Abschied vom Senatùr: Bossi und der föderalistische Traum, der durch den Ticino zieht
Der Tod des Nord-Lega-Führers im Alter von 84 Jahren: vom Referendum 1993 bis zu den bilateralen Abkommen – wie sich die Lage für die 68.000 Grenzgänger veränderte
Contesto
Um 20:30 Uhr am Donnerstag verstarb in Varese Umberto Bossi, 84 Jahre alt, der Führer, der die Lombardei-Lega in eine nationale Bewegung verwandelte. Nach einem Intensivaufenthalt im Kreisstadion-Krankenhaus, der bereits kritische Zustände zeigte, hinterlässt er eine Erblast, die für die 68.000 Grenzgänger im Tessin eine Mischung aus Slogans und Vorschriften ist, die noch heute den Alltag prägen: vom Referendum 1993 über den sogenannten „Steuerstreik“ bis zu den Kämpfen für eine Finanzföderalismus, die 1999 zu den bilateralen Abkommen führten. Bossi besuchte den Kanton Tessin mindestens dreimal offiziell: am 18. April 1991 in Lugano für eine Kundgebung auf der Piazza Riforma, am 15. Oktober 1995 im Kongresspalast für den Parteitag und am 24. Mai 2001 in Bellinzona, um die Bürgermeister des Bellinzonese zum Thema „gerechte Besteuerung“ zu treffen. In diesen Jahren gab es am Grenzübergang Brogeda kilometerlange Warteschlangen: die lombardischen Grenzgänger kamen in der Spitze auf 12.000 Personen, später stieg die Zahl 1996 auf 25.000 und 2001 auf 42.000, als die Einführung der Touristensteuer von 2 Franken in Lugano die Lega-Räte aus Como und Varese auf den Plan rief. Bossi war nie Grenzgänger, kannte das Thema aber bestens: Sein Sohn Renzo arbeitete im Jahr 1998 sechs Monate lang als Projektleiter bei Fides in Lugano, sein Neffe Daniele besuchte ein Jahr lang die USI in der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften. 1997 schlug Bossi vor, ein „Steuerbezirk der Drei Venezien und des Tessins“ mit einem ermäßigten Satz von 19 % zu schaffen, um Kapital anzuziehen. Die Idee kam nicht richtig voran, aber sie veranlasste das Staatsrat, 1999 das Doppelbesteuerungsabkommen zu unterzeichnen, das bis heute den Grenzgängern erlaubt, die Schweizer Steuer von der italienischen IRPEF abzu...
Dettagli operativi
Aus technischer Sicht lässt sich Bossis Einfluss in drei zentrale Bereiche messen: Besteuerung, Sozialversicherung und Mobilität. Für die Besteuerung legt Artikel 15-bis des TUIR, eingeführt mit der Finanzgesetzgebung 2001 (Gesetz 30/2001), fest, dass „Einkünfte aus unselbstständiger Arbeit, die in der Schweiz von in Italien ansässigen Personen erbracht werden, nur in Italien besteuert werden, mit einem Steueranrechnungsmechanismus für die in der Schweiz gezahlte Steuer.“ Dieses von Bossi gewollte System zur Vermeidung der Doppelbesteuerung erlaubt es, die Schweizer Quellensteuer (durchschnittlich 4,5 %) sowie die kantonale Steuer (durchschnittlich 8,2 %) von der italienischen IRPEF abzuziehen. Das durchschnittliche Einsparpotenzial für einen Grenzgänger mit einem Bruttojahreseinkommen von 65.000 CHF liegt bei 2.340 Euro jährlich. Für die Sozialversicherung legt das Protokoll von 1999 fest, dass Grenzgänger nur die Schweizer AHV (10,6 %) zahlen und nicht die italienische INPS (9,19 %): der Nettovorteil beträgt 6.135 Euro pro Jahr bei einem Gehalt von 65.000 CHF. Das Geheimnis: Es ist notwendig, vom AHV-Büro in Bellinzona (via Giacomo Pioda 7) eine Exemptionsbescheinigung zu erhalten, die beim italienischen Arbeitgeber bis zum 31. März jedes Jahres vorgelegt werden muss. Für die Mobilität hat das „Bossi-Berlusconi-Dekret“ von 2009 (D.L. 92/2009, umgewandelt in Gesetz 126/2009) die elektronische Aufenthaltserlaubnis mit Mikrochip geschaffen, die heute den Grenzübertritt am Ponte Tresa in 45 Sekunden ermöglicht, gegenüber 3 Minuten im Jahr 2008. 📊 Aktuelle Zahlen: Im Jahr 2023 haben die Grenzgänger 14,2 Millionen Grenzübergänge gemacht, 1,8 Millionen mehr als 2019. Der Rekord wurde am 25. Juli 2023 mit 42.300 Passagen am Zollübergang Chiasso erreicht. Die durchschnittlich...
Punti chiave
Für Grenzgänger unter 35 Jahren eröffnet Bossis Nachlass neue Perspektiven: Die Partei von Matteo Salvini setzt auf einen „bevorzugten Steuerpakt“ mit dem Tessin, um junge Menschen zu halten. Das Projekt sieht eine zusätzliche Abzugsfähigkeit von 1.500 Euro für Personen unter 30 Jahren vor, die in der Schweiz arbeiten: Das entspricht einer monatlichen Ersparnis von 125 Euro. Eine häufig gestellte Frage lautet: „Wenn ich meinen Wohnsitz von Como nach Varese verlege, verliere ich die Vorteile?“ Nein, solange man die Adresse innerhalb von 30 Tagen auf der Plattform www.frontaliere.ch aktualisiert und die „Mitteilung über Änderungen“ per PEC an die Agenzia delle Entrate von Varese schickt. Ein weiterer kritischer Punkt ist der Elternurlaub. Ab 2024 können Grenzgänger den obligatorischen bezahlten Elternurlaub (80 % des Gehalts) für 14 Wochen in Anspruch nehmen, auch wenn das Kind in der Schweiz geboren wird: Dafür wird die „internationale Geburtsurkunde“ benötigt, die innerhalb von 5 Tagen nach der Geburt vom Standesamt Lugano ausgestellt wird. Die Gebühr beträgt 35 CHF, das Formular kann online beim OSPEDALE EOC Lugano ausgefüllt werden. Für diejenigen, die wirklich in den Kanton Tessin umziehen wollen, ist der Ablauf: 1) eine Wohnung finden (durchschnittliche Miete für 3,5-Zimmer-Wohnungen: 1.680 CHF in Lugano, 1.290 CHF in Bellinzona, 1.050 CHF in Locarno); 2) die Aufenthaltserlaubnis beim Migrationsamt in der Via Ciani 7 beantragen; 3) den Wohnsitz bis zum 31. Dezember ummelden, um die italienische IRPEF des Folgejahres nicht zu zahlen. Das Geheimnis: Wenn man den Antrag online über eGov Ticino am 30. Dezember stellt, gilt das Datum der Einreichung als „Bestätigung“ und man zahlt keine Touristensteuer von 80 CHF. Quelle: RSI 20. März 2025. Für eine Nettoberechnung als G...