Glarus verbietet sonntags Autos: Wird das Tessin es versuchen?
Der Kanton Glarus führt sonntags wieder autofreie Tage ein, um den touristischen Andrang einzudämmen. Im Tessin wird diskutiert, ob ähnliche Massnahmen ergriffen werden sollen: Val Verzasca, Bellinzona und Lugano prüfen Vor- und Nachteile.
Contesto
In Glarus dürfen an drei Sonntagen im Jahr keine Autos zum Klöntalersee fahren. Ziel dieser auf Kantonsebene eingeführten Massnahme ist es, den übermäßigen Touristenandrang in einer bereits stark belasteten Region zu reduzieren. Die Regelung hat auch im Tessin eine Debatte ausgelöst: Eine ähnliche Initiative könnte auch in unserem Kanton eingeführt werden, wo der Tourismus eine strategische Säule der lokalen Wirtschaft darstellt. ### Ein Modell, das polarisiert: Weniger Verkehr zum Schutz der Landschaft Das Valle Verzasca, eines der Juwelen des Tessins, wird oft als möglicher Kandidat genannt, um autofreie Sonntage zu testen. Alessandro Speziali, Verantwortlicher für Entwicklungsprojekte im Valle Verzasca, weist jedoch auf praktische Schwierigkeiten hin: «Das würde bedeuten, dass wir zumindest den ersten Abschnitt der Verzasca mit einer Schlange von Bussen fluten müssten, um Touristen dorthin zu bringen – zumindest bis nach Vogorno. Anschliessend stellt sich die Frage, wie man die Besucher dazu motivieren könnte, die abgelegeneren Teile der Täler zu erkunden.» Das Tal ist zudem von vielen Anwohnern bewohnt, was die Einführung von Verkehrsbeschränkungen zusätzlich erschwert. ### Bellinzona und die Täler: Der Tourismus ist noch nicht am Limit Juri Clericetti, Direktor von Bellinzona und Valli Turismo, ist der Meinung, dass die Region nicht unter einem übermässigen Touristenandrang leidet. Dennoch begrüsst er Initiativen, die eine nachhaltigere Nutzung des Gebiets fördern. «Es wäre wünschenswert, an einem Sonntag in einer bestimmten Region den motorisierten Verkehr zu sperren. So könnte man unser touristisches Angebot und die damit verbundenen Möglichkeiten entspannt und in Ruhe geniessen. Interessant wäre es, wenn der öffentliche Verkehr solche Initiativen unterstütze...
Dettagli operativi
Die Idee von autofreien Sonntagen im Tessin ist kein Zufall. Sie fügt sich in einen Kontext ein, in dem Nachhaltigkeit und die Steuerung von Touristenströmen zunehmend an Bedeutung gewinnen – Themen, die auch für die lokale Bevölkerung immer wichtiger werden. Doch die territorialen Unterschiede zwischen den Tessiner Tälern und dem Kanton Glarus sind beträchtlich: Während im Glarus das Problem in der Überlastung eines bestimmten Gebiets wie dem Klöntalersee besteht, geht es im Tessin darum, die Touristen gleichmäßiger über das Gebiet zu verteilen. ## Vorher vs. nachher: Was würde sich für Grenzgänger und Einheimische ändern? Aktuell gibt es im Tessin keine kantonale Regelung, die autofreie Sonntage vorsieht. Die einzigen Ausnahmen sind lokale Veranstaltungen wie der SlowUp, bei dem an bestimmten Sonntagen Straßen gesperrt werden, oder Initiativen einzelner Gemeinden. Laut Speziali würde eine solche Initiative es ermöglichen, das Gebiet zu wertschätzen und «es auf langsame Weise wiederzuentdecken». Die Machbarkeit hängt jedoch davon ab, ob es gelingt, die Touristenströme zu steuern, ohne die Talbewohner zu benachteiligen, die bereits heute unter den täglichen Verkehrsproblemen leiden. 📊 Herausforderung Touristenlenkung > «Ein autofreier Sonntag könnte dazu beitragen, die Attraktivität des Tessins zu steigern, indem er eine andere Form der Mobilität fördert.» ### Praktische Szenarien: Wie könnte es im Tessin funktionieren? Falls sich das Tessin für ein Experiment mit autofreien Sonntagen entscheiden würde, wären zunächst wahrscheinlich die touristischen, aber weniger dicht besiedelten Gebiete wie der Vogornosee oder Teile der Riviera die ersten Kandidaten. Clericetti schlägt vor, den öffentlichen Verkehr parallel zu solchen Sperrungen zu stärken: «Zum Beispiel durch...
