Neue Kernanlage: 14 bis 43 Milliarden Franken (Grenzgänger-Leitfaden)

Ein Bericht der Schweizer Akademien schätzt die Kosten auf 14 bis 43 Milliarden CHF. Staatliche Unterstützung für den Bau eines Kernkraftwerks in der Schweiz erforderlich.
Kontext
In Kürze
- Neues Kernkraftwerk würde laut den Schweizerischen Akademien der Wissenschaften 14-43 Milliarden Franken kosten
- Die Schere hängt von zwei Szenarien ab: optimistisch (geringere Kosten) und pessimistisch (Bauverzögerungen)
- Finanzierung ohne staatliche Förderung sehr unwahrscheinlich
- Ausschreibung soll Anfang der 30er Jahre erfolgen
Eckdaten
- Was: Kostenbericht für ein neues Kernkraftwerk in der Schweiz
- Wer: Schweizerische Akademien der Wissenschaften
- Kostenschätzung: 14-43 Milliarden Franken
- Grundkosteneinheit: 11'500-12'000 Franken pro Kilowatt (kW)
- Berücksichtigte Reaktoren: Westinghouse (1'250 Megawatt) und EDF (1'630 Megawatt)
- Ausschreibungszeitleiste: Anfang der 30er Jahre
- Energieversorgung: voraussichtlich Anfang der 1950er Jahre
Der Bericht der Schweizer Akademien
Die Schweizerischen Akademien der Wissenschaften haben einen Bericht veröffentlicht, der die Kosten für den Bau eines neuen Kernkraftwerks in der Schweiz schätzt. Die Zahl ist überraschend gross: zwischen 14 und 43 Milliarden Franken. Wie konnte es zu einer so großen Schere kommen? Die Forscher untersuchten zwei Reaktormodelle unterschiedlicher Größe und berechneten, wie sich die Kosten unter verschiedenen Bedingungen entwickeln könnten.
Die von den Forschern verwendeten Startkosten orientieren sich an den aktuellen Angeboten für die Grossreaktoren von rund 11'500 bis 12'000 Franken pro Kilowatt Leistung. Auf dieser Basis erarbeiteten die Wissenschaftler zwei unterschiedliche Szenarien.
Im optimistischen Szenario ist der Bericht
Operative Details
Finanzielle Kapazitäten des Privatsektors
Eine entscheidende Frage stellt sich natürlich: Könnte der Schweizer Privatsektor, vertreten durch Unternehmen wie Axpo und BKW, ein solches Unternehmen direkt finanzieren? Dem Bericht zufolge ist die Antwort sehr unwahrscheinlich. Die Forschenden gehen davon aus, dass für den Bau eines neuen Kernkraftwerks in der Schweiz erhebliche staatliche Unterstützung erforderlich sein wird.
Spezifische finanzielle Risiken sind für private Akteure allein kaum tragbar. Dazu gehören extrem hohe Anfangsinvestitionen (zig Milliarden), mehrjährige Bauzeiten ohne Einnahmen und unsichere Strompreise in der langen Abschreibungsphase (die Jahrzehnte dauern kann). Die internationalen Erfahrungen zeigen, dass es in den letzten Jahren nur dann möglich war, private Investoren zu finden, wenn der Staat die Risiken stark reduziert hat.
Ein zusätzliches Element erschwert das Schweizer Bild zusätzlich: Da sich potenzielle Betreiber wie Axpo und BKW ganz oder teilweise in kantonalem Besitz befinden, wäre der öffentliche Sektor an einer solchen Investition jedenfalls indirekt beteiligt und würde dazu beitragen, die finanziellen Risiken zu tragen. Mit anderen Worten, auch eine «private» Lösung wäre es nicht: Der kantonale öffentliche Sektor bliebe de facto Co-Investor.
Implikationen für die Schweizer Wirtschaft
Diese astronomischen Kosten haben Auswirkungen auf die Politik von Bund und Kantonen. Eine Anlageentscheidung dieser
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Wichtige Punkte
Entscheidungszeitraum kritisch
Bereits bald. Laut Bericht sollte der Wettbewerbsaufruf bereits Anfang der 30er Jahre ausgesetzt werden, wenn das Ziel darin besteht, elektrische Energie Anfang der 50er Jahre bereitzustellen. Dies bedeutet, dass die Zeitfenster für eine politische Entscheidung sehr eng ist. Ein Bauzyklus einer großen Kernkraftwerksanlage erfordert in der Regel 10-15 Jahre, manchmal sogar mehr mit den Verzögerungen, die wir bei internationalen Projekten gesehen haben. Es gibt keine großen Spielräume für Improvisationen.
