektor bereits solide Bedingungen bietet: Ein qualifizierter Maurer mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis erhält einen Jahresbruttomindestlohn von 75'790 Franken, zuzüglich verschiedener Zulagen. Aus diesem Grund hält die SSIC TI den syndikalistischen Ansatz für 'übermäßig fordernd' und betont, dass die soziale Partnerschaft auf den Erhalt der Arbeitsplätze und die Nachhaltigkeit des Sektors ausgerichtet bleiben sollte.

Berufsbildung

Der Vizepräsident Fabrizio Bellini legte den Fokus auf die Berufsbildung, die er auch im Hinblick auf den 50. Jahrestag des Berufsbildungszentrums Gordola als strategisch bezeichnete. Zu den jüngsten Investitionen gehören die Sanierung der Blöcke C und D, fast abgeschlossen, für etwa 5 Millionen Franken plus 550'000 Franken für ergänzende Arbeiten, und das Projekt PRAGMA im Wert von etwa 30 Millionen Franken. Bellini hob zudem die Notwendigkeit hervor, den Generationswechsel zu managen: 2024 hatten von den aktiven Sektorführern 228 – fast 70% – mehr als 50 Jahre.

Betriebsprobleme

Auf die Betriebsprobleme ging Davide Braga, Mitglied des Präsidialamts, ein, der Preisanstiege, Kostenschwankungen und zunehmende Komplexität der Verfahren kritisierte. Insbesondere beanstandete er den oft übermäßig bürokratischen Charakter öffentlicher Ausschreibungen mit unverhältnismäßigen Dokumentenanforderungen und unnötigen Ausnahmen gegenüber bereits ausgewogenen Normen wie der SIA 118. Daher forderte er klarere Regeln, mehr Pragmatismus und wirklich faire Wettbewerbsbedingungen.

Markt und Beschäftigung

Der Direktor Nicola Bagnovini zeichnete ein Bild des Marktes und hob Anzeichen einer Verlangsamung seitens der Gemeinden, Konsortien und teilweise auch der privaten Wirtschaft neben den großen öffentlichen Baustellen hervor. Die Kombination aus weniger Aufträgen, starkem Wettbewerb und Preisdruck – warnte er – könnte die Stabilität des Sektors und langfristig auch die Beschäftigung beeinträchtigen.

Ausbildung und Fachkräftemangel

Paolo Ortelli, Direktor des Berufsbildungszentrums Gordola, betonte die zentrale Rolle der Ausbildung als Antwort auf den Fachkräftemangel. Er unterstrich die Bedeutung, bei den Jugendlichen die Berufe des Baugewerbes zu fördern, die heute noch von Vorurteilen und falschen Wahrnehmungen benachteiligt werden.

Operative Details

Auswirkungen auf Grenzgänger

Der Bausektor im Tessin ist auch für Grenzgänger, die in diesem Bereich arbeiten, von entscheidender Bedeutung. Die Forderungen nach beschleunigten öffentlichen Investitionen und bürokratischen Vereinfachungen könnten erhebliche Auswirkungen auf die Arbeitsmöglichkeiten und die Beschäftigungsstabilität haben. Für Grenzgänger ist es wichtig, die normativen Entwicklungen und politischen Entscheidungen, die den Sektor beeinflussen könnten, genau zu verfolgen.

Löhne und Arbeitsbedingungen

Die garantierten Mindestlöhne für qualifizierte Maurer, die 75'790 Franken pro Jahr betragen, sind ein wichtiger Bezugspunkt. Allerdings könnten die Spannungen zwischen den Arbeitgebern und den Gewerkschaften zu weiteren Verhandlungen und Vertragsänderungen führen. Grenzgänger sollten sich auf mögliche Änderungen der Arbeitsbedingungen und der angebotenen Leistungen vorbereiten.

