Saisonal im Tourismus: Unterkunftskosten im Vordergrund

Eine Studie der Universität Lausanne im Auftrag des Bundesamtes für Wohnungswesen analysiert die Wohnungsnot der Saisonarbeiter.
Kontext
Auf einen Blick
- Studie der Universität Lausanne zu Saisonarbeitskräften
- Im Auftrag des Bundesamtes für Wohnungswesen
- 95 Interviews in 4 Tourismusdestinationen
- Unterbringungskosten als Hauptschwierigkeit genannt
Hauptfakten
- Was: Analyse der Wohnsituation von Saisonarbeitskräften
- Wann: 11. September 2026
- Wo: Adelboden, Leysin, Saas-Fee und Villars-sur-Ollon
- Wer: Universität Lausanne und Bundesamt für Wohnungswesen
- Umfang: 95 Interviews insgesamt, davon 84 mit Saisonarbeitskräften
- Kontext: Kofinanziert von den Kantonen Bern, Waadt und Wallis
Der Schweizer Tourismussektor kann auf Saisonarbeitskräfte nicht verzichten, doch ihre Anwesenheit ist eng an die Verfügbarkeit von adäquatem Wohnraum geknüpft. Eine kürzlich von der Universität Lausanne im Auftrag des Bundesamtes für Wohnungswesen durchgeführte und von den Kantonen Bern, Waadt und Wallis kofinanzierte Studie hat erstmals die Wohnsituation aus der Sicht der Saisonarbeitskräfte analysiert. Der Bericht mit dem Titel «Usages et besoins en logement des travailleurs saisonniers en stations de sports d'hiver» beleuchtet das Hauptproblem in diesem Wirtschaftszweig: die Unterbringungskosten.
In den Schweizer Alpendörfern wirken sich die steigenden Mietpreise stark auf das Budget der temporären Arbeitskräfte aus, deren kantonale Mindestlöhne gemäss den Gesamtarbeitsverträgen (GAV) des Hotel- und Gastgewerbes im Durchschnitt zwischen 3800 und 4200 Franken brutto pro Monat liegen.
Methodik und Rahmen der Forschung
Die Untersuchung stützt sich auf insgesamt 95 Interviews, darunter 84 direkt mit Saisonarbeitskräften, die in den Destinationen Adelboden, Leysin, Saas-Fee und Villars-sur-Ollon beschäftigt sind. Wohnräume spielen nicht nur für den Alltag dieser Menschen eine zentrale Rolle, sondern beeinflussen auch massgeblich die Möglichkeit, einen Arbeitsplatz zu finden, die individuelle finanzielle Situation und die eventuelle Entscheidung, an einen bestimmten Tourismusort zurückzukehren. Das Vorhandensein eines angemessenen Wohnungsangebots ist daher ein entscheidender Faktor für Tourismusdestinationen, um Arbeitskräfte anzuziehen, langfristig an sich zu binden und den kontinuierlichen Betrieb der lokalen Unternehmen zu gewährleisten.
Die Wohnungsnot in den touristischen Tälern bedroht direkt die Wettbewerbsfähigkeit unseres Hotel- und Parahotelleriesystems.
Praxisszenarien und finanzielle Auswirkungen
In Saas-Fee und Adelboden kann ein Standard-Studio für die Wintersaison 1200 Franken pro Monat überschreiten und bis zu dreissig Prozent des Nettogehalts einer ungelernten Saisonarbeitskraft verschlingen. Zum Vergleich mit urbanen Zentren wie Zürich oder Genf, wo die Kosten pro Quadratmeter zwar hoch sind, aber durch höhere Durchschnittslöhne ausgeglichen werden, entsteht in den touristischen Destinationen durch das Verhältnis von festen Mietkosten zum Saison-Einkommen von 4 bis 5 Monaten ein strukturelles Spardefizit für ausländische Arbeitnehmende oder Interkantonale Pendler. Unternehmen, die Firmenunterkünfte zu vergünstigten Preisen anbieten — oft in umgebauten alten Nebengebäuden oder ehemaligen Hotelzimmern — verzeichnen eine um fünfundvierzig Prozent höhere Mitarbeiterbindung als jene, die den Arbeitskräften überlassen, auf dem freien alpinen Immobilienmarkt eine Unterkunft zu suchen.
