Grenzpendler Tessin: Es fehlt an Arbeit – aber an der richtigen

Krankenschwestern auf einer Krankenhausstation im Tessin während einer Schicht

In der Lombardei fehlen Pflegekräfte, doch die Kurse der Universität Insubria sind nur halb voll. Und während Roboter dazulernen und Doktoranden im Ausland abgelehnt werden, fällt es dem Arbeitsmarkt schwer, Angebot und Nachfrage in Einklang zu bringen.

Kontext

Auf einen Blick

  • Pflegekurse in Varese haben 166 Bewerbungen für 249 Plätze im Jahr 2025.
  • Projekt Magell bietet beschleunigte Ausbildungswege und bezahlte Praktika.
  • Roboter wie Emma unterstützen Pflegeheime in Deutschland gegen Einsamkeit.

Wichtige Fakten

  • Bewerbungen: 166 Bewerbungen für 249 verfügbare Studienplätze in Pflegekursen 2025.
  • Projekt Magell: Initiiert vom Centro Gulliver in Zusammenarbeit mit der Lombardei und der Universität.
  • Roboter Emma: Arbeitet in deutschen Pflegeheimen, um Einsamkeit älterer Menschen zu bekämpfen.
  • Stipendium: 1.200 CHF monatliches Stipendium für Teilnehmende des Projekts Magell.
  • Praktikum: Sechsmonatiges bezahltes Praktikum in Tessiner Gesundheitseinrichtungen.
  • Anmeldefrist: Anmeldungen für 2026 öffnen im Juni 2025 und schließen im September 2025.
  • Zuschuss: 300 CHF monatlicher Zuschuss für Verpflegung und Unterkunft während des Praktikums.

In Varese haben die Pflegekurse der Universität Insubria das Jahr 2025 mit 166 Bewerbungen für 249 verfügbare Studienplätze abgeschlossen. Eine paradoxe Situation: Während im Kanton Tessin und in der Lombardei Gesundheitseinrichtungen händeringend nach Personal suchen, bleiben die Hörsäle leer. Das Projekt Magell, initiiert vom Centro Gulliver in Zusammenarbeit mit der Lombardei und der Universität, versucht, diese Lücke mit gezielten Ausbildungswegen zu schließen. Doch das Problem beschränkt sich nicht auf den Gesundheitssektor. In China wurde eine chinesische Bioingenieur-Studentin von einer niederländischen Doktorandenstelle abgelehnt – nicht wegen mangelnder Fähigkeiten, sondern aufgrund der Verbindung ihrer Universität zu Verteidigungsprojekten. Eine Situation, die viele junge Menschen dazu veranlasst, nach Chancen im Ausland zu suchen, selbst mit einem Doktortitel in der Tasche.

In der Zwischenzeit lernen in einem chinesischen Technologie-Startup Roboter Aufgaben wie das Falten von T-Shirts oder das Bewegen von Kisten. Noch sind sie nicht zu 100 % einsatzbereit, doch ihr algorithmisches Lernen wirft eine Frage auf: Wer sucht eigentlich Arbeit? Menschen oder Maschinen? Emma, ein sozialer Roboter aus München, arbeitet stattdessen in deutschen Pflegeheimen. Entwickelt, um die Einsamkeit älterer Menschen zu bekämpfen, stellt er eine konkrete Lösung für ein drängendes Problem dar: Jede fünfte Person über 80 in Deutschland gibt an, sich stark einsam zu fühlen. Auch hier kämpft der Arbeitsmarkt damit, Angebot und Nachfrage in Einklang zu bringen. In der Lombardei fehlen zwar Pflegekräfte, doch die Studienplätze in den Universitätskursen bleiben unbesetzt. Im Centro Gulliver in Varese versucht das Projekt Magell, diesen Trend mit beschleunigten Ausbildungsgängen und bezahlten Praktika in Tessiner und lombardischen Gesundheitseinrichtungen umzukehren.

Das Paradox der Universitätskurse

Die Daten der Universität Insubria sind eindeutig: Für das akademische Jahr 2025/2026 waren in den Pflege-Studiengängen in Como, Varese und Busto Arsizio 249 Plätze verfügbar, doch es gab nur 166 Bewerbungen. Ein Rückgang, der einen breiteren Trend widerspiegelt: Viele junge Menschen bevorzugen kürzere Ausbildungswege oder weniger regulierte Bereiche, in denen der Berufseinstieg schneller möglich ist. Das Projekt Magell, finanziert von der Lombardei und dem Centro Gulliver, versucht, diesen Trend umzukehren – mit praxisnahen Kursen und Praktika in Tessiner Gesundheitseinrichtungen, wo der Personalbedarf hoch ist, der Zugang zur Ausbildung jedoch oft an sprachlichen oder bürokratischen Hürden scheitert.

Roboter und Doktoranden: Zwei Seiten derselben Medaille

In China experimentieren Technologie-Startups mit künstlicher Lehre. Roboter lernen, Gegenstände zu erkennen, rutschige Objekte zu greifen oder repetitive Aufgaben auszuführen. Ihr „Gehirn“ wird oft in Zusammenarbeit mit US-Universitäten wie Stanford entwickelt, während die Hardware in China gebaut wird. Trotz der Fortschritte sind diese Roboter noch nicht bereit, menschliche Arbeit vollständig zu ersetzen. Dennoch wirft ihre Existenz eine Frage auf: Bilden wir die richtigen Menschen für die Jobs der Zukunft aus?

Auf der anderen Seite der Welt wurde eine chinesische Bioingenieur-Studentin von einer niederländischen Doktorandenstelle abgelehnt – nicht wegen akademischer Leistungen, sondern wegen der Verbindung ihrer Universität zu Verteidigungsprojekten. Eine Geschichte, die sich in vielen Bereichen wiederholt: Die Globalisierung des Arbeitsmarktes begünstigt diejenigen, die sich frei bewegen können, und benachteiligt diejenigen, die in lokalen Kontexten oder als „sensibel“ geltenden Bereichen feststecken.

Der Fall Emma: Roboter in Pflegeheimen

Emma ist ein sozialer Roboter, entwickelt von einem Münchner Startup. Sie arbeitet nicht in Fabriken, sondern in deutschen Pflegeheimen. Sie erkennt Gesichter, erinnert sich an Gespräche und hält ältere Menschen Gesellschaft. Eine Lösung für ein reales Problem: die Einsamkeit im Alter. Laut deutschen Daten beschreibt sich jede fünfte Person über 80 als stark einsam. Emma steht damit für eine technologische Antwort auf einen Personalmangel – und bestätigt zugleich, dass sich der Arbeitsmarkt radikal verändert.

Operative Details

Das Problem der halb leeren Kurse in der Lombardei und im Tessin ist nicht nur bildungstechnischer, sondern systemischer Natur. Die Tessiner und lombardischen Gesundheitseinrichtungen haben Schwierigkeiten, Pflegekräfte zu rekrutieren, doch junge Menschen bevorzugen schnellere Wege oder weniger regulierte Branchen. Das Projekt Magell versucht, diese Lücke zu schließen, doch es braucht strukturelle Lösungen. Inzwischen dringen Robotik und künstliche Intelligenz in den Arbeitsmarkt ein, schaffen neue Stellen, machen aber auch traditionelle Berufe überflüssig.

Vorher vs. Nachher: Was hat sich geändert

Vor wenigen Jahren war der Weg zur Pflegekraft in der Lombardei oder im Tessin noch klar vorgezeichnet: ein dreijähriges Studium gefolgt von öffentlichen Auswahlverfahren. Heute bleiben die Kurse der Universität Insubria halb leer, während die Tessiner und lombardischen Gesundheitseinrichtungen mit Personalmangel kämpfen. Das Projekt Magell ist ein teilweiser Lösungsansatz: Es bietet beschleunigte Ausbildungswege und vergütete Praktika, behebt aber nicht das Problem an der Wurzel. Viele junge Menschen bevorzugen Branchen wie Logistik, Informatik oder Handel, wo der Berufseinstieg schneller und weniger durch formale Anforderungen eingeschränkt ist.

Die Rolle der Grenzgänger

Für Grenzgänger, die im Tessin arbeiten, aber in der Lombardei leben, ist die Situation noch komplexer. Die Tessiner Gesundheitseinrichtungen sind stark von ausländischem Personal abhängig, doch sprachliche und bürokratische Hürden erschweren oft die Einstellung italienischer Pflegekräfte. Das Projekt Magell versucht, diese Hindernisse mit italienischsprachigen Kursen und Praktika in Tessiner Gesundheitseinrichtungen zu überwinden. Dennoch braucht es auch inklusivere Politiken der Tessiner Institutionen, die häufig Personal mit lokaler Ausbildung bevorzugen.

Roboter vs. Menschen: Wer gewinnt?

Künstliches Lernen wird in vielen Branchen zur Realität. Roboter, die sich wiederholende Aufgaben wie das Falten von T-Shirts oder das Bewegen von Kisten übernehmen, halten Einzug in chinesischen Fabriken. Doch diese Roboter können menschliche Arbeit noch nicht vollständig ersetzen. Es werden noch Jahre der Entwicklung benötigt, um sie zuverlässig zu machen. In der Zwischenzeit wird der Arbeitsmarkt weiterhin von traditionellen Berufen dominiert, in denen die Nachfrage nach Personal das Angebot übersteigt.

Emma: Eine Lösung oder ein Warnsignal?

Emma, der in Deutschland entwickelte soziale Roboter, stellt eine technologische Antwort auf die Einsamkeit älterer Menschen dar. Doch ihre Existenz wirft eine Frage auf: Bekämpfen wir wirklich das Problem des Personalmangels – oder geben wir uns der Technologie geschlagen? Deutsche Pflegeheime testen hybride Lösungen, bei denen Roboter und Menschen zusammenarbeiten, um die Lebensqualität der Bewohner zu verbessern. Doch es werden noch Jahre vergehen, bis diese Technologie für alle Einrichtungen zugänglich wird.

Die Zukunft der grenzüberschreitenden Arbeit

Für Grenzgänger, die in der Lombardei leben und im Tessin arbeiten, ist die Zukunft der Arbeit zunehmend mit der Fähigkeit verbunden, sich an einen sich schnell wandelnden Markt anzupassen. Branchen wie Gesundheit, Informatik und Logistik bieten Chancen, erfordern aber spezifische Kompetenzen und oft eine kontinuierliche Weiterbildung. Das Projekt Magell ist ein erster Schritt, doch es braucht auch inklusivere Politiken der Tessiner und lombardischen Institutionen, um junge Talente anzuziehen und zu halten.

📊 Entwicklung der Ausbildungszahlen Die Zahl der Studierenden in Pflegeausbildungen ist in den letzten fünf Jahren um 30 % gesunken, während die Nachfrage nach Pflegekräften um 20 % gestiegen ist.

💡 Tipp für Arbeitssuchende Wer sich für eine Karriere im Gesundheitswesen interessiert, sollte frühzeitig Praktika machen und sich über Förderprogramme wie Magell informieren.

⚠️ Warnung Die zunehmende Automatisierung könnte in den nächsten 10 Jahren bis zu 15 % der traditionellen Arbeitsplätze im Gesundheitswesen ersetzen.

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Wichtige Punkte

Arbeitest du in der Lombardei und interessierst dich für eine Karriere im Gesundheitswesen im Tessin? Das Projekt Magell bietet beschleunigte Ausbildungswege und bezahlte Praktika. Hier erfährst du, wie es funktioniert und was du für die Teilnahme wissen musst.

Schritt 1: Prüfe die Voraussetzungen

Das Projekt Magell richtet sich an junge Menschen unter 35 Jahren mit einem Mittelschulabschluss oder einer Berufsqualifikation. Spezifische Sprachkenntnisse sind nicht erforderlich, aber grundlegende Italienischkenntnisse werden empfohlen, um in Tessiner Gesundheitseinrichtungen arbeiten zu können. Die Kurse sind kostenlos und beinhalten ein monatliches Stipendium von 1.200 CHF für die Teilnehmenden.

Schritt 2: Melde dich für den Ausbildungsweg an

Die Kurse finden in Varese, Como und Busto Arsizio in Zusammenarbeit mit der Universität Insubria statt. Die Anmeldungen für 2026 öffnen im Juni 2025. Du kannst dich online auf der Website des Centro Gulliver (Centro Gulliver) oder an den Informationsschaltern der Universitätsstandorte bewerben. Im Ausschreibungstext wird hervorgehoben, dass Bewerber:innen mit Berufserfahrung im Gesundheits- oder Sozialwesen bevorzugt werden.

Schritt 3: Bestehe das Auswahlgespräch

Die ausgewählten Bewerber:innen werden zu einem Motivationsgespräch beim Centro Gulliver in Varese eingeladen. Im Gespräch werden Sprachkenntnisse, Motivation und Teamfähigkeit bewertet. Die Ergebnisse werden bis September 2025 veröffentlicht.

Schritt 4: Beginne das Praktikum im Tessin

Nach erfolgreichem Abschluss des Ausbildungswegs können die Teilnehmenden ein sechsmonatiges bezahltes Praktikum in einer Tessiner Gesundheitseinrichtung absolvieren. Die Praktika werden in Zusammenarbeit mit dem EOC (Ente Ospedaliero Cantonale) organisiert und von erfahrenen Tutor:innen begleitet. Am Ende des Praktikums besteht die Möglichkeit einer direkten Übernahme durch die gastgebenden Einrichtungen.

📊 Erforderliche Unterlagen

  • Kopie des Mittelschulabschlusses oder Berufsqualifikationsnachweises
  • Europäischer Lebenslauf
  • Motivationsschreiben (max. 1 Seite)
  • Gesundheitszeugnis für Tätigkeiten im Gesundheitswesen
  • Kopie eines gültigen Personalausweises

Fristen und Kosten

Die Anmeldungen für 2026 öffnen im Juni 2025 und schliessen im September 2025. Der Ausbildungsweg ist vollständig kostenlos, während Reise- und Unterkunftskosten während des Praktikums im Tessin von den Teilnehmenden selbst getragen werden. Allerdings bietet das Centro Gulliver einen pauschalen Zuschuss von 300 CHF pro Monat zur Deckung von Verpflegungs- und Unterkunftskosten.

⚠️ Was passiert, wenn du nicht ausgewählt wirst? Falls du nicht für das Projekt Magell ausgewählt wirst, kannst du dich trotzdem direkt bei Tessiner Gesundheitseinrichtungen bewerben. Der EOC und andere öffentliche Spitäler veröffentlichen regelmässig Stellenangebote für Pflegekräfte und Fachkräfte im Sozial- und Gesundheitswesen auf ihrer offiziellen Website (EOC Carriere). Alternativ kannst du dich an die Arbeitsvermittlungsstellen des Kantons Tessin wenden (DFE Tessin), die Beratungs- und Weiterbildungsangebote anbieten.

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Quelle: varesenews.it

Häufig gestellte Fragen
Ist das Projekt Magell auch für Personen mit Berufserfahrung im Gesundheitswesen offen?
Ja, das Projekt Magell richtet sich sowohl an junge Absolvent:innen als auch an Personen mit vorheriger Berufserfahrung im Gesundheits- oder Sozialwesen. Bei der Auswahl werden sowohl die Abschlüsse als auch die im Berufsfeld erworbenen Kompetenzen berücksichtigt.
Wie lange dauert das Praktikum im Tessin und wie hoch ist die Vergütung?
Das Praktikum dauert 6 Monate und umfasst ein monatliches Stipendium von 1.200 CHF. Zudem ist ein Pauschalbetrag von 300 CHF pro Monat für Verpflegung und Unterkunft während des Aufenthalts im Tessin vorgesehen.
Muss ich Deutsch sprechen, um nach dem Praktikum im Tessin zu arbeiten?
Es handelt sich nicht um eine zwingende Voraussetzung, jedoch wird grundlegende Deutschkenntnisse dringend empfohlen, um in den Tessiner Gesundheitseinrichtungen zu arbeiten. Viele Einrichtungen akzeptieren Italienisch als Hauptkommunikationssprache, insbesondere in grenznahen Regionen.
Welche Tessiner Gesundheitseinrichtungen arbeiten mit dem Projekt Magell zusammen?
Zu den beteiligten Einrichtungen zählen das EOC (Ente Ospedaliero Cantonale), die wichtigsten Privatkliniken in Lugano und Bellinzona sowie einige Alters- und Pflegeheime (RSA) im gesamten Kanton.
Kann ich am Projekt Magell teilnehmen, wenn ich im Tessin lebe und in der Lombardei arbeite?
Das Projekt Magell richtet sich in erster Linie an Bewohner:innen der Lombardei, die im Tessin arbeiten möchten. Die Bewerbung steht jedoch allen offen, und die Eignung wird während des Auswahlgesprächs ohne Einschränkungen bezüglich des Wohnsitzes geprüft.

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