Schweiz, rekordverdächtige Unternehmensinsolvenzen: seit 1994 nie dagewesene (Grenzgänger-Leitfaden)

Im ersten Halbjahr meldeten 7496 Unternehmen in der Schweiz Insolvenz an, was einem Anstieg von 54,7% gegenüber dem Vorquartal entspricht.
Kontext
In Kürze
- 7496 in Konkurs gegangene Unternehmen im ersten Halbjahr
- Zuwachs von 54,7% gegenüber dem Vorjahr
- 41 Unternehmen schließen täglich ihre Pforten
- 38% der Fälle betreffen Unternehmen mit mehr als zehnjähriger Tätigkeit
Eckdaten
- Was: Firmeninsolvenzen wegen Insolvenz
- Wann: Erstes Semester
- Wo: Schweiz (25 von 26 Kantonen)
- Wer: Dun & Bradstreet (d&b)
- Betrag: 7496 beteiligte Unternehmen
Das Schweizer Wirtschaftsgefüge befindet sich in einer schwierigen Phase: Im ersten Halbjahr meldeten 7496 Unternehmen Insolvenz an, eine Zahl, die nach heutigen Angaben der Wirtschaftsinformationsgesellschaft Dun & Bradstreet seit 1994 nicht mehr zu verzeichnen war. Gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres ist ein Wachstum von 54,7% zu verzeichnen. In alltäglichen Begriffen bedeutet dies, dass täglich etwa 41 Unternehmen ihre Türen schließen mussten, betonen die Experten von d&b. Wenn das Tempo konstant bleibt, wird erwartet, dass die jährliche Gesamtsumme 15'000 erreicht und damit die 11'856 des Vorjahres weit übersteigt. Die Daten müssen jedoch kontextualisiert werden: Hinter dem Anstieg steckt auch eine wichtige regulatorische Änderung. Seit Anfang 2025 sind öffentliche Stellen gesetzlich verpflichtet, die Beitreibung von Forderungen im Wege von Vollstreckungsverfahren strenger zu gestalten. Der Anstieg sei nur teilweise wirtschaftlicher Natur, erklärt Dirk Radetzki, Geschäftsführer von d&b, in einer Mitteilung. Diese Veränderung erschwert das
Operative Details
Art und Langlebigkeit der betroffenen Unternehmen
Eine Tatsache, die überraschen könnte, betrifft das Alter der bankrotten Unternehmen: Entgegen dem, was Sie vielleicht denken, brechen nicht nur junge Start-ups, sondern vor allem die am längsten bestehenden Unternehmen zusammen. Unternehmen mit mehr als zehn Jahren Geschäftstätigkeit machen 38% der Fälle aus, was 2814 Konkursen entspricht, gefolgt von Unternehmen zwischen 5 und 10 Jahren, die 2027 Fälle registrieren, was 27% entspricht. Dieser Vertrieb zeigt, wie sich der wirtschaftliche Druck und die neuen regulatorischen Bestimmungen auch auf etablierte und historische Strukturen auf dem Markt auswirken. Dirk Radetzki kommentiert, dass es äußerst ungewöhnlich ist, dass die Schweiz in so vielen Kantonen und Branchen gleichzeitig betroffen ist, was die Vorstellung verstärkt, dass wir eher mit einer systemischen Wirkung als mit branchenspezifischen Krisen konfrontiert sind. Die Gesetzesreform bringt eine Schwachstelle ans Licht, die jahrelang verborgen geblieben ist und die historischen Unternehmen hart trifft, die bereits seit langem an der Grenze ihres finanziellen Gleichgewichts tätig sind, schließt der Experte.
Die Wechselwirkung zwischen makroökonomischen Faktoren wie der schwachen Nachfrage und den hohen Finanzierungskosten in Verbindung mit der neuen Regelung für die Beitreibung von Forderungen durch öffentliche Stellen zeichnet ein Szenario vor, in dem die Dichtigkeit von Unternehmen an mehreren Fronten auf eine harte Probe gestellt wird. Die Analyse von Dun & Bradstreet zeigt, wie die alten Regeln einen Teil dieses Leidens maskiert hätten
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Wichtige Punkte
Zukunftsperspektiven und Trends für das Wirtschaftsgefüge
Die von den Experten von Dun & Bradstreet erstellten Prognosen deuten darauf hin, dass die jährliche Insolvenzsumme bei Beibehaltung des aktuellen Rhythmus des ersten Halbjahres 15'000 erreichen könnte. Dieser Wert würde die im Vorjahr verzeichneten Daten deutlich übertreffen und einen langfristigen Trend bestätigen, der in der Vergangenheit keine vergleichbaren Präzedenzfälle gefunden hat, wenn er bis 1994 zurückreicht. Wirtschaftsakteure und Behörden überwachen weiterhin die Entwicklung der Konjunktur und bewerten die kombinierten Auswirkungen der neuen Rechtsvorschriften auf die Vollstreckungsverfahren und die Marktdynamik, die weiterhin strategische Sektoren wie Handwerk, Gastronomie und Einzelhandel belasten.
Das durch die aktuellen statistischen Daten umrissene Bild erfordert eine sorgfältige Beobachtung der Unternehmensdynamik in den kommenden Monaten, insbesondere um zu verstehen, ob die Verschärfung der Beitreibung von Forderungen durch öffentliche Stellen weiterhin ähnliche Auswirkungen auf die Gesamtzahl der offenen Verfahren haben wird. In der Zwischenzeit versuchen die verschiedenen Produktionssektoren, sich an ein Umfeld anzupassen, das durch hohe Finanzierungskosten und eine in bestimmten Sektoren nach wie vor schwache Nachfrage gekennzeichnet ist, und zeichnen eine komplexe und sich ständig verändernde Wirtschaftslandschaft auf nationaler Ebene.
Quelle: tio.ch
Häufig gestellte Fragen
- Wie viele Unternehmen haben im ersten Halbjahr Konkurs angemeldet?
- Im ersten Halbjahr meldeten 7496 Unternehmen in der Schweiz Insolvenz an, was einem Anstieg von 54,7% gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht.
- Welche Branchen sind am stärksten von Insolvenzverfahren betroffen?
- Das Handwerk führt das Ranking mit 1053 Konkursen an, gefolgt von der Gastronomie mit 770 und dem Einzelhandel mit 626. Die Baubranche bildet hingegen eine Ausnahme und verzeichnet einen Rückgang.
- Welche Kantone verzeichnen die höchsten Konkurszahlen?
- Die höchsten Zahlen gibt es in Zürich mit 1261 Fällen, in Genf mit 788 und im Kanton Waadt mit 717. In 25 von 26 Kantonen war ein Anstieg zu verzeichnen, mit Ausnahme von Schwyz.