EU-Reform, Kosten für die Schweiz: eine Milliarde (Grenzgänger-Leitfaden)
Die Schweiz riskiert einen hohen Preis für eine von der EU beschlossene Sozialreform.
Kontext
Wie die Schweiz im April 2026 mitteilte, droht ihr für eine von der EU beschlossene Sozialreform ein hoher Preis. Wie die Aargauer Zeitung berichtet, hat sich Brüssel auf neue Regeln für arbeitslose Grenzgänger geeinigt: In Zukunft soll die Zulage nicht mehr vom Wohnsitzland, sondern von dem Land ausbezahlt werden, in dem die Person gearbeitet und Beiträge gezahlt hat. Für den Bund mit rund 410 '000 Grenzgängern könnten die Folgen gravierend sein. Nach Schätzungen der Aargauer Tageszeitung könnten die Auswirkungen auf die Schweizer Konten zwischen mehreren hundert Millionen und fast einer Milliarde Franken pro Jahr liegen.
Die EU-Reform zielt darauf ab, die Verteilung der Vorteile zwischen den Mitgliedsländern auszugleichen. Nach offiziellen Angaben sieht das Abkommen vor, dass die Länder, in denen die Grenzgänger gearbeitet und Beiträge geleistet haben, für die Zahlung der Entschädigung verantwortlich sind. In der Praxis würde dies bedeuten, dass die Schweiz für arbeitslose Grenzgänger einen höheren Betrag zahlen müsste als in der Vergangenheit.
Nach Einschätzung des Bundes könnten die Auswirkungen auf die Schweiz erheblich sein. Arbeitslose Grenzgänger sind eine wichtige Präsenz in der Region Tessin, wo viele von ihnen in der Textil- und Maschinenindustrie arbeiten. Gemäss Daten aus dem Jahr 2022 machen Grenzgänger 14% der Tessiner Arbeitskräfte aus. Wenn man bedenkt, dass die Region Tessin rund 290.000 Menschen im erwerbsfähigen Alter zählt,
Operative Details
Heute trägt ein in der Schweiz beschäftigter Grenzgänger zur Schweizer Arbeitslosenversicherung bei, erhält aber im Falle eines Stellenverlustes Entschädigungen aus seinem Wohnsitzland. Die europäische Reform würde dieses Prinzip umkehren: Bezahlen würde das Land, in dem der Arbeitnehmer beschäftigt war. Bei vielen in der Schweiz tätigen Grenzgängern würden die Kosten also auf Bern fallen.
Die Schweiz hat die Europäische Union bereits gewarnt, dass die Reform erhebliche Kosten für das Land mit sich bringen könnte. Gemäss den vorliegenden Daten arbeiten rund 250 '000 Grenzgänger in der Schweiz, die Hälfte davon im Kanton Tessin. Wenn man bedenkt, dass jeder Grenzgänger durchschnittlich 10 '000 Schweizer Franken pro Jahr zur Arbeitslosenversicherung beiträgt, belaufen sich die Gesamtbeiträge der Tessiner Grenzgänger auf rund 50 Millionen Schweizer Franken pro Jahr.
Die EU-Reform sieht vor, dass Grenzgänger im Falle eines Arbeitsplatzverlusts Entschädigungen aus dem Land erhalten, in dem sie angestellt waren. Dies bedeutet, dass die Schweiz bei der Entlassung eines Grenzgängers Entschädigungen zahlen müsste, die bis zu 150 '000 Schweizer Franken betragen könnten. Diese Kosten würden auch von den Tessiner Steuerzahlern getragen, die sich bereits stark besteuert fühlen, um den Kantonshaushalt zu stützen.
Die Schweiz hat bereits eine Ausnahmeregelung für die EU-Reform beantragt, da das Land bereits durch ein bilaterales Abkommen mit der Europäischen Union gebunden ist.
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Wichtige Punkte
Der Bund ist besonders betroffen, da er die größte Anzahl von Grenzgängern in Europa beherbergt, von denen viele im Gesundheitswesen, in der Industrie und im Dienstleistungssektor beschäftigt sind. Die Aargauer Zeitung erinnert daran, dass das derzeitige System vor allem die Nachbarländer belastet. In Frankreich zum Beispiel hätte die Arbeitslosenkasse Unedic im Laufe der Jahre Milliarden von Grenzgängerkosten angehäuft. Die Schweiz hat in den Verhandlungen versucht, sich der Reform zu widersetzen, aber der Kompromiss scheint kurz vor dem endgültigen grünes Licht zu stehen.
Nach Berechnungen des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements könnte der Eintritt der Schweiz in die neue Zone des freien Dienstleistungsverkehrs zu einer Erhöhung der an die französischen Behörden zu zahlenden Beträge um rund 900 Millionen Schweizer Franken (CHF) pro Jahr führen. Ein Betrag, der von den Arbeitgebern von Grenzgängern bezahlt werden könnte, die verpflichtet wären, für jeden in der Schweiz beschäftigten ausländischen Arbeitnehmer einen Beitrag von CHF 1.500 zu entrichten.
Nach Schätzungen des französischen Finanzministeriums könnten die Gesamtkosten für die Schweiz 1 Milliarde Schweizer Franken pro Jahr erreichen, auch unter Berücksichtigung möglicher Erhöhungen der Sozialversicherungsbeiträge für Grenzgänger. Dies bedeutet, dass die Schweiz für jeden in der Schweiz beschäftigten Ausländer rund CHF 8 '000.- zahlen muss, insgesamt CHF 1 Milliarde pro Jahr.
Der Kompromiss scheint kurz vor dem endgültigen grünes Licht zu stehen, aber die Schweiz könnte immer noch versuchen, sich der Reform zu widersetzen
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Quelle: ticinonews.ch
Häufig gestellte Fragen
- Wer zahlt den arbeitslosen Grenzgängern die Zulagen?
- Das Land, in dem der Arbeitnehmer beschäftigt war.
- Welche Auswirkungen erwartet die Reform auf die Schweiz?
- Mehrere hundert Millionen bis fast eine Milliarde Franken pro Jahr.
- Warum ist die Schweiz von dieser Reform besonders betroffen?
- Weil es die größte Anzahl von Grenzgängern in Europa beherbergt.
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