Operative Details
Unter Berücksichtigung der aus den Interviews hervorgegangenen Wohnbedürfnisse sehen sich Branchenakteure und lokale Behörden mit klaren, von den Arbeitnehmern geäusserten Prioritäten konfrontiert. Die Untersuchung zeigt, dass die Suche nach bezahlbarem Wohnraum das absolute Hauptbedürfnis darstellt. Hohe Wohnkosten im Verhältnis zum Einkommen schränken die Möglichkeit, während der Saison Ersparnisse zu bilden, drastisch ein. Im Graubünden und im Wallis, wo die durchschnittlichen Kosten für ein Einzimmerapartment oft 1'200 Franken pro Monat übersteigen, müssen Saisonarbeitskräfte, die gemäss dem Gesamtarbeitsvertrag der Hotel- und Gastronomiebranche einen Bruttomindestlohn von rund 3'800 Franken verdienen, über 35 Prozent ihres Einkommens allein für die Miete aufwenden. Neben dem wirtschaftlichen Faktor äussern Saisonarbeitskräfte das Bedürfnis nach Wohnlösungen in der Nähe ihres Arbeitsplatzes und der wesentlichen Dienstleistungen des Ortes. Kurze Wege erleichtern den Alltag und senken die Mobilitätskosten – ein besonders wichtiger Aspekt, wenn man die bisweilen unregelmässigen Arbeitszeiten des Wintertourismus und die widrigen Wetterbedingungen der kalten Jahreszeit berücksichtigt.
Qualitative Aspekte und vertragliche Flexibilität
Was die Ausstattung und die Qualität der Unterkünfte betrifft, so hängen die Prioritäten nicht von hohen Komfortansprüchen ab, sondern vielmehr von Sauberkeit, angemessenen Grössen, einer vollständigen Ausstattung und der Möglichkeit, ein Mindestmass an Privatsphäre zu geniessen. Dies erweist sich als entscheidend in Wohngemeinschaften, wo unterschiedliche Arbeitszeiten und Lebensrhythmen das Zusammenleben unter Kolleginnen und Kollegen erschweren können. Die vierte durch die Studie ermittelte Priorität betrifft die Flexibilität der Mietverträge. Häufig stimmt die Dauer der Mietverträge nicht mit derjenigen des Saisonarbeitsvertrags überein, was für die Arbeitnehmer ungerechtfertigte Zusatzkosten verursacht. Die Befragten wünschen sich flexible Mietbeginn- und -enddaten sowie die Möglichkeit, dieselbe Unterkunft in den folgenden Saisons wieder zu mieten, wodurch die Arbeitspräsenz in den alpinen Tälern stabilisiert wird.
- Mietzins, der auf den kantonalen Mindestlohn abgestimmt ist
- Maximale Entfernung von fünfzehn Gehminuten zu den Bergbahnen
- Mindestausstattung mit eigener Küche und inklusive Internetverbindung
Die Stabilisierung der Arbeitskräfte erfordert notwendigerweise eine vorausschauende Wohnungspolitik für die Tiertäler.
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Wichtige Punkte
Die Wohnsituation von Saisonarbeitskräften im Schweizer Tourismussektor variiert stark je nach Standort, was deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen alpinen Zentren der Eidgenossenschaft verdeutlicht. Die Leichtigkeit, eine angemessene Unterkunft zu finden, hängt von kritischen Faktoren wie der lokalen Verfügbarkeit und den Preisen, dem Anteil an Zweitwohnungen im Gebiet gemäß dem 2016 in Kraft getretenen Bundesgesetz über Zweitwohnungen (ZWG), der Erreichbarkeit der Verkehrsanbindungen und dem Wohnungsangebot in den umliegenden Gemeinden ab.
