Je mehr Sie arbeiten, desto mehr bleibt Ihnen: die Tessiner LAPS-Reform (Grenzgänger-Leitfaden)

Die Liga fordert eine Reform des LAPS mit temporären Arbeitsanreizen, um die «Armutsfalle» zu beseitigen und die Auswirkungen der KVG-Prämien zu bekämpfen.
Kontext
In Kürze
- Die Tessiner Liga fordert eine Reform des LAPS mit befristeten Arbeitsanreizen
- Ziel: Beseitigung der „Armutsfalle“, in der Lohnerhöhungen zu Leistungseinbußen führen
- Bereits in der Sozialfürsorge getestetes Modell: Zuschlag von 300 CHF für diejenigen, die eine 100% ige Aktivierung erreichen
Eckdaten
- Was: Motion zur Reform des Gesetzes über die Harmonisierung und Koordinierung der Sozialleistungen (LAPS)
- Wann: Kürzlich im Grossen Rat vorgestellt
- Wo: Bellinzona, Tessin
- Wer: Lega-Granberater Stefano Tonini und Alessandro Mazzoleni (und Mitunterzeichner)
- Betrag: Bis zu 300 CHF monatlicher Zuschlag für eine 100% ige Arbeitsaktivierung
Eine Motion der Tessiner Liga schlägt eine tiefgreifende Reform der LAPS vor, um die Arbeitsanreize zu stärken und die wirtschaftliche Autonomie der Begünstigten zu fördern. Der von den Grossräten Stefano Tonini und Alessandro Mazzoleni vorgelegte und von Raffaella Zucchetti, Omar Balli, Sem Genini und Stefano Quadri mitunterzeichnete Vorschlag geht von einer konkreten Beobachtung aus: Der Anstieg der Lebenshaltungskosten und vor allem der Krankenversicherungsprämien (LAMal/KVG) untergräbt zunehmend das verfügbare Einkommen der Tessiner Haushalte.
Die Befürworter erkennen die wesentliche Rolle der kantonalen Sozialleistungen an, fordern aber, dass das System der Arbeit, der beruflichen Wiedereingliederung und der wirtschaftlichen Autonomie mehr Priorität einräumt als einer dauerhaften Abhängigkeit von staatlichen Beihilfen.
Am
Operative Details
Konkrete Auswirkungen für Begünstigte und Migrationsrecht
Der vorgeschlagene zusätzliche Anreiz sollte keine dauerhafte neue Leistung darstellen, sondern eine zeitlich begrenzte Förderkomponente. Aus diesem Grund fordern die Antragsteller, dass, in dem vom übergeordneten Recht maximal zulässigen Umfang, dieser den Schweizer Bürgern und den Ausländern mit einer Niederlassungsbewilligung C vorbehalten bleibt.
Diese Wahl hat Auswirkungen auf die Gruppe der Begünstigten: Der Staatsrat muss eine rechtlich tragfähige Lösung finden, die die unterschiedlichen Situationen der EU/EFTA-Bürger, der Bürger dritter Staaten und der anderen durch das Bundes- oder internationale Recht geschützten Status berücksichtigt. Es handelt sich nicht um eine rein administrative Frage, sondern um die Einhaltung des schweizerischen Migrationsrechts.
AFI und API: eine neue rechtliche Qualifikation
Ein zweiter Teil des Vorschlags betrifft die Ergänzungszulage (AFI) und die Kinderzulage (API). Die Unterzeichner fordern, deren Regelung zu überprüfen, damit sie als soziale Unterstützungsleistungen zur wirtschaftlichen Bedarfsdeckung und Subsidiarität, und wenn vernünftigerweise verlangt, zur Aktivierung hin zur Selbstständigkeit, und nicht als familienfördernde Maßnahmen gestaltet werden.
Dies ist ein heikler Schritt. Die Bundesgerichtsbarkeit, insbesondere das Urteil BGE 141 II 401, hat AFI und API als Instrumente der Familienpolitik qualifiziert und aus diesem Grund ausgeschlossen, dass sie als Sozialhilfe im Sinne des Migrationsrechts gelten. Das Urteil BGE 143 I 1 hat zudem den Ursprung und die familienpolitischen Ziele der Leistungen rekonstruiert und die unterschiedlichen Zugangsbedingungen für Schweizer Bürger und Ausländer untersucht.
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Wichtige Punkte
Was ändert sich für Empfänger von Sozialleistungen?
