Fachkräftemangel in Graubünden: Auswirkungen auf Unternehmen

Alpenblick auf Graubünden mit traditionellen Dörfern und Industriegebieten

44 % der Unternehmen in Graubünden melden schwere Schwierigkeiten, qualifiziertes Personal zu finden, während 75 % ihre wirtschaftliche Lage als gut oder sehr gut einschätzen.

Kontext

Kurzfassung

  • 44 % der Unternehmen sehen den Mangel an qualifizierten Arbeitskräften als große Herausforderung an
  • 75 % der Unternehmen beurteilen ihre wirtschaftliche Lage als gut oder sehr gut
  • 56 % geben an, Schwierigkeiten zu haben, Bauland oder mietbare Flächen zu finden
  • Zwei Drittel erwarten eine stabile Entwicklung bis 2026

Schlüsselfakten

  • Was: Umfrage zum Fachkräftemangel und zur Wirtschaftslage
  • Wann: 24. April – 13. Mai 2024
  • Wo: Kanton Graubünden
  • Wer: Fachverband der rätischen Wirtschaft (Graubünden Handwerksverband, Handelskammer, HotellerieSuisse Graubünden)
  • Umfang: 324 teilnehmende Unternehmen (etwa 10 % der Betriebe mit mehr als 10 Mitarbeitenden)
  • Prozentsatz: 44 % geben an, große Schwierigkeiten bei der Suche nach qualifiziertem Personal zu haben
  • Prozentsatz2: 75 % beurteilen ihre Lage als gut oder sehr gut
  • Prozentsatz3: 56 % haben Schwierigkeiten, Bauland zu finden

Der Fachverband der rätischen Wirtschaft, der den Graubünden Handwerksverband, die Handelskammer und HotellerieSuisse Graubünden vereint, hat eine Umfrage unter den im Kanton ansässigen Unternehmen gestartet. Die Erhebung, durchgeführt vom 24. April bis zum 13. Mai 2024, hat die Antworten von 324 Unternehmen gesammelt, was etwa 10 % aller Betriebe mit mehr als zehn Mitarbeitenden entspricht.

Die Mehrheit der Befragten (75 %) beurteilt ihre wirtschaftliche Lage als gut oder sehr gut, ein Hinweis auf eine gewisse Resilienz trotz der Spannungen am Arbeitsmarkt. Der Fachkräftemangel bleibt jedoch das drängendste Problem: 44 % der Unternehmen sehen die Schwierigkeit, qualifiziertes Personal zu finden, als groß oder sehr groß an, was eine deutliche Verbesserung gegenüber 62 % im Jahr 2022 darstellt.

Die Umfrage zeigt, dass der gravierendste Mangel bei Mitarbeitenden mit höherer und spezialisierter Ausbildung besteht, gefolgt von jungen Lernenden, Führungskräften und ungelernten Arbeitskräften. Neben dem Fachkräftebedarf nennen die Unternehmen als Haupthemmnisse das politische Umfeld (41 %) und die wirtschaftliche Situation (35 %).

Im Hinblick auf die politischen Rahmenbedingungen äußern 69 % der Unternehmen den Wunsch, die Bürokratie zu reduzieren, während 49 % eine bessere Raumplanung und ein schlankeres Verfahren für Baugenehmigungen fordern. Parallel dazu beklagen 56 % der Unternehmen Schwierigkeiten, geeignete Baulandflächen oder mietbare Areale zu finden, und 47 % sehen in dieser Einschränkung ein Hindernis für die Unternehmensentwicklung.

Die zukünftigen Aussichten sind relativ optimistisch: Zwei Drittel der Unternehmen erwarten bis Ende 2026 eine stabile Entwicklung, 15 % rechnen mit einer Verbesserung und nur 3 % sehen eine Verschlechterung voraus. Die zuversichtlichsten Sektoren sind Bau, Finanzen, Immobilien und Tourismus, während die Fertigungsindustrie, der Einzelhandel und die Automobilbranche vorsichtiger einschätzen.

«Die Unternehmen in Graubünden haben insgesamt eine positive Sicht, aber der Mangel an qualifiziertem Personal und die Knappheit an Bauland bleiben die kritischsten Herausforderungen.»

