Luftfahrt: CO2 und Wasser werden zu synthetischem Kerosin (Grenzgänger-Leitfaden)

PSI Aargau eröffnet Demonstrationszentrum für synthetisches Kerosin. Schweizer Fluggesellschaften müssen heute 2% nachhaltigen Treibstoff mischen und bis 2030 auf 6% ansteigen.
Kontext
In Kürze
- PSI Aargau eröffnet Demonstrationszentrum für nachhaltiges synthetisches Kerosin
- Produziert 50 Liter pro Tag; Forschungsdauer 3 Jahre
- Eigene Fluggesellschaften: 2% nachhaltiges Kerosin heute, 6% im Jahr 2030
Eckdaten
- Was: Demonstrationsanlage wandelt Wasser, Strom und CO2 in synthetisches Kerosin um
- Wo: Paul Scherrer Institut (PSI), Kanton Aargau, Schweiz
- Wann: Einweihung soeben stattgefunden (August 2026)
- Wer: Paul Scherrer Institut, Bundesamt für Zivilluftfahrt
- Produktion: 50 Liter pro Tag
- Kosten: Nachhaltiges Kerosin kostet 4-5 mal mehr als konventionell
Am Paul Scherrer Institut (PSI) in Aargau wurde die erste Demonstrationsanlage eingeweiht, die „hochwertiges und klimaneutrales“ synthetisches Kerosin herstellen kann. Das Projekt ist der Höhepunkt von drei Jahren Forschung. Die Anlage wandelt drei wesentliche Inhaltsstoffe — Wasser, Strom aus nachhaltigen Quellen und Kohlendioxid, das direkt aus der Atmosphäre gewonnen wird — in gebrauchsfertigen Flugkraftstoff um und ebnet den Weg für eine umweltfreundlichere Luftfahrt.
Marco Ranocchiari, Leiter des Labors für technologische Energien und Innovation am PSI, kommentiert den Meilenstein mit Genugtuung: „Für mich persönlich ist es ein Forschungserfolg, weil wir etwas, das im Labor zubereitet wurde, in etwas Größeres verwandelt haben, das sicherlich Auswirkungen auf die Gesellschaft haben wird.“
Vom Labortisch zur Anlage
Operative Details
Die wirtschaftliche Herausforderung: Immer noch hohe Preise
Während die Schweizer Forschung ein technisch glänzendes Ergebnis erzielt, weist der Weg zur industriellen Großproduktion erhebliche Hürden auf. Das Wichtigste ist nicht mehr technologisch, sondern wirtschaftlich. Synthetisches Kerosin kostet vier- bis fünfmal mehr als herkömmlicher Kraftstoff. Jens Fehlinger, CEO von Swiss, macht keinen Hehl aus der Frustration: „Die Preise für nachhaltiges Kerosin sind vier- bis fünfmal so hoch wie für konventionelles — da müssen wir arbeiten. Unsere Flugzeuge sind bereit, ab morgen könnten wir so viel grünes Kerosin wie möglich laden, aber es wird kein gefunden. Es ist wichtig, dass wir jetzt die Produktion erhöhen, um auch die Preise zu senken, die unsere Passagiere letztendlich zahlen. “
Diese Aussage offenbart ein Paradoxon des Marktes: Fluggesellschaften haben ihre Flugzeuge bereits mit nachhaltigem Treibstoff ausgestattet; Produktionsanlagen werden real; und doch hält das globale Angebotsengpass die Preise hoch und schafft einen wirtschaftlichen Engpass, der den Übergang verlangsamt. Für Schweizer Passagiere und Vielflieger-Familien bedeutet dies ein konkretes Risiko von Tariferhöhungen in den kommenden Jahren, zumindest solange die Skaleneffekte die Stückkosten nicht senken.
Von der Schweizer Forschung zur Produktion in den Niederlanden
Aus Platz- und Logistikgründen wurde die erste kommerzielle Anlage
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Wichtige Punkte
Zeitszenario: von der Suche bis zur kommerziellen Skalierbarkeit
Der Übergang findet nicht von einem Tag auf den anderen statt. Die Quelldaten zeigen eine klar definierte Flugbahn:
Phase 1 (2026-2029): Die Forschungs- und Testkapazitäten in der Schweiz werden am PSI weiter ausgebaut; die niederländische Handelsanlage befindet sich im Bau. Die obligatorischen Prozentsätze bleiben global bei 2%.
