Gesundheitsabgabe für Grenzgänger: Tessin hält sie für unzulässig

Castelgrande in Bellinzona, Sitz des Tessiner Staatsrates

Der Tessiner Staatsrat kritisiert die Gesundheitsabgabe für Alt-Grenzgänger und stuft diese als widersprüchlich zu den Doppelbesteuerungsabkommen ein.

Kontext

Kurz gefasst

  • Die Gesundheitsabgabe wird vom Staatsrat des Kantons Tessin als unzulässig eingestuft.
  • Der Einwand betrifft die "alten" Grenzgänger, die dem neuen Steuerabkommen unterliegen.
  • Das Gutachten von Prof. Hinny bestätigt die Verletzung internationaler Abkommen.
  • Die Tessiner Regierung wird beim Schweizer Bundesrat intervenieren.

Wichtige Fakten

  • Was: Beitrag zur Mitfinanzierung des nationalen Gesundheitssystems.
  • Wann: Anwendung ab Januar 2024 (Abkommen seit Juli 2023 in Kraft).
  • Wo: Italienische Grenzregionen mit Auswirkungen auf Grenzgänger im Tessin.
  • Wer: Staatsrat des Kantons Tessin und Prof. Pascal Hinny.
  • Status: Verletzung der Steuerabkommen und Doppelbesteuerungsabkommen.

Der Staatsrat des Kantons Tessin hat eine klare Haltung zur umstrittenen "Gesundheitsabgabe" eingenommen, die von Italien eingeführt wurde. Die Tessiner Exekutive hat nach einer Analyse des rechtlichen Rahmens diesen Beitrag als unzulässig erklärt. Die Angelegenheit betrifft insbesondere die "alten" Grenzgänger, also jene, die ihre Arbeitstätigkeit vor Inkrafttreten des neuen Steuerabkommens zwischen Bern und Rom aufgenommen haben, das Mitte Juli 2023 in Kraft trat und ab Januar 2024 praktisch angewendet wird.

Das Rechtsgutachten von Professor Pascal Hinny

Um ihre Position zu untermauern, hat die Regierung von Bellinzona ein juristisches Gutachten bei Professor Pascal Hinny, Inhaber des Lehrstuhls für Steuerrecht an der Universität Freiburg, in Auftrag gegeben. Die Einschätzung ist eindeutig: Der "Beitrag zur Mitfinanzierung des nationalen Gesundheitssystems" ist rechtlich als Steuer und nicht als einfache Abgabe einzustufen. Folglich verstößt seine Anwendung gegen die in den Steuerabkommen und den Doppelbesteuerungsabkommen zwischen der Schweiz und Italien festgelegten Prinzipien. Das Gutachten hebt hervor, dass diese Forderung "im Widerspruch" zu den von den diplomatischen Behörden unterzeichneten und ratifizierten Vereinbarungen steht und sich klar gegen das Prinzip "Pacta sunt servanda" stellt. Der Kanton Tessin hat mit Diskretion, aber Entschlossenheit die Texte Zeile für Zeile geprüft, um die rechtlichen Unstimmigkeiten dieser Abgabe aufzuzeigen, die die italienischen Arbeitskräfte auf dem einheimischen Arbeitsmarkt, insbesondere die älteren Altersgruppen, erheblich belasten würde.

Operative Details

Die Analyse durch die ticinese Behörden zeigt eine fundamentale Kritik: Der Abkommen zur Imposition von Grenzgängern legt fest, dass nur die Schweiz das Recht hat, Steuern von den sogenannten 'alten' Grenzgängern zu erheben. Die Expertise des Professors Hinny zerlegt die juristische Grundlage, auf der die Italiener diese Anfrage stellen möchten. Ohne die 'Steinwelle' des Steuerrechts, kippt das gesamte normatives Gebäude der Gesundheitssteuer, was jede Vorlage unhaltbar macht und nicht im inneren Schweizer Recht und den internationalen Vereinbarungen anerkannt wird.

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Wichtige Punkte

Die Tessiner Regierung hat angekündigt, dass sie auf der Grundlage des erhaltenen Gutachtens den Bundesrat in Bern formell konsultieren wird. Ziel ist es, in den kommenden Wochen die volle Unterstützung der eidgenössischen politischen Behörden zu erhalten, damit die Argumente der Schweiz und des Kantons Tessin an den entsprechenden Stellen mit Nachdruck vertreten werden. In der Folge wird über die Auszahlung der Steueranteile an Italien entschieden, ein Schritt, der eng mit der Beilegung dieses Steuerstreits verknüpft sein wird. Die Strategie des Staatsrates besteht darin, auf mehreren Ebenen zu agieren: zunächst durch eine rechtliche Analyse, dann auf der diplomatischen Ebene des Bundes, um die Anwendung einer als rechtswidrig erachteten Steuer bereits im Keim zu ersticken.

