Lohngefälle Schweiz: 640 CHF ungeklärter Frauenanteil

Finanzdistrikt Zürich mit Glas-Hochhäusern

Im Jahr 2024 sinkt die Lücke auf 15,7%, aber die ungeklärte Komponente bleibt 640 CHF brutto pro Monat. Die Finanzlage liegt bei 30,6%.

Kontext

Auf einen Blick

  • Lohngefälle zwischen Männern und Frauen von 15,7% im Jahr 2024, gegenüber 16,2% im Jahr 2022
  • Im privaten Sektor 17,2% (2024) gegenüber 17,5% (2022); im öffentlichen Sektor 12,8% (2024)
  • Unerklärter Anteil: 6,5%, entsprechend 640 Franken brutto pro Monat
  • In höheren Hierarchiestufen und mit zunehmendem Alter ausgeprägter; 8,1% bei Verheirateten

Wichtige Fakten

  • Was: BFS-Bericht über das Lohngefälle zwischen den Geschlechtern in der Schweiz
  • Wann: Daten für 2024, veröffentlicht am Tag des BFS-Berichts
  • Wo: Schweiz (privater und öffentlicher Sektor insgesamt)
  • Wer: Bundesamt für Statistik (BFS)
  • Betrag: Gesamtes Lohngefälle 15,7% (2024) gegenüber 16,2% (2022); privater Sektor 17,2%; öffentlicher Sektor 12,8%
  • Betrag: Unerklärter Anteil 6,5% = 640 CHF brutto/Monat
  • Betrag: 30,6% Lohngefälle im Finanz- und Versicherungswesen
  • Betrag: 1.506 CHF unerklärter Anteil im Finanz- und Versicherungswesen

Das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen in der Schweiz hat sich weiter verringert: 2024 belief es sich auf 15,7%, gegenüber 16,2% im Jahr 2022. Dies geht aus dem jüngsten vom Bundesamt für Statistik (BFS) veröffentlichten Bericht hervor. Die Zahl markiert eine positive Entwicklung, doch der Bericht zeichnet ein Land, in dem die Lohnunterschiede weiterhin erheblich sind, vor allem im privaten Sektor und auf den höchsten Karrierestufen.

Im privaten Sektor erreichte das Lohngefälle 2024 17,2%, gegenüber 17,5% im Jahr 2022 (2020: 19,5%; 2018: 19,6%). Im öffentlichen Sektor — Bund, Kantone und Gemeinden insgesamt — betrug der Unterschied 2024 12,8%, gegenüber 13,8% im Jahr 2022 (2020: 15,1%; 2018: 18,1%). Der öffentliche Sektor verzeichnet somit eine schnellere Verbesserung als der private Sektor, in dem die Entwicklung langsamer voranschreitet.

Die am stärksten benachteiligten Branchen

Die Unterschiede fallen nicht überall gleich aus. 2024 verdienten Frauen im Durchschnitt 7,9% weniger als Männer im Bereich Beherbergung und Gastronomie, 16,9% weniger im Detailhandel, 17,2% weniger bei der Herstellung von Maschinen und Ausrüstungen und 30,6% weniger im Finanz- und Versicherungswesen. Es handelt sich um Branchen, in denen das Gefälle strukturell bleibt.

Laut BFS ist der Lohnunterschied teilweise «auf strukturelle Unterschiede wie das Ausbildungsniveau, die Anzahl der Dienstjahre und die innerhalb des Unternehmens ausgeübte hierarchische Funktion zurückzuführen». Es gibt jedoch auch einen unerklärten Anteil, der 2024 6,5% betrug, gegenüber 7,0% im Jahr 2022. Absolut entspricht dies 640 Franken brutto im Monat gegenüber 657 Franken im Jahr 2022.

Im privaten Sektor belief sich der unerklärte Anteil auf 6,7% (644 Franken monatlich), gegenüber 7,2% (653 Franken) im Jahr 2022. Im öffentlichen Sektor lag er bei 5,9% (574 Franken monatlich), gegenüber 6,7% (623 Franken) im Jahr 2022. In absoluten Zahlen weist der Finanz- und Versicherungssektor den höchsten unerklärten Anteil auf: 1.506 Franken, gefolgt von der Herstellung von Maschinen (829 Franken), dem Detailhandel (606 Franken) und dem Bereich Beherbergung und Gastronomie (191 Franken).

Der unerklärte Anteil ist in kleinen Unternehmen stärker ausgeprägt, nimmt tendenziell mit der Hierarchiestufe zu und verstärkt sich mit zunehmendem Alter. Der Zivilstand spielt eine Rolle: Bei den unverheirateten Beschäftigten lag er 2024 bei 2,7% (2,8% im Jahr 2022); bei den verheirateten Personen stieg er auf 8,1% (8,8% im Jahr 2022).