Bei der Analyse der Regionaldaten zeigt sich, dass an Orten wie Zermatt (Kanton Wallis) oder St. Moritz (Kanton Graubünden), wo der Immobilienmarkt stark unter Druck steht, die Kosten für ein Einzelzimmer für Saisoniers leicht 900 bis 1200 Schweizer Franken pro Monat überschreiten können. Dies schlägt sich schwer nieder auf Bruttolöhne, die laut den Gesamtarbeitsverträgen (GAV) des Hotel- und Gastgewerbes (L-GAV) für unqualifiziertes Personal geralmente zwischen 3850 und 4400 Franken pro Monat liegen. Im Gegensatz dazu bewegen sich die Durchschnittspreise in abgegangenen Tälern des Tessins oder in kleineren Stationen des Berner Oberlands oft zwischen 550 und 750 Franken, auch wenn hier Probleme im Zusammenhang mit der Baufälligkeit der Immobilien bestehen.
Die Workshops in den vier untersuchten Destinationen und die Diskussionen auf nationaler Ebene haben gezeigt, dass es keine universelle Lösung gibt, sondern die Notwendigkeit besteht, zielgerichtete Ansätze für die lokalen Besonderheiten zu entwickeln.
Operative Massnahmen für Arbeitgeber und Gemeinden
- Frühzeitige Planung des Bettengedarfs mindestens 6 Monate vor der Saison
- Umnutzung von Gewerbeimmobilien oder ausgedienten Hotels in Mitarbeiterresidenzen
- Abschluss langfristiger Vereinbarungen mit lokalen Eigentümern zur Fixierung der Mieten
- Gemeinsame Nutzung von Wohnressourcen zwischen mehreren Unternehmen derselben Tourismusdestination
Arbeitgeber und Gemeinden sind aufgefordert, in enger Zusammenarbeit mit den Kantonen, Tourismusorganisationen und anderen regionalen Wirtschaftsakteuren konkrete Antworten zu erarbeiten. Der Bericht der Universität Lausanne bietet eine praktische Arbeitsgrundlage mit verschiedenen Interventionsmöglichkeiten, darunter Steuererleichterungen für Unternehmen, die in den Bau von Personalunterkünften investieren, sowie kommunale Bauanreize, die von den normalen Ausnützungsziffern abweichen.
Vertiefung der wirtschaftlichen und arbeitsrechtlichen Situation
Wer auf dem Schweizer Arbeitsmarkt tätig ist und seine wirtschaftliche Position, die Auswirkungen der Fixkosten auf das Einkommen oder die verfügbaren beruflichen Möglichkeiten bewerten möchte, tut gut daran, die online bereitgestellten Wirtschaftsanalyse-Instrumente zu nutzen. Die Überprüfung der Auswirkungen von Lebenshaltungskosten, obligatorischen Sozialabgaben (AHV/IV/EO, ALV, BVG) und Löhnen ermöglicht eine optimale Planung jedes Wohnsitzwechsels oder beruflichen Engagements in den verschiedenen Regionen der Eidgenossenschaft.
Konsultieren Sie den Lohnrechner, um Ihre wirtschaftliche Situation zu überprüfen und die Ausgaben in der Schweiz zu planen.
Quelle: admin.ch
Häufig gestellte Fragen
- Wer hat die Wohnsituationsstudie in Auftrag gegeben und durchgeführt?
- Die Studie wurde von der Universität Lausanne im Auftrag des Bundesamtes für Wohnungswesen durchgeführt. Zudem wurde die Initiative von den Kantonen Bern, Waadt und Wallis mitfinanziert und bietet erstmals eine vertiefte Analyse aus Sicht der im Schweizer Tourismus beschäftigten Saisonarbeiter.
- Welche touristischen Destinationen wurden in die Umfrage einbezogen?
- Die Recherche basiert auf insgesamt 95 Interviews, davon 84 direkt mit Saisonarbeitern, die in vier spezifischen Tourismusdestinationen beschäftigt sind: Adelboden, Leysin, Saas-Fee und Villars-sur-Ollon. Die gesammelten Informationen zeigen, dass die Unterkunftskosten das Hauptproblem darstellen.
- Was sind die wichtigsten Wohnbedürfnisse von Saisonarbeitern?
- Saisonarbeiter betonen vor allem die Notwendigkeit, eine erschwingliche Unterkunft zu finden, die die Ersparnisse nicht übermäßig reduziert. Sie erfordern auch die Nähe zum Arbeitsplatz und zu den wesentlichen Dienstleistungen, angemessene Hygiene- und Sauberkeitsbedingungen, ausreichende Räume mit einem Minimum an Privatsphäre und mehr Flexibilität bei der Dauer der Mietverträge.