Pornografische Deepfakes: Was sagt das Schweizer Recht?

In der Schweiz gibt es kein spezifisches Verbrechen für pornografische Deepfakes, aber das geltende Recht kann in besonderen Fällen angewendet werden.
Kontext
In Kürze
- Porno-Deepfakes mit KI in der Schweiz erstellt
- Acht Frauen haben Anzeige erstattet
- Kein spezifisches Verbrechen, aber Gesetze zu Identität und Ehre
Wichtige Fakten
- Was: Porno-Deepfakes mit künstlicher Intelligenz erstellt
- Wann: Inhalte zirkulierten monatelang auf Telegram
- Wo: Schweiz, mit mindestens 14 betroffenen Frauen
- Wer: Acht Frauen haben Anzeige erstattet
- Betrag: Nicht spezifiziert
In der Schweiz ist das Problem der pornografischen Deepfakes, die mit künstlicher Intelligenz erstellt werden und das Gesicht einer realen Person auf einen anderen Körper in Bildern oder Videos mit sexuellem Inhalt überlagern, nicht unbekannt. Laut einer Untersuchung des Tages-Anzeigers zirkulierten monatelang Deepfakes von Schweizer Influencern auf Telegram. Mindestens 14 Frauen sind betroffen, von denen acht Anzeige erstattet haben. In den Kanälen wurden auch Anweisungen ausgetauscht, wie diese sexuellen Fälschungen einfach und schnell erstellt werden können.
Für Angela Müller von Algorithm Watch zeigt der Fall, dass pornografische Deepfakes kein Randphänomen sind. „Das Problem ist größer als einige Einzelfälle“, sagt Müller. Sexismus und sexualisierte Gewalt im Internet sind sicherlich nichts Neues, aber die KI wirkt als Multiplikator. Die Organisation fordert daher, dass soziale Medienplattformen und Anbieter von KI-Tools mehr Verantwortung übernehmen sollten.
Die Gesetze in der Schweiz
In der Schweiz gibt es kein spezifisches Strafgesetz, das sich mit der Erstellung und Verbreitung von pornografischen Deepfakes befasst. Der Bundesrat ist jedoch der Ansicht, dass das geltende Recht grundsätzlich auch auf diese Art von Inhalten anwendbar ist. Je nach Fall können bereits im Strafgesetzbuch vorgesehene Tatbestände wie Identitätsdiebstahl oder Delikte gegen die Ehre zur Anwendung kommen. Auch die unbefugte Verbreitung intimer Inhalte kann strafrechtlich relevant sein. „Meiner Meinung nach decken die bestehenden Normen bereits mehrere Aspekte des Problems ab“, erklärt Manuel Bertschi, ein auf Kommunikationsrecht spezialisierter Anwalt. Wichtig sei, betont er, dass die Justiz diese Normen auch auf Fälle von pornografischen Deepfakes konsequent anwendet.
Ein Problem der Anwendung
Laut Bertschi liegt das zentrale Problem in der Anwendung des Rechts. Die betroffenen Personen wissen oft nicht, wer sich hinter den anonymen Konten verbirgt, die diese Inhalte verbreiten. Um strafrechtlich vorgehen zu können, ist es jedoch notwendig, eine natürliche oder juristische Person zu identifizieren, die verfolgt werden kann. „Ich unterstütze die Notwendigkeit, eine gesetzliche Verantwortung der Plattformen einzuführen“, sagt der Anwalt. Derzeit, erklärt er, besteht eines der Hauptprobleme darin, dass die Plattformen nicht juristisch für die Veröffentlichung von Deepfakes verantwortlich sind. Angela Müller teilt diese Position: Ihrer Meinung nach sollten die Plattformen zur Verantwortung gezogen werden, wenn sie von illegalen Inhalten Kenntnis haben und diese nicht entfernen.
Was gegen pornografische Deepfakes tun?
Die Priorität besteht darin, die Inhalte zu dokumentieren und sie den Plattformen zu melden, um deren Entfernung zu erreichen. Wenn der Autor bekannt ist und das Ziel darin besteht, das Material schnell zu löschen, rät der Anwalt Bertschi, eine zivilrechtliche Klage einzureichen. Parallel dazu kann auch eine Strafanzeige eingereicht werden, beispielsweise wegen Identitätsdiebstahls oder Delikten gegen die Ehre.