Operative Details

Was das für Arbeitnehmende in der Schweiz bedeutet

Die BFS-Angabe ist nicht nur eine statistische Momentaufnahme: Sie wirkt sich direkt auf die tatsächlich bezogenen Löhne aus. Die unerklärte Komponente von 640 Franken brutto monatlich entspricht auf Jahresbasis mehr als 7.600 Franken, die bei gleicher Qualifikation in den Lohnabrechnungen der Männer landen. Ein Unterschied, der das für AHV und BVG verfügbare Budget belastet, da die Vorsorgebeiträge auf dem koordinierten Lohn berechnet werden: Niedrigere Löhne führen zu niedrigeren künftigen Renten.

Dass der öffentliche Sektor ein geringeres Gefälle aufweist (12,8% gegenüber 17,2% im privaten Sektor), deutet darauf hin, dass Gesamtarbeitsverträge und Lohnklassen als Puffer wirken, während der private Sektor — insbesondere Finanzwesen, Versicherungen und verarbeitendes Gewerbe — der Bereich bleibt, in dem die Schere am weitesten auseinandergeht. Für alle, die in der Schweiz Arbeit suchen, bedeutet dies, den Sektor und die Grösse des Unternehmens sorgfältig zu prüfen: Kleine Unternehmen weisen laut BFS eine höhere unerklärte Komponente auf.

Vergleich mit dem vorherigen Zweijahreszeitraum

Zwischen 2022 und 2024 sank die Lohnlücke insgesamt von 16,2% auf 15,7%, also um einen halben Prozentpunkt in zwei Jahren. Im privaten Sektor betrug der Rückgang drei Zehntelprozentpunkte (von 17,5% auf 17,2%), doch der Ausgangswert war bereits hoch. Im öffentlichen Sektor fiel die Verringerung deutlicher aus: von 13,8% auf 12,8%, also um einen ganzen Prozentpunkt. Die Zeitreihe des Berichts — 2018, 2020, 2022, 2024 — zeigt in beiden Bereichen einen konstanten Abwärtstrend, auch wenn der private Sektor weiterhin hinterherhinkt.

Wo die Lohnlücke am stärksten ins Gewicht fällt

Die Lohnlücke fällt je nach Sektor sehr unterschiedlich aus:

Table 1: Sektor
SektorLohnlücke 2024Unerklärte Komponente
Beherbergung und Gastronomie7,9%191 CHF
Detailhandel16,9%606 CHF
Maschinenbau17,2%829 CHF
Finanz- und Versicherungsdienstleistungen30,6%1.506 CHF

Das Finanzwesen ist der problematischste Bereich: ein Lohnunterschied von fast einem Drittel zwischen den Geschlechtern, wobei sich mehr als 1.500 Franken monatlich nicht durch Ausbildung, Dienstalter oder Funktion erklären lassen. Das bedeutet, dass Frauen im Schweizer Finanz- und Versicherungssektor bei gleichen Kompetenzen im Durchschnitt 1.506 Franken weniger pro Monat nach Hause bringen als ihre männlichen Kollegen – mit direkten Auswirkungen auch auf die Beiträge an die zweite Säule.

Spitzenlöhne und Hierarchie

Der BFS-Bericht zeigt, dass die unerklärte Komponente mit der Hierarchiestufe zunimmt: Je höher man aufsteigt, desto grösser wird die Lohnlücke. Das bestätigt den sogenannten «Glass-Ceiling-Effekt», die gläserne Decke, die den Frauenanteil in den höchsten Rängen der Unternehmen begrenzt, wo die Löhne höher sind. Für Personen auf der Karriereleiter deutet der Befund darauf hin, dass Aufstiege die Momente sind, in denen sich die Unterschiede konzentrieren und nicht verschwinden.

Nützliche Tools für die Planung

Um die Vorsorgestrategie einzuschätzen, probiere Rentenplaner und Säule-3-Simulator aus.

Wichtige Punkte

Was tun, wenn man eine Lohnlücke feststellt

In der Schweiz gibt es konkrete Instrumente für Personen, die eine Lohndiskriminierung vermuten. Die Analyse der Lohnabrechnung ist der erste Schritt: Den eigenen Bruttolohn im Vergleich zu Kolleginnen und Kollegen mit gleicher Ausbildung, gleichem Dienstalter und gleicher Funktion zu überprüfen, ist ein Recht, und Arbeitgeber mit mindestens 100 Mitarbeitenden sind verpflichtet, interne Analysen der Lohngleichheit durchzuführen. Wer die Auswirkungen einer möglichen Lohnanpassung auf den Nettolohn auf der Lohnabrechnung simulieren möchte, kann die Zahlen mit einem speziellen Tool für Gehaltsrechner vergleichen.

Wie man den BFS-Bericht liest und die eigenen Zahlen überprüft

Der BFS-Bericht ist öffentlich und auf der Website des Bundesamts einsehbar. Für einen Arbeitnehmer in der Schweiz sieht das praktische Vorgehen so aus:

  • die eigene Position mit den BFS-Branchenzahlen vergleichen (im Bericht ist der entsprechende Bereich klar angegeben);
  • den auf dem Vorsorgeausweis angegebenen koordinierten Lohn nach BVG überprüfen, da niedrigere Löhne zu tieferen Renten führen;
  • die Auswirkung auf den monatlichen Nettolohn im Falle einer Neuverhandlung berücksichtigen und dafür Lohnrechner verwenden;
  • einen Wechsel in einen Kanton mit einem günstigeren Steuerfuss erwägen, weil der Anteil der Kantons- und Gemeindesteuern den tatsächlichen Nettolohn beeinflusst — nützliche Informationen dazu finden sich in Steuererklärung.

