Pflegefachpersonen mit erweiterten Kompetenzen: Die neue Rolle im Tessiner Gesundheitswesen

Die vierte Ausgabe des Tages der Innovation und Pflegeforschung in Lugano richtete den Fokus auf die APN – eine Schlüsselfigur für die Modernisierung der Patientenversorgung vor Ort. Bereits 60 Fachkräfte wurden vor Ort dafür ausgebildet.
Kontext
Auf einen Blick
- APN-Rolle wird im Tessin immer strategischer für Gesundheitsversorgung.
- APN können Medikamente verschreiben und entlasten Hausärzte.
- Ausbildung im Tessin seit 2018, 60 Fachkräfte bereits ausgebildet.
- APN verbessern grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung für Grenzgänger.
Wichtige Fakten
- Veranstaltung: Tages der Innovation und Pflegeforschung, organisiert von EOC und SUPSI.
- Datum: 20. Mai 2024.
- Ort: Universitätscampus Lugano.
- Teilnehmer: Über 150 Fachleute aus dem Gesundheitswesen.
- APN-Ausbildung: Master of Science in Pflegewissenschaften an der SUPSI.
- Start APN-Ausbildung: 2018 im Tessin.
- APN-Kompetenzen: Medikamentenverschreibung, Teamführung, Weiterbildung, Forschung.
- Kosten Ausbildung: 4.500 Franken pro Jahr, Stipendien und Vergünstigungen verfügbar.
Am Montag, 20. Mai 2024, beherbergte der Universitätscampus Lugano die vierte Ausgabe des Tages der Innovation und Pflegeforschung, organisiert gemeinsam von EOC und SUPSI. Die Veranstaltung, an der über 150 Fachleute aus dem Gesundheitswesen teilnahmen, stand im Zeichen der Advanced Practice Nurse (APN) – einer Rolle, die für die Bewältigung der gesundheitlichen Herausforderungen des Kantons immer strategischer wird.
Laut Loris Bonetti, Verantwortlicher für Pflegeforschung beim EOC, lag das Ziel des Tages darin, «die Zusammenarbeit zwischen klinischer Praxis und Forschung sichtbar zu machen». «Es ist entscheidend, dass Probleme oder Bedürfnisse, die in der klinischen Praxis entstehen, zu Forschungsprojekten werden und dann wieder in die Praxis zurückfließen», erklärte er während seines Vortrags. Diese Synergie ermöglicht die Entwicklung konkreter Lösungen zur Verbesserung der Patientenversorgung – insbesondere vor dem Hintergrund einer alternden Bevölkerung und einer steigenden Zahl chronischer Erkrankungen.
📊 Das Profil der APN: Kompetenzen und Verantwortlichkeiten
Monica Bianchi, Verantwortliche für den Master of Science in Pflegewissenschaften an der SUPSI, erläuterte die Merkmale der APN: «Diese Fachkraft arbeitet direkt am Patientenbett, verfügt jedoch über eine vertiefte Ausbildung, die sie zur zentralen Ansprechperson für das Pflegeteam macht. Die APN trifft nicht nur ethische Entscheidungen für das Team, sondern bildet Kolleginnen und Kollegen weiter und recherchiert die besten wissenschaftlichen Erkenntnisse, um die Pflege zu optimieren.» Ihr Einsatz entspricht einer wachsenden Nachfrage nach spezialisierten Kompetenzen – besonders in einem Gebiet wie dem Tessin, wo die gesundheitliche Nachfrage das Angebot an qualifiziertem Personal oft übersteigt.
Manuela Eicher, Direktorin des Instituts für Bildung und Forschung im Gesundheitswesen Lausanne, betonte: «In der Schweiz gibt es über 100.000 Pflegefachpersonen, doch die alternde Bevölkerung und chronische Krankheiten erfordern eine ständige Innovation im Sektor.» Der Kanton Waadt, Vorreiter in diesem Bereich, führte bereits 2018 ein Gesetz ein, das APN die Verschreibung von Medikamenten und direkte Eingriffe ermöglicht – eine Regelung, die später auf die gesamte Eidgenossenschaft ausgeweitet wurde. «Forschung ist entscheidend, um die Weiterentwicklung der Pflegepraxis voranzutreiben und immer wirksamere Behandlungen zu gewährleisten», unterstrich Eicher.
⚠️ Die Ausbildung im Tessin: ein 2018 gestarteter Weg
Im Tessin startete die Ausbildung der APN 2018 mit dem Master of Science in Pflegewissenschaften an der SUPSI. «Wir haben vier Jahre Verspätung gegenüber der Zentralschweiz, konnten aber aus den Fehlern anderer lernen», erklärte Bianchi. Der alle zwei Jahre stattfindende Master hat bereits 60 Fachkräfte ausgebildet, die nun in verschiedenen Gesundheitseinrichtungen des Kantons tätig sind. «Diese Pflegefachpersonen mit ihren vielfältigen Rollen sind sowohl für die Teams als auch für die Patienten zu einem Mehrwert geworden», so Bianchi abschließend. Die Ausbildung im Tessin zeichnet sich durch einen praxisnahen und forschungsorientierten Ansatz aus, der den lokalen Bedürfnissen entspricht.
Operative Details
Die Einführung der Advanced Practice Nurses (APN) in das Tessiner Gesundheitswesen stellt für Grenzgänger und Patienten, die im Tessin wohnen, aber in der Lombardei arbeiten (oder umgekehrt), einen konkreten Wendepunkt dar. Diese neue Rolle kann die Zersplitterung der Versorgung zwischen den beiden Gesundheitssystemen verringern und eine effektivere Kontinuität der Betreuung gewährleisten. Doch welche praktischen Auswirkungen hat dies für diejenigen, die in dieser grenzüberschreitenden Realität leben?
Auswirkungen auf Grenzgänger: weniger Wartezeiten, gezieltere Behandlungen
Grenzgänger, die sich an das Tessiner Gesundheitssystem wenden, könnten von einer schnelleren und individuelleren Versorgung profitieren. «APN können direkt in die Behandlung chronischer Erkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck eingreifen und so die Notwendigkeit von Facharztbesuchen reduzieren», erklärt ein Pflegefachmann mit einem Masterabschluss der SUPSI. Das bedeutet weniger Tage, die wegen Arztterminen verloren gehen – ein nicht zu unterschätzender Vorteil für Menschen, die täglich die Grenze überqueren.
Darüber hinaus kann die APN als Brücke zwischen den italienischen und Schweizer Gesundheitssystemen fungieren. «Viele Grenzgänger haben Schwierigkeiten, sich in den beiden Systemen zurechtzufinden, insbesondere wegen bürokratischer oder sprachlicher Hürden», ergänzt ein Branchenexperte. Dank ihrer erweiterten Ausbildung können APN die unterschiedlichen Verfahren besser erklären und eine homogenere Betreuung sicherstellen.
📊 Wichtig: Die APN können in der Schweiz bestimmte Medikamente verschreiben – eine Möglichkeit, die den Druck auf Hausärzte verringert und Behandlungswege beschleunigt.
Vergleich mit der Vergangenheit: vor und nach der APN
Vor der Einführung der APN mussten Tessiner Patienten und Grenzgänger oft lange auf Facharzttermine oder Therapieanpassungen warten. Heute können sie sich direkt an eine Pflegefachkraft mit erweiterten Kompetenzen wenden, um kleinere Anpassungen vorzunehmen – ohne auf einen Arzttermin warten zu müssen.
Ein konkretes Beispiel ist die Medikamentenverwaltung. Im Tessin dürfen APN bestimmte Arzneimittel verschreiben, was die Ressourcen im Gesundheitssystem entlastet und die Behandlungswege effizienter gestaltet. «Diese Rolle ermöglicht es, die knappen personellen Ressourcen optimal einzusetzen, insbesondere in einem Umfeld mit Fachkräftemangel», betont ein Vertreter der EOC.
Zukunftsszenarien: Was ändert sich für Patienten?
In den kommenden Jahren könnte die APN zu einer immer präsenteren Figur in Tessiner Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen werden. «Wir arbeiten daran, das Ausbildungsangebot zu erweitern und neue Spezialisierungen einzuführen, etwa in der Schmerztherapie oder der Betreuung von Krebspatienten», erklärt Bianchi. Diese Entwicklung könnte auch für Grenzgänger spürbar sein, die so Zugang zu hochwertigen Gesundheitsdienstleistungen erhalten, ohne die Grenze überqueren zu müssen.
Ein weiterer Aspekt, der beobachtet werden muss, ist die Zusammenarbeit zwischen Tessiner APN und ihren Kollegen in der Lombardei. «Wir prüfen Pilotprojekte, um Best Practices auszutauschen und gemischte Teams zu bilden», erklärt ein SUPSI-Mitarbeiter. Diese Synergie könnte zu höheren Versorgungsstandards auf beiden Seiten der Grenze führen.
«Die APN können als Bindeglied zwischen den Systemen fungieren und so die grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung revolutionieren.»
💡 Ausblick: Langfristig könnte die APN dazu beitragen, die Fragmentierung zwischen Schweizer und italienischer Gesundheitsversorgung zu überwinden – zum Nutzen aller Patienten, die in dieser Region leben und arbeiten.
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Wichtige Punkte
Für Grenzgänger und Gesundheitsfachpersonen, die sich zur diplomierten Pflegefachperson APN weiterbilden möchten, hat die SUPSI ein strukturiertes Ausbildungsprogramm ins Leben gerufen, das alle zwei Jahre angeboten wird. Hier sind die konkreten Schritte, um den Master of Science in Pflegewissenschaften zu absolvieren und die notwendigen Kompetenzen zu erwerben.
Zulassungsvoraussetzungen für den Master
Das seit 2018 angebotene Ausbildungsprogramm steht Pflegefachpersonen mit einem Bachelorabschluss oder einem gleichwertigen, in der Schweiz anerkannten Titel offen. «Ein spezifischer Studienabschluss ist nicht erforderlich, jedoch wird eine mindestens zweijährige Berufserfahrung vorausgesetzt», erklärt Monica Bianchi. Die Bewerbung muss fristgerecht – in der Regel bis Januar – über die offizielle SUPSI-Website eingereicht werden, um im September desselben Jahres mit dem Studium beginnen zu können.
Studienaufbau: Was wird gelehrt?
Der Master erstreckt sich über zwei Jahre und umfasst Präsenzveranstaltungen sowie praktische Einsätze in Einrichtungen des EOC. «Das Programm umfasst Module zu Führungskompetenzen in der Pflege, angewandter Forschung, Management chronischer Therapien und der Betreuung komplexer Patientensituationen», so Bianchi. Die Studierenden entwickeln zudem ein Forschungsprojekt, das anlässlich des Innovationstags präsentiert wird.
Kosten und Finanzierungsmöglichkeiten
Die Studiengebühren belaufen sich auf rund 4.500 Franken pro Jahr. Es gibt jedoch Stipendien und Vergünstigungen, insbesondere für EOC-Mitarbeitende. «Wir arbeiten mit der Direktion