Der grundlegende Voraussetzung ist eine politische Entscheidung des Grundsatzes. Heute ist dies noch unentschieden: Die Volksabstimmung im Februar 2026 stellt den ersten Schritt einer demokratischen Beratung über einen strategischen Thema für die Schweiz.
Bauunternehmen im Gespräch
Bei einer Investitionsentscheidung bis zur Mitte der 30er Jahre wird die Wahl wahrscheinlich hauptsächlich auf große Wasserstoffkernreaktoren der dritten Generation (III/III+) fallen. Aktuell sind für die Schweiz nur EDF/Framatome (Frankreich) und Westinghouse (USA) als Bauunternehmen im Rennen. Obwohl sie derzeit weltweit die meisten Reaktoren bauen, sind chinesische (CNG, CNNC) und russische (Rosatom) Staatsunternehmen aufgrund geopolitischer Gründe für Europa und die Schweiz ausgeschlossen. Die südkoreanische KEPCO/KHNP, die sicherlich Erfahrung hat, kann derzeit ihre Reaktoren in Europa nicht unabhängig anbieten, da sie sich mit Westinghouse in einer Rechtsstreitigkeit befindet.
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Häufig gestellte Fragen
- Was würde ein neues Kernkraftwerk in der Schweiz kosten?
- Gemäss dem Bericht der Schweizerischen Akademien der Wissenschaften liegen die geschätzten Kosten zwischen 14 und 43 Milliarden Franken. Die Schere hängt von der Größe des gewählten Reaktors (Westinghouse 1'250 MW oder EDF 1'630 MW) und der Realisierung eines optimistischen oder pessimistischen Szenarios ab. Das pessimistische Szenario, das konstruktive Verzögerungen vorsieht, wird im Bericht anhand der jüngsten internationalen Projekte als realistischer erachtet.
- Wer würde für den Bau eines neuen Kernkraftwerks bezahlen?
- Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass die Schweizer Elektrizitätsunternehmen (Axpo, BKW) ein Kraftwerk für die enormen finanziellen Risiken (sehr hohe Anfangsinvestitionen, mehrjährige Bauzeiten ohne Einnahmen, unsichere Energiepreise) nicht direkt finanzieren könnten. «Erhebliche staatliche Unterstützung» sei nötig. Da diese Betreiber zudem bereits öffentlich oder teilweise öffentlich sind, wäre der öffentliche Sektor ohnehin indirekt involviert.
- Wann sollte die Schweiz eine Entscheidung treffen?
- Relativ bald. Dem Bericht zufolge sollte die Ausschreibung Anfang der 30er Jahre erfolgen, wenn das Kraftwerk Anfang der 50er Jahre Energie liefern soll. Vor diesem technischen Schritt bedarf es jedoch einer prinzipiellen politischen Entscheidung, und die Wähler werden sich in der Volksabstimmung im Februar 2026 dazu äußern.
- Welche Reaktoren und Hersteller stehen für die Schweiz zur Verfügung?
- Bei einer Investitionsentscheidung Mitte der 1930er-Jahre dürfte die Wahl auf Grossreaktoren der dritten Generation fallen. Die papierfähigen Hersteller sind EDF/Framatome (Frankreich) und Westinghouse (USA). Chinesische (CNG, CNNC) und russische (Rosatom) Konzerne sind aus geopolitischen Gründen ausgeschlossen. Die Südkoreanerin KEPCO/KHNP hat einen Rechtsstreit mit Westinghouse, der ihr den Zugang zum europäischen Markt verweigert.
- Könnten Small Modular Reactors (SMRs) das Kostenproblem lösen?
- Nein, laut Bericht. Für die SMRs liegen keine konkreten empirischen Daten zu den tatsächlichen Bauzeiten und Kosten vor. Außerhalb Chinas und Russlands befindet sich die Technologie noch in der Entwicklung. Ein wichtiges NuScale-Projekt wurde vor Baubeginn aufgrund hoher erwarteter Kostensteigerungen aufgegeben. Die SMRs bieten daher keine solide ökonomische Datenbasis für eine kurzfristige Schweizer Entscheidung.