Wann man einen Lohnvergleich verlangen sollte

Das Lohngleichheitsgesetz verpflichtet Arbeitgeber mit mindestens 100 Mitarbeitenden, ihre Lohnstruktur einer Analyse zu unterziehen. Liegt das Unternehmen unter dieser Schwelle, kann der Mitarbeitende dennoch um Klärung bitten. Für einen Gesamtüberblick über den Arbeitsmarkt und die verfügbaren Angebote kann es sinnvoll sein, die Stellenanzeigen zu konsultieren und zu prüfen, wie das eigene Profil andernorts entlohnt wird.

Szenario: Arbeitnehmer im Finanzwesen

Betrachten wir den am stärksten betroffenen Bereich: Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, mit einer Lohnlücke von 30,6% und einem unerklärten Anteil von 1.506 Franken pro Monat. Für eine Frau, die in Zürich oder Genf in diesem Sektor arbeitet, bedeutet die BFS-Zahl, dass sie im Durchschnitt 1.506 Franken weniger pro Monat erhalten würde als ein männlicher Kollege bei gleicher Qualifikation. Auf Jahresbasis sind das mehr als 18.000 Franken brutto, ein Betrag, der sich direkt auf die AHV/BVG-Beiträge und damit auf die künftige Rente auswirkt. Um die Auswirkungen auf die konkrete Lohnabrechnung zu schätzen, ermöglicht Lohnrechner die Simulation von Szenarien mit unterschiedlichen Löhnen und zeigt, wie stark sich der Nettolohn verändern würde.

Wo man mehr erfahren kann

Wer sich einen vollständigen Überblick über die eigene Kaufkraft in der Schweiz verschaffen möchte, sollte auch den Vergleich mit Lebenshaltungskosten in den verschiedenen Kantonen heranziehen. Ein niedrigerer Lohn wirkt sich je nach Wohnort unterschiedlich aus: Ein Unterschied von 1.506 Franken fällt in Zürich, wo Mieten und Krankenkassenprämien höher sind, anders ins Gewicht als in einem ländlichen Kanton. Die Vorsorgeplanung erfordert schliesslich auch Aufmerksamkeit für zweiten Säule: Jeder Franken weniger an koordiniertem Lohn heute bedeutet morgen eine niedrigere Rente.

Berechne sofort, wie stark sich dein Nettolohn mit Lohnrechner verändert, und vergleiche deinen Lohn mit den BFS-Branchenzahlen.

Quelle: tio.ch

Häufig gestellte Fragen
Wie hoch ist das geschlechtsspezifische Lohngefälle in der Schweiz im Jahr 2024?
Gemäss BfS-Bericht beträgt die Gesamtlücke im Jahr 2024 15,7%, gegenüber 16,2% im Jahr 2022. Im privaten Sektor erreicht es 17,2% (gegenüber 17,5% im Jahr 2022), während es im öffentlichen Sektor bei 12,8% bleibt. Der ungeklärte Anteil beträgt 6,5%, was einem monatlichen Bruttobetrag von 640 Franken entspricht.
Welche Branchen weisen das grösste Lohngefälle in der Schweiz auf?
Der am stärksten benachteiligte Bereich ist das Finanz- und Versicherungsgeschäft mit einer Lücke von 30,6% und einer ungeklärten Komponente von 1.506 Franken pro Monat. Es folgen Maschinenbau (17,2%, 829 CHF), Detailhandel (16,9%, 606 CHF) sowie Beherbergungs- und Gaststättengewerbe (7,9%, 191 CHF).
Wie verändert sich das Lohngefälle je nach Hierarchieebene und Alter?
Das BfS weist darauf hin, dass die ungeklärte Komponente mit der Hierarchiestufe wächst und mit dem Alter zunimmt. Auch der Familienstand spielt eine Rolle: Unter den unverheirateten Mitarbeitern liegt er bei 2,7%, bei den verheirateten Personen steigt er auf 8,1%. Bei Kleinunternehmen ist der ungeklärte Teil ausgeprägter.
Was sagt das Lohngleichheitsgesetz in der Schweiz?
Das Lohngleichheitsgesetz verpflichtet Arbeitgeber mit mindestens 100 Mitarbeitenden, ihre Lohnstruktur zu analysieren. Unterhalb dieser Schwelle kann der Mitarbeiter dennoch um Klärung bitten. Der BfS-Bericht ist öffentlich und auf der Website des Bundesamtes für Statistik abrufbar.
Warum wirkt sich das Lohngefälle auf die BVG-Rente AUS?
Die monatlichen Brutto 640 Franken der ungeklärten Komponente entsprechen auf Jahresbasis mehr als 7.600 Franken, die in den Gehaltsabrechnungen der Männer landen. Da die AHV- und BVG-Beiträge AUF dem koordinierten Lohn berechnet werden, führen tiefere Löhne zu tieferen zukünftigen Renten.

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