Verbote in Diskussion
Im Nationalrat sind mehrere Motionen anhängig, die ein Verbot der sogenannten „Nudifizierungs“-Apps fordern. Dabei handelt es sich um Anwendungen, die es ermöglichen, leicht Deepfakes aus bereits vorhandenen Fotos einer Person zu erstellen. Das Problem mit den Verboten der Anwendungen besteht darin, dass diese ihren Namen, ihre Webadresse oder ihre technische Infrastruktur ändern können. Nach der Blockierung einer Website oder eines Dienstes taucht oft schnell ein ähnlicher neuer auf.
Ein soziales Problem
Verbote und neue Gesetze sind daher nur ein Teil der Lösung, sagt Angela Müller, die eine Diskussion, die sich nur auf das Strafrecht beschränkt, für unzureichend hält. Wenn diese Inhalte einmal online zirkulieren, ist der Schaden oft schon angerichtet, betont sie. Es braucht daher auch Präventionsmaßnahmen, Anlaufstellen für die betroffenen Personen und eine größere Verantwortung seitens der Plattformen, deren Design und Algorithmen die Verbreitung problematischer Inhalte begünstigen können. Pornografische Deepfakes, schließt Müller, sind der Ausdruck eines größeren sozialen Problems, das nicht nur mit Gesetzen gelöst werden kann.
Operative Details
Auswirkungen auf Grenzgänger
Grenzgänger, die im Tessin wohnen und in Italien arbeiten, könnten besonders anfällig für pornografische Deepfakes sein, aufgrund ihrer häufigen Nutzung digitaler Plattformen und sozialer Medien. Das Fehlen eines spezifischen Gesetzes in der Schweiz könnte den Schutz der Opfer erschweren, insbesondere wenn die Autoren der Deepfakes aus anderen Jurisdiktionen stammen.
Vergleich mit der vorherigen Situation
Bevor pornografische Deepfakes aufkamen, konnten Opfer von Rachepornografie oder unberechtigter Verbreitung intimer Inhalte auf bestehende Gesetze wie Identitätsdiebstahl und Delikte gegen die Ehre zurückgreifen. Allerdings hat die Deepfake-Technologie die Anwendung dieser Normen komplizierter gemacht, da es oft schwierig ist, die Autoren zu identifizieren und die Absicht des Schadens nachzuweisen.
Konkrete Szenarien
Stellen wir uns einen Grenzgänger vor, der im Tessin wohnt und in Italien arbeitet. Wenn er Opfer eines pornografischen Deepfakes wird, könnte er vor verschiedene Herausforderungen gestellt werden. Zunächst müsste er die Inhalte dokumentieren und sie den Plattformen melden, um deren Entfernung zu erreichen. Wenn der Autor bekannt ist, könnte er zivilrechtliche Schritte einleiten, um das Material schnell löschen zu lassen. Parallel dazu könnte er eine Strafanzeige wegen Identitätsdiebstahls oder Delikten gegen die Ehre einreichen.
Verantwortung der Plattformen
Ein entscheidender Aspekt ist die Verantwortung der sozialen Medienplattformen. Derzeit haften die Plattformen nicht juristisch für die Veröffentlichung von Deepfakes, was es für die Opfer erschwert, Gerechtigkeit zu erhalten. Angela Müller und Manuel Bertschi argumentieren, dass die Plattformen zur Verantwortung gezogen werden sollten, wenn sie von illegalen Inhalten wissen, aber nichts zu deren Entfernung unternehmen.
Präventive Maßnahmen
Neben Gesetzen und rechtlichen Schritten sind präventive Maßnahmen notwendig. Die Plattformen könnten effektivere Algorithmen implementieren, um pornografische Deepfakes zu erkennen und zu entfernen. Zudem könnten Anlaufstellen für Betroffene geschaffen werden, wie psychologische und rechtliche Unterstützungseinrichtungen. Eine größere Sensibilisierung des Problems unter den Nutzern könnte ebenfalls dazu beitragen, die Verbreitung solcher Inhalte zu verhindern.
Empfohlene Tools
Für eine aktuelle Schätzung nutzen Sie den Nettolohnrechner und den CHF-EUR-Wechselvergleich.
