Synthetisches Kerosin: Schweiz startet grüne Produktion (Grenzgänger-Leitfaden)

Am PSI im Aargau wurde die erste nachhaltige Kraftstoffanlage eröffnet. Produziert 50 Liter pro Tag. Bis 2030 werden die Fluggesellschaften 6% grünes Kerosin verwenden.
Kontext
In Kürze
- Am Paul Scherrer Institut in Aargau wurde die erste nachhaltige synthetische Kerosinanlage eingeweiht
- Produziert 50 Liter "klimaneutralen" Kraftstoff pro Tag
- Fluggesellschaften mischen heute 2%, ab 2030 obligatorisch 6%
Eckdaten
- Was: Demonstrationsanlage, die Wasser, Strom und CO2 in synthetisches Kerosin umwandelt
- Wann: Einweihung im Jahr 2024 (Dreijahresprojekt)
- Wo: Paul Scherrer Institut, Aargau (Schweiz)
- Wer: PSI, Marco Ranocchiari (Laborleiter), Bundesamt für Zivilluftfahrt, Swiss
- Produktion: 50 Liter pro Tag; Vertriebswerk seit 2030 in den Niederlanden
Die Schweizer Anlage, die grünen Kraftstoff produziert
Am Paul Scherrer Institut (PSI) in Aargau wurde die erste Demonstrationsanlage zur Herstellung von synthetischem Kerosin eingeweiht. Die Anlage, das Ergebnis von drei Jahren Forschung, kombiniert Wasser, Strom und Kohlendioxid aus nachhaltigen Quellen, um einen "hochwertigen und klimaneutralen" Kraftstoff zu schaffen, so die Forscher.
Marco Ranocchiari, Leiter des Labors für technologische Energien und Innovation am PSI, beschreibt das Ergebnis als „Forschungserfolg, weil wir etwas, das im Labor zubereitet wurde, in etwas Größeres verwandelt haben“. Obwohl die Anlage nur 50 Liter pro Tag produziert, betont Ranocchiari, dass es sich um "praktisch eine kommerzielle Miniaturanlage" handelt, in der Tests durchgeführt werden können
Operative Details
Noch immer unerschwingliche Kosten für Schweizer Passagiere
Die dringendste Herausforderung für die Branche ist nicht mehr technologisch, sondern wirtschaftlich. Jens Fehlinger, CEO von Swiss, weist auf ein konkretes und unmittelbares Problem hin: «Die Preise für nachhaltiges Kerosin sind vier- bis fünfmal höher als für konventionelles Kerosin.» Dieser Kostenunterschied wirkt sich direkt auf die Ticketpreise für Schweizer Passagiere aus und stellt den eigentlichen Engpass der Energiewende im Luftverkehr dar.
Swiss hat bestätigt, dass ihre Flugzeuge bereits für den grünen Treibstoff bereit sind und theoretisch "ab morgen so viel grünen Kerosin wie möglich" aufladen könnten. Das Problem ist, dass das Gesamtangebot nicht ausreicht. Aus diesem Grund betont Fehlinger die dringende Notwendigkeit, die Produktion zu beschleunigen: „Es ist entscheidend, dass wir jetzt die Produktion erhöhen, um auch die Preise zu senken, die unsere Passagiere letztendlich zahlen.“
Verbindliche Zeitleiste bis 2050
Das erklärte Ziel für die Luftfahrtindustrie ist es, bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen. Dieses Ziel stellt eine tiefgreifende Transformation der Luftmobilität dar, aber die Zwischenfristen sind bereits operativ und verbindlich:
- 2024 (heute): Verpflichtung, mindestens 2% nachhaltiges Kerosin zu mischen
- 2030: Anteil steigt auf 6% (nächster kritischer Meilenstein)
- 2050: Vollständiges Klimaneutralitätsziel
Die Schweiz spielt dank der PSI-FORSCHUNG eine wichtige Rolle im
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Wichtige Punkte
Was man von heute bis 2030 erwarten kann
Für Fluggäste, die mit der Swiss und anderen Schweizer Fluggesellschaften fliegen, wird sich der Wandel allmählich, aber konkrete Schritte vollziehen. Im kurzen Zeitraum (2024-2029) wird der Preis für nachhaltiges Kraftstoff weiterhin die Ticketpreise unter Druck setzen, auch wenn der verpflichtende Anteil noch begrenzt ist (2%). Der wahre Wendepunkt wird 2030 erreicht, wenn der Anteil von 6% in Kraft tritt und das kommerzielle Anlagen in den Niederlanden in Betrieb gehen sollte.