Interessierte Unternehmen können die Auswirkungen der Personalkosten mit unserem Gehaltsrechner prüfen.

Operative Details

Auswirkungen auf die nationale Wirtschaft

Das Bild, das sich aus der Umfrage in Graubünden ergibt, spiegelt einen Trend wider, der in der ganzen Schweiz spürbar ist: die Schwierigkeit, hochqualifizierte Arbeitskräfte zu finden. Der Rückgang des Anteils der Unternehmen, die einen schwerwiegenden Mangel melden (von 62 % im Jahr 2022 auf 44 % im Jahr 2024), deutet auf eine leichte Verbesserung hin, doch der Anteil bleibt dennoch bedeutend. Sollte sich die Situation stabilisieren, könnten die Unternehmen in den am stärksten betroffenen Branchen – insbesondere Bau, Finanzen und Tourismus – ihre bis 2026 geplanten Investitionsvorhaben beibehalten.

Im Gegensatz dazu könnten vorsichtigere Branchen wie die verarbeitende Industrie, der Einzelhandel und die Automobilindustrie aufgrund des anhaltenden Mangels an qualifiziertem Personal Verzögerungen bei Expansionsprojekten erleben. In einem Kontext, in dem 56 % der Unternehmen Schwierigkeiten melden, Bauland zu finden, ist die Fähigkeit, neue Immobilienprojekte zu starten oder Produktionsstätten zu erweitern, begrenzt. Dies könnte zu einer Verlangsamung des Angebots an neuen Arbeitsplätzen führen und einen Teufelskreis zwischen Arbeitskräftemangel und reduzierter Wachstumsfähigkeit schaffen.

Der Wunsch von fast 70 % der Unternehmen, die Bürokratie zu reduzieren, und von 49 %, die Raumplanung zu verbessern, zeigt, dass Unternehmen in der regulatorischen Vereinfachung einen potenziellen Entwicklungsbeschleuniger sehen. Sollten die kantonalen und bundesstaatlichen Behörden diesen Forderungen nachkommen, könnte dies zu einer schnelleren Erteilung von Baugenehmigungen führen, was die Realisierung neuer Industrie- oder Wohngebäude und damit die Schaffung neuer Arbeitsplätze begünstigen würde.

Aus Sicht der Arbeitsmarktpolitik sollte die kurzfristige Priorität die Stärkung der Berufsbildungs- und Lehrlingsprogramme sein, die darauf abzielen, die Lücke bei den Fachkompetenzen zu schließen. Ohne gezielte Maßnahmen besteht das Risiko, dass Unternehmen weiterhin auf Grenzgänger oder internationale Talente angewiesen sind, mit möglichen Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit des Kantons und, in der Folge, der gesamten Schweiz.

Szenario 1 – Zeitnahes politisches Eingreifen

Wenn die Behörden die Bürokratie reduzieren und die Baugenehmigungen bis 2025 vereinfachen, könnten Unternehmen ihre Expansionsprojekte beschleunigen. Dies würde zu einem Beschäftigungswachstum von 2–3 % in den dynamischsten Branchen und zu einer Festigung des Unternehmensvertrauens führen.

Szenario 2 – Reformstau

Sollten die Forderungen nach Vereinfachung ungehört bleiben, wird die begrenzte Verfügbarkeit von Bauland die Expansion weiterhin behindern, mit einer möglichen Verringerung der Beschäftigung in den Branchen, die am stärksten von neuen Investitionen abhängig sind.

In beiden Szenarien bleibt der Mangel an qualifiziertem Personal der entscheidende Punkt, doch die Raumplanungs- und Ausbildungspolitik kann das Ausmaß der Auswirkungen auf den nationalen Arbeitsmarkt bestimmen.

Unternehmen, die die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt verfolgen möchten, können den Bereich Stellenangebote konsultieren, um die Verfügbarkeit von Kandidaten zu prüfen, und die Seite Unternehmen, die einstellen, um die Stellenangebote in der Region zu vergleichen.