Wenn der Antrag vom Grossen Rat genehmigt und anschliessend vom Staatsrat umgesetzt wird, können die Empfänger von LAPS-Leistungen auf stärkere Anreize zählen, wenn sie ihre Arbeitsaktivitäten erhöhen. Anstatt den erhaltenen Beistand frank für frank zu verlieren, haben sie Zugang zu einer zusätzlichen Franchise, finanziellen Anreizen und der Rückerstattung von Kosten, die direkt mit der Arbeit verbunden sind.
In der Praxis würde die Entscheidung, von einer 40%igen zu einer 60%igen Beschäftigung zu wechseln, tatsächlich vorteilhaft, da das Nettogehalt (Lohn + Anreize - Reduktion der Beihilfen) signifikant positiv wäre.
Wie überwachen und handeln?
Wer derzeit Sozialleistungen im Tessin erhält, sollte: 1. Den Text des Antrags überprüfen, wenn er im Grossen Rat abgestimmt wird (normalerweise auf den Transparenzportalen des Tessiner Parlaments) 2. Das AI-Büro (Integrierte Hilfe) oder den kantonalen Sozialdienst kontaktieren, um Klarheit über Zeiten und Modalitäten der Umsetzung zu erhalten 3. Konkrete Bewertung, ob eine Erhöhung des Beschäftigungsgrades vorteilhaft ist, sobald die Details der Anreize bekannt sind
Wer derzeit arbeitslos oder unterbeschäftigt ist und Anspruch auf LAPS haben könnte, sollte die Entwicklung der Reform überwachen: Wenn sie durchkommt, könnte es wirtschaftlich sinnvoll sein, mehr Arbeitsstunden zu suchen.
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Häufig gestellte Fragen
- Wenn die Motion passiert, wann werden die Arbeitsanreize wirksam?
- Die Motion gibt keinen exakten Zeitplan an. Wenn der Grosse Rat zustimmt, muss der Staatsrat einen Vorschlag zur Reform des LAPS erarbeiten. Konkrete Implementierungen könnten ab 2026 oder 2027 beginnen. Bleiben Sie auf dem Laufenden über die offiziellen Kanäle des Kantons Tessin.
- Wer hat Anspruch auf die in der Motion vorgeschlagenen vorübergehenden Anreize?
- Die Begründer fordern, dass die Anreize in dem nach höherem Recht maximal zulässigen Umfang schweizerischen Staatsangehörigen und Ausländern mit einer C-Bewilligung vorbehalten werden. Der Regierungsrat muss die Vereinbarkeit mit den Rechten von EU-/EFTA- und Drittstaatsangehörigen nach Bundes- und Völkerrecht prüfen.
- Was ist der Unterschied zwischen dem bereits in der Sozialhilfe vorgesehenen Zuschlag von 300 CHF und dem in der Motion vorgeschlagenen Anreiz?
- Die Richtlinien 2026 für die Tessiner Sozialhilfe sehen bereits einen Zuschlag von 300 CHF pro Monat für diejenigen vor, die eine 100% ige Aktivierung erreichen, proportional reduziert um niedrigere Prozentsätze. Die Motion fordert, dieses eingeschränkte und umschriebene Instrument in ein allgemeines Prinzip umzuwandeln und mit den verschiedenen Sondergesetzen (LAPS, AFI, API) abzustimmen.
- Wenn wir AFI und API als bedürfnisunterstützende Leistungen umklassifizieren, was ändert sich dann?
- Eine Neueinstufung würde wesentliche Änderungen des Zwecks, der Struktur und der Zugangsbedingungen nach sich ziehen. Gemäss Motion würde dieser Schritt eine erneute Überprüfung der Zugangsbedingungen für Schweizer und Ausländer erfordern und könnte neue Aktivierungspflichten in Richtung Autonomie mit sich bringen.
- Was ist der in der Motion erläuterte «Schwelleneffekt»?
- Der Schwelleneffekt tritt auf, wenn eine Lohnerhöhung durch die Kürzung der Sozialleistungen fast vollständig kompensiert wird. In der Motion wird das Beispiel einer Person angeführt, die von 40% auf 60% Beschäftigung steigt und 600 CHF mehr verdient, aber 500 CHF an Leistungen verliert: Das Netto beträgt nur 100 CHF. Die vorgeschlagenen Anreize zielen darauf ab, diesen Anreiz umzukehren.
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