Punti chiave
Wenn der Kanton Tessin beschließen würde, autofreie Sonntage einzuführen, welche konkreten Schritte wären für die Umsetzung nötig? Hier ist ein schrittweiser Ablaufplan, basierend auf bereits laufenden Erfahrungen und Vorschlägen aus der öffentlichen Debatte. ### Schritt 1: Geeignete Gebiete identifizieren Nicht alle Täler im Tessin wären für eine solche Experimentierphase geeignet. Besonders Zonen mit geringer Bevölkerungsdichte, aber hohem Touristenaufkommen – wie das obere Verzasca-Tal oder Teile der Riviera – könnten erste Kandidaten sein. Juri Clericetti erklärt: «Es wäre interessant, mit einer spezifischen Region zu beginnen, möglicherweise in Zusammenarbeit mit den lokalen Gemeinden, um die Auswirkungen auf Anwohner und Touristen zu evaluieren.» ### Schritt 2: Öffentlichen Verkehr einbinden Ein zentraler Erfolgsfaktor für solche Initiativen ist die Integration des öffentlichen Verkehrs. In Bellinzona und den Tälern wird vorgeschlagen, «Rabatte auf Tickets anzubieten oder zusätzliche Fahrten an den betroffenen Tagen einzurichten». Im Tessin könnten Verkehrsunternehmen wie ARST und FART einbezogen werden, um effiziente Verbindungen zu den verkehrsberuhigten Zonen zu gewährleisten. ### Schritt 3: Touristen und Anwohner informieren Die Kommunikation muss frühzeitig und flächendeckend erfolgen. Touristen, die über die Grenzübergänge Brogeda oder Gaggiolo aus Italien anreisen, sollten rechtzeitig über Schilder, offizielle Websites und spezielle Apps informiert werden. Auch die Anwohner der betroffenen Täler müssen eingebunden werden: «Es ist wichtig, klar zu kommunizieren, welche Straßen gesperrt sind und welche Alternativen zur Verfügung stehen», betont Alessandro Speziali. ### Schritt 4: Drei Sonntage pro Jahr testen Roberto Badaracco aus Lugano schlägt vor,...
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[{"q":"Könnte der Kanton Tessin tatsächlich autofreie Sonntage wie in Glarus einführen?","a":"Aktuell wurde noch kein formelles Verfahren eingeleitet. Allerdings ist die Debatte in vollem Gange, und Täler wie die Verzasca oder die Riviera wurden bereits als mögliche Kandidaten genannt. Die Entscheidung hinge von der Abstimmung zwischen dem Departement für Territorium und Umwelt, den Gemeinden und den öffentlichen Verkehrsbetrieben ab."},{"q":"Welche Zonen im Tessin wären für einen Test am besten geeignet?","a":"Weniger dicht besiedelte, aber stark touristisch frequentierte Gebiete wie der obere Teil des Verzasca-Tals oder Teile der Riviera gelten als mögliche Kandidaten. Die Machbarkeit hinge jedoch davon ab, ob es gelingt, die Besucherstromungen zu lenken, ohne die Anwohner zu beeinträchtigen."},{"q":"Wie würden Touristen behandelt, die mit dem Auto aus Italien anreisen?","a":"Touristen müssten frühzeitig über Schilder, offizielle Websites und spezielle Apps informiert werden. Zudem wäre eine enge Verzahnung mit den öffentlichen Verkehrsmitteln (wie ARST und FART) entscheidend, um attraktive Alternativen anzubieten."},{"q":"Wie viele Sonntage pro Jahr würden im Falle eines Tests für den Autoverkehr gesperrt?","a":"Roberto Badaracco aus Lugano schlug vor, maximal drei Sonntage pro Jahr zu sperren, um die Auswirkungen zu bewerten, ohne dabei übermäßige Unannehmlichkeiten zu verursachen. Dieser Ansatz würde ermöglichen, konkrete Daten über die touristischen und ökologischen Auswirkungen zu sammeln."},{"q":"Wer würde die organisatorischen Kosten dieser autofreien Sonntage tragen?","a":"Bisher wurde dies noch nicht konkretisiert. Die Erfahrungen aus Glarus zeigen jedoch, dass die Kosten durch die wirtschaftlichen Vorteile einer gleichmäßigeren Verteilung der Touristen im Ge...
Häufig gestellte Fragen
- Könnte der Kanton Tessin tatsächlich autofreie Sonntage wie in Glarus einführen?
- Aktuell wurde noch kein formelles Verfahren eingeleitet. Allerdings ist die Debatte in vollem Gange, und Täler wie die Verzasca oder die Riviera wurden bereits als mögliche Kandidaten genannt. Die Entscheidung hinge von der Abstimmung zwischen dem Departement für Territorium und Umwelt, den Gemeinden und den öffentlichen Verkehrsbetrieben ab.
- Welche Zonen im Tessin wären für einen Test am besten geeignet?
- Weniger dicht besiedelte, aber stark touristisch frequentierte Gebiete wie der obere Teil des Verzasca-Tals oder Teile der Riviera gelten als mögliche Kandidaten. Die Machbarkeit hinge jedoch davon ab, ob es gelingt, die Besucherstromungen zu lenken, ohne die Anwohner zu beeinträchtigen.
- Wie würden Touristen behandelt, die mit dem Auto aus Italien anreisen?
- Touristen müssten frühzeitig über Schilder, offizielle Websites und spezielle Apps informiert werden. Zudem wäre eine enge Verzahnung mit den öffentlichen Verkehrsmitteln (wie ARST und FART) entscheidend, um attraktive Alternativen anzubieten.
- Wie viele Sonntage pro Jahr würden im Falle eines Tests für den Autoverkehr gesperrt?
- Roberto Badaracco aus Lugano schlug vor, maximal drei Sonntage pro Jahr zu sperren, um die Auswirkungen zu bewerten, ohne dabei übermäßige Unannehmlichkeiten zu verursachen. Dieser Ansatz würde ermöglichen, konkrete Daten über die touristischen und ökologischen Auswirkungen zu sammeln.
- Wer würde die organisatorischen Kosten dieser autofreien Sonntage tragen?
- Bisher wurde dies noch nicht konkretisiert. Die Erfahrungen aus Glarus zeigen jedoch, dass die Kosten durch die wirtschaftlichen Vorteile einer gleichmäßigeren Verteilung der Touristen im Gebiet ausgeglichen werden könnten.