Vorgehensweise und nächste Schritte

Was müssen Grenzgänger tun, die sich durch diese Forderung bedroht fühlen? Zunächst ist es ratsam, die offiziellen Mitteilungen des Departements für Finanzen und Wirtschaft des Kantons Tessin zu verfolgen, das in dieser Angelegenheit der primäre Ansprechpartner bleibt. Es ist nicht notwendig, überstürzte Einzelaktionen zu unternehmen, da die Angelegenheit auf institutioneller Ebene zwischen Bellinzona und Bern geregelt wird. Der Schutz der Arbeitnehmer wird durch das gemeinsame Vorgehen der Schweizer Behörden gewährleistet, die die Rechtswidrigkeit der Steuer gemäß dem Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung anfechten. Für diejenigen, die ihre steuerliche Gesamtsituation überprüfen oder die Auswirkungen der laufenden Abzüge simulieren müssen, stehen auf dem Portal entsprechende Berechnungsinstrumente zur Verfügung. Die korrekte Entrichtung der Quellensteuer ist die einzige steuerliche Verpflichtung, die derzeit in der Schweiz für alte Grenzgänger zu erfüllen ist. Etwaige zusätzliche Forderungen italienischer Stellen, die keine rechtliche Grundlage in den Verträgen finden, sollten den zuständigen Behörden über die offiziellen Kanäle gemeldet werden. Um Ihre Einkommenssituation zu vertiefen und sicherzustellen, dass Sie die geltenden Vorschriften einhalten, laden wir Sie ein, den Steuerrechner für eine präzise Simulation Ihrer Lohnabrechnung zu nutzen.

Art. 1 Abs. 237–238 des italienischen Gesetzes Nr. 213/2023 gilt nicht unterschiedslos für alle Grenzgänger. Erfasst sind: (a) in Italien ansässige Personen, die in der Schweiz arbeiten und wohnen und den italienischen SSN nutzen; (b) Grenzgänger nach Art. 9 Abs. 1 des Abkommens Italien–Schweiz, deren Einkommen nur in der Schweiz steuerbar ist und die ihr gesetzliches Wahlrecht für die Krankenversicherung ausgeübt haben; und (c) die unterhaltsberechtigten Angehörigen dieser beiden Kategorien. Absatz 238 sieht einen progressiven Anteil von 3–6 % des Schweizer Nettolohns vor, mit mindestens 30 Euro und regulär höchstens 200 Euro pro Arbeitsmonat ab 2024. In den Fällen einer unterlassenen Zahlung oder Mitteilung nach Art. 1 Abs. 100 des Gesetzes Nr. 207/2024 kann der Höchstbetrag verdoppelt werden. Die Wohnsitzregion legt Sätze und Verfahren jährlich fest.

Offizielle Quellen: Steuerabkommen zwischen der Schweiz und Italien (Fedlex)

Häufig gestellte Fragen
Wer sind die alten Grenzgänger, die von der Gesundheitsabgabe betroffen sind?
Als 'alte' Grenzgänger gelten Personen, deren Arbeitsverhältnis vor dem Inkrafttreten des neuen Steuerabkommens zwischen der Schweiz und Italien begann, welches Mitte Juli 2023 unterzeichnet wurde und seit dem 1. Januar 2024 praktisch angewendet wird.
Warum bezeichnet das Tessin die Gesundheitsabgabe als unzulässig?
Gemäß dem Rechtsgutachten von Professor Pascal Hinny ist dieser Beitrag als Steuer einzustufen. Da die Steuerabkommen das Recht zur Besteuerung des Arbeitseinkommens alter Grenzgänger ausschließlich der Schweiz zuweisen, würde die italienische Besteuerung gegen das Doppelbesteuerungsabkommen verstoßen.
Was sind die nächsten Schritte des Tessiner Staatsrates?
Die Tessiner Regierung wird den Bundesrat in Bern dazu auffordern, die Argumente des Kantons und der Schweiz gegen diese Abgabe zu unterstützen. In der Folge wird die Entscheidung über die Rückerstattungen an Italien in Abhängigkeit von der Entwicklung dieser diplomatischen und rechtlichen Auseinandersetzung bewertet.

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