Phase 2 (2030 und später): Die niederländische Anlage wird in Betrieb genommen und liefert synthetischen Kraftstoff; der obligatorische Anteil steigt von 2% auf 6%. Skaleneffekte bei der Produktion beginnen und führen schrittweise zu einer Senkung der Stückpreise.
Phase 3 (2050): Klimaneutralitätsziel für die globale Luftfahrtindustrie. Ein Zeithorizont, der noch weit entfernt ist, aber dank der Fortschritte der Schweizer Forschung heute weniger unzugänglich erscheint als in der Vergangenheit.
Dieser Zeitrahmen bedeutet, dass die Schweizer Passagiere mittelfristig wahrscheinlich mit etwas höheren Flugpreisen zu tun haben werden, was die Mehrkosten für den obligatorischen nachhaltigen Treibstoff widerspiegelt. Andererseits sollte jede Produktionssteigerung und jeder Skaleneffekt zu einer allmählichen Senkung der Preisprämie im Jahrzehnt 2030-2040 führen.
Elektrische Luftfahrt - ein noch vorzeitiges Versprechen
Mittlerweile erforscht die Branche auch alternative Wege, wenn auch noch weit entfernt von großflächiger kommerzieller Anwendung. Freitag in Bern, im
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Quelle: rsi.ch
Häufig gestellte Fragen
- Was ist synthetisches Kerosin und wie wird es am PSI Aargau hergestellt?
- Synthetisches Kerosin ist Jettreibstoff, der aus Wasser, Strom (aus nachhaltigen Quellen) und Kohlendioxid hergestellt wird, das direkt aus der Atmosphäre gewonnen wird. Am Paul Scherrer Institut in Aargau wandelt die Demonstrationsanlage diese drei Inhaltsstoffe in „hochwertigen, klimaneutralen Brennstoff“ um, wie die Forscher erklärten. Das Verfahren wurde im Laufe von 3 Jahren Forschung entwickelt.
- Warum ist nachhaltiges Kerosin im Vergleich zu herkömmlichem so teuer?
- Synthetisches Kerosin kostet 4-5 mal mehr als herkömmlicher Kraftstoff, da die Technologie noch in den Kinderschuhen steckt und die Gesamtproduktionskapazität begrenzt ist. Jens Fehlinger (CEO Swiss) betont, dass eine Erhöhung der Produktion wesentlich ist, um die Preise durch Skaleneffekte zu senken. Solange das Angebot knapp bleibt, bleiben die Preise hoch.
- Wann bekomme ich mehr nachhaltigen Treibstoff in Flugzeugen als ich aus dem Ausland nehme?
- Die Fluggesellschaften müssen heute 2 % und 2030 6 % nachhaltigen Kerosins mischen. Die kommerzielle Anlage in den Niederlanden wird ab 2030 mit der Kraftstoffversorgung beginnen. Ab diesemJahr wird also der Anteil an grünem Treibstoff deutlich steigen, was sich nach und nach auch auf die Ticketkosten auswirkt.
- Wird die elektrische Luftfahrt bald synthetisches Kerosin für internationale Flüge ersetzen?
- Derzeit bleibt die elektrische Luftfahrt eine Option, die auf kleine Flugzeuge beschränkt ist (z. B. Velis Electro mit einer Reichweite von 50-60 Minuten). Für kommerzielle Langstreckenflüge bleibt synthetisches Kerosin die praktische Lösung. Das Ziel der Branche ist es, bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen, indem mehrere Technologien kombiniert werden, nicht nur eine.
- Wie werden sich diese Entwicklungen auf meine Ticketpreise auswirken?
- Wenn Sie mit Swiss oder anderen internationalen Fluggesellschaften fliegen, könnten sich die zusätzlichen Kosten für nachhaltigen Treibstoff (4-5 mal teurer) allmählich in etwas höheren Tarifen niederschlagen, insbesondere bis 2030. Da jedoch die Produktion in den Niederlanden zunimmt und die Preise für synthetisches Kerosin aufgrund von Skaleneffekten sinken, dürfte sich auch diese Auswirkung abschwächen.
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