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Wichtige Punkte

Was Unternehmen und Arbeitnehmer tun können

1. Interne Bedarfsanalyse – Unternehmen sollten eine detaillierte Überprüfung der für jede Abteilung erforderlichen Kompetenzen durchführen und die kritischsten Lücken identifizieren. Ein Bewertungsmodell kann auf unserer Website im Bereich Ressourcen für Unternehmen heruntergeladen werden. 2. Zusammenarbeit mit Bildungseinrichtungen – Vereinbarungen mit Berufsschulen und kantonalen Universitäten schließen, um gezielte Ausbildungsprogramme zu schaffen. Das ermöglicht, junge Lernende direkt im Unternehmen auszubilden und reduziert die Zeit für die Suche nach qualifiziertem Personal. 3. Nutzung von Steueranreizen – Mit dem eigenen Steuerberater prüfen, ob Förderungen für die Schaffung neuer Arbeitsplätze oder für interne Weiterbildung in Anspruch genommen werden können, im Einklang mit den kantonalen Politiken zur Unterstützung der Beschäftigung. 4. Vereinfachung der Einstellungsprozesse – Bewerbungs- und Onboarding-Verfahren digitalisieren, um bürokratische Zeiten zu verkürzen. Der Einsatz von Online-Plattformen kann das Matching von Angebot und Nachfrage beschleunigen. 5. Suche nach Bauland – Bei Expansionsbedarf die Gemeindeverwaltungen kontaktieren, um die territorialen Entwicklungspläne einzusehen. Die Teilnahme an runden Tischen vor Ort kann den Zugang zu verfügbaren Flächen erleichtern. 6. Kontinuierliche Beobachtung des Arbeitsmarktes – Sich für spezialisierte Newsletter anmelden und regelmäßig den Gehaltsrechner konsultieren, um die Wettbewerbsfähigkeit der angebotenen Löhne im Vergleich zum nationalen Durchschnitt zu prüfen.

Praktische Schritte für Arbeitnehmer

  • Den Lebenslauf mit den neuesten Zertifikaten und den vom Markt geforderten digitalen Kompetenzen aktualisieren.
  • Sich für Weiterbildungen anmelden, die von den Handelskammern oder Bundesinstitutionen angeboten werden, insbesondere in den Bereichen mit hoher Nachfrage (Technische Wartung, Ingenieurwesen, Tourismus).
  • Das Portal Stellenanzeigen nutzen, um passende Angebote zu finden und sich direkt zu bewerben.

Zukünftige Entwicklungen bis 2026

Unternehmen haben angegeben, dass zwei Drittel ein stabiles Wachstum bis Ende 2026 erwarten. Um diesen Kurs beizubehalten, ist es entscheidend, dass die Firmen die oben genannten Maßnahmen umsetzen und die kantonalen Behörden auf die Forderungen nach bürokratischer Vereinfachung und territorialer Planung reagieren.

Um die steuerlichen Auswirkungen zu vertiefen und die Personalkosten zu bewerten, nutzen Sie unseren Gehaltsrechner und bleiben Sie über gesetzliche Neuerungen im Unternehmensbereich informiert.

💡 Empfohlene Aktion: Vereinbaren Sie ein kostenloses Beratungsgespräch mit einem Experten aus unserem Netzwerk, um eine maßgeschneiderte Rekrutierungs‑ und Weiterbildungsstrategie für Ihr Unternehmen zu entwickeln.

Quelle: swissinfo.ch

Häufig gestellte Fragen
Wie hoch ist der Prozentsatz der Unternehmen, die den Fachkräftemangel als große Herausforderung betrachten?
44 % der im Jahr 2024 befragten Unternehmen geben an, dass die Schwierigkeit, qualifiziertes Personal zu finden, groß oder sehr groß ist.
Wie hoch ist die Bewertung der wirtschaftlichen Lage der Unternehmen in den Graubünden?
75 % der Unternehmen beurteilen ihre aktuelle Situation als gut oder sehr gut, basierend auf den Ergebnissen, die zwischen dem 24. April und dem 13. Mai 2024 erhoben wurden.
Was sind die wichtigsten politischen Forderungen der Unternehmen?
69 % der Unternehmen wünschen eine Reduzierung der Bürokratie, während 49 % eine Verbesserung der Raumplanung und des Genehmigungsverfahrens für Bauvorhaben fordern.

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