In diesem Zeitpunkt könnte der Anstieg der nachhaltigen Kraftstoffangebote auf dem europäischen Markt beginnen, die Kosten zu reduzieren. Wenn die Produktion wie erwartet zunimmt, sollten die Preisunterschiede allmählich bis Ende des Jahrzehnts abnehmen, auch wenn sie vor 2035-2040 wahrscheinlich nicht mit dem fossilen Kraftstoff in Einklang gebracht werden können. Die Fluggäste sollten die Preise für Flüge bis Ende 2029 im Auge behalten: Wenn die Nachfrage nach nachhaltigen Kraftstoff tatsächlich zunimmt, sollten die Auswirkungen auf die Tarife spürbar werden.
Parallelinnovation: Elektroflugzeuge
Parallel zur Forschung auf nachhaltigen Kraftstoffen treten alternative Lösungen auf. Der Aero-Club der Schweiz hat anlässlich seines 125-jährigen Jubiläums in Bern ein Velis Electro, ein vollständig elektrisches Flugzeug mit einer Autonomie von 50-60 Minuten, ausgestellt. Obwohl diese Technologie noch in den Anfängen steht und die kommerzielle Luftfahrt nicht ersetzen kann, stellt sie einen Versuch dar, die Lösungen für eine klimaneutrale Luftfahrt zu diversifizieren.
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Häufig gestellte Fragen
- Wie viel kostet synthetisches Kerosin im Vergleich zu herkömmlichem Kerosin?
- Laut Jens Fehlinger, CEO von Swiss, liegen die Preise für nachhaltiges Kerosin vier- bis fünfmal höher als für konventionelles Kerosin. Dieser Kostenunterschied ist das Haupthindernis für eine schnelle Einführung und drückt direkt auf die Ticketpreise für Schweizer Passagiere. Das Ziel ist, dass durch die Erhöhung der Gesamtproduktion die Kosten bis 2030 schrittweise sinken werden.
- Wann tritt die 6% -Verpflichtung für nachhaltiges Kerosin in Kraft?
- Bis 2030 müssen die Fluggesellschaften 6% nachhaltiges Kerosin mit fossilem Kerosin mischen. Derzeit (2024) beträgt die Verpflichtung 2 %. Die kommerzielle Anlage in den Niederlanden wird voraussichtlich ab 2030 mit der Produktion beginnen, zeitgleich mit dieser neuen verbindlichen regulatorischen Anforderung.
- Wo wird die kommerzielle Anlage gebaut?
- Die Demonstrationsanlage befindet sich am Paul Scherrer Institut (PSI) im Aargau, Schweiz. Aus Platz- und Logistikgründen wird die Gewerbeanlage jedoch in den Niederlanden errichtet. Die Schweiz bleibt das Forschungs- und Innovationszentrum, während die Produktion im industriellen Maßstab ab 2030 in den Niederlanden erfolgen wird.
- Was ist das Ziel der Luftfahrt in Bezug auf die Klimaneutralität?
- Ziel für die Luftfahrt ist es, bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen. Dies erfordert eine Kombination aus nachhaltigen Kraftstoffen, effizienteren Flugzeugen und technologischen Innovationen wie der elektrischen Luftfahrt. Zwischentermine (2 % im Jahr 2024, 6 % im Jahr 2030) sind strategische Schritte in Richtung dieses langfristigen Ziels.
- Wie viel produziert die eingeweihte Schweizer Anlage pro Tag?
- Die Demonstrationsanlage am PSI in Aargau produziert täglich 50 Liter synthetisches Kerosin. Obwohl die Mengen im Vergleich zu den Anforderungen des globalen kommerziellen Marktes gering sind, betont Marco Ranocchiari, dass es sich um "praktisch eine kommerzielle Miniaturanlage" handelt, in der alle Tests direkt auf den kommerziellen Maßstab angewendet werden können.