Ausbildung und Chancen

Die berufliche Ausbildung ist ein weiterer entscheidender Aspekt. Das Berufsausbildungszentrum Gordola investiert in Projekte wie die Sanierung der Blöcke C und D und das Projekt PRAGMA. Diese Investitionen könnten neue Ausbildungs- und Karrieremöglichkeiten für Grenzgänger eröffnen, die sich weiterqualifizieren möchten. Zudem könnte die Bewältigung des Generationenwechsels neue Arbeitsplätze für junge Berufstätige schaffen.

Bürokratie und öffentliche Aufträge

Die Kritik an übermäßiger Bürokratie bei öffentlichen Aufträgen könnte zu Vereinfachungen führen, die den Zugang zu Baustellen für Unternehmen, einschließlich solchen mit Grenzgängerpersonal, erleichtern. Es ist jedoch wichtig, dass Grenzgänger die lokalen Vorschriften und die erforderlichen Verfahren für die Teilnahme an öffentlichen Aufträgen kennen. Die Forderung nach klareren Regeln und fairen Wettbewerbsbedingungen könnte den Prozess vereinfachen und mehr Chancen bieten.

Markt und Beschäftigung

Die Verlangsamung des Marktes und der Druck auf die Preise könnten Auswirkungen auf die Beschäftigung haben. Grenzgänger sollten sich auf mögliche Marktschwankungen einstellen und die Möglichkeit in Betracht ziehen, ihre Fähigkeiten zu diversifizieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Überwachung der Markttrends und der Arbeitsmöglichkeiten in anderen Sektoren könnte eine nützliche Strategie sein, um die Beschäftigungsstabilität zu gewährleisten.

Empfohlene Tools

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Wichtige Punkte

Was Grenzpendler tun sollten

Für Grenzpendler, die im Baugewerbe im Tessin arbeiten, ist es entscheidend, über die neuesten gesetzlichen und vertraglichen Entwicklungen informiert zu bleiben. Hier sind einige konkrete Schritte, die sie befolgen sollten:

1. Politische Entscheidungen verfolgen: Über die Entscheidungen der kantonalen Regierung und der lokalen Behörden bezüglich öffentlicher Investitionen und bürokratischer Vereinfachungen auf dem Laufenden bleiben. 2. An Weiterbildungsprogrammen teilnehmen: Die Möglichkeiten des Berufsausbildungszentrums Gordola nutzen, um die eigenen Fähigkeiten und Qualifikationen zu verbessern. 3. Arbeitsbedingungen bewerten: Die Arbeitsbedingungen vergleichen, die verschiedene Unternehmen bieten, und eventuelle vertragliche Verbesserungen aushandeln. 4. Bürokratische Verfahren vereinfachen: Über die lokalen Vorschriften und die erforderlichen Verfahren für die Teilnahme an öffentlichen Ausschreibungen Bescheid wissen und von eventuellen Vereinfachungen profitieren. 5. Fähigkeiten diversifizieren: Die Möglichkeit in Betracht ziehen, Fähigkeiten in anderen Bereichen zu erwerben, um auf einem sich entwickelnden Markt wettbewerbsfähig zu bleiben.

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Quelle: tio.ch

Häufig gestellte Fragen
Welches ist das garantierte Mindestgehalt für qualifizierte Maurer im Tessin?
Qualifizierte Maurer mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis erhalten ein jährliches Bruttomindestgehalt von 75'790 Franken, zuzüglich verschiedener Zulagen.
Welche sind die Hauptforderungen der Tessiner Unternehmer?
Die Tessiner Unternehmer fordern eine Beschleunigung der öffentlichen Investitionen, bürokratische Vereinfachungen und mehr Rechtssicherheit bei der Gebietsplanung.
Welche sind die jüngsten Investitionen im Bereich der Berufsbildung?
Zu den jüngsten Investitionen gehören die Sanierung der Blöcke C und D des Berufsbildungszentrums Gordola, für etwa 5 Millionen Franken, und das Projekt PRAGMA, im Wert von etwa 30 Millionen Franken.

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