Wichtige Punkte
Was tun, wenn Sie Opfer eines pornografischen Deepfakes sind
Falls Sie Opfer eines pornografischen Deepfakes geworden sind, ist der erste Schritt, die Inhalte zu dokumentieren. Machen Sie Screenshots oder speichern Sie Videos und melden Sie diese den Plattformen, um deren Entfernung zu erreichen. Wenn Sie den Urheber kennen, können Sie zivilrechtliche Schritte einleiten, um das Material schnell löschen zu lassen. Gleichzeitig können Sie eine Strafanzeige wegen Identitätsdiebstahls oder Beleidigungen einreichen.
Meldung an die Plattformen
Jede Plattform hat ein eigenes Meldesystem. Zum Beispiel können Sie auf Facebook und Instagram unangemessene Inhalte über das Optionsmenü des Beitrags oder des Profils melden. Auf Telegram können Sie einen Kanal oder eine Nachricht über das Optionsmenü des Kanals oder der Nachricht melden.
Strafanzeige
Falls Sie eine Strafanzeige einreichen möchten, können Sie sich an die örtliche Polizei oder einen auf Kommunikationsrecht spezialisierten Anwalt wenden. Der Anwalt kann Ihnen helfen, Beweise zu sammeln und die Anzeige einzureichen. Denken Sie daran, dass es wichtig ist, schnell zu handeln, da die Inhalte entfernt oder geändert werden könnten.
Psychologische Unterstützung
Opfer eines pornografischen Deepfakes zu sein, kann eine traumatische Erfahrung sein. Es ist wichtig, psychologische Unterstützung zu suchen, um die Angst, Scham und Furcht zu bewältigen, die aus dieser Situation entstehen können. Sie können sich an einen Therapeuten oder ein spezialisiertes Unterstützungszentrum wenden.
Nützliche Tools
Für weitere Informationen und Unterstützung können Sie die Website von Algorithm Watch besuchen oder einen auf Kommunikationsrecht spezialisierten Anwalt kontaktieren. Außerdem können Sie den Gehaltsrechner nutzen, um Ihre Einkünfte zu vergleichen und Ihre Finanzen zu planen.
Fazit
Pornografische Deepfakes sind ein komplexes Problem, das einen vielschichtigen Ansatz erfordert. Neben rechtlichen Schritten sind Präventionsmaßnahmen und eine größere Verantwortung der Plattformen notwendig. Wenn Sie Opfer eines pornografischen Deepfakes sind, zögern Sie nicht, Hilfe und Unterstützung zu suchen. Nutzen Sie die verfügbaren Tools, um Inhalte zu dokumentieren, sie den Plattformen zu melden und gegebenenfalls eine Strafanzeige einzureichen.
Quelle: rsi.ch
Häufig gestellte Fragen
- Was sind pornografische Deepfakes?
- Pornografische Deepfakes sind Inhalte, die mit künstlicher Intelligenz erstellt werden und das Gesicht einer realen Person auf einen anderen Körper in Bildern oder Videos mit sexuellem Inhalt überlagern. Diese Inhalte können ohne Zustimmung der betroffenen Person online verbreitet werden.
- Welche Gesetze in der Schweiz gelten für pornografische Deepfakes?
- In der Schweiz gibt es kein spezifisches Strafrecht im Zusammenhang mit der Erstellung und Verbreitung von pornografischen Deepfakes. Dennoch kann das geltende Recht in bestimmten Fällen angewendet werden, wie z.B. Identitätsdiebstahl oder Delikte gegen die Ehre.
- Was tun, wenn man Opfer eines pornografischen Deepfakes wird?
- Wenn Sie Opfer eines pornografischen Deepfakes werden, sollten Sie zunächst die Inhalte dokumentieren und sie den Plattformen melden, um deren Entfernung zu erreichen. Wenn Sie den Autor kennen, können Sie zivilrechtliche Schritte unternehmen, um das Material schnell löschen zu lassen. Gleichzeitig können Sie eine Strafanzeige wegen Identitätsdiebstahls oder Delikten gegen die Ehre einreichen.
Verwandte Artikel
- Telelavoro Frontalieri: L'Italia dice SÌ. Ecco le nuove regole
- Legge AI Lombardia: impatto su Ticino e frontalieri
- Locarno approva alleanza con Lugano e Mendrisio per Capitale Culturale Svizzera 2030
- Analisi completa della busta paga svizzera 2026 per i frontalieri
- Frontalieri in Ticino: il 55,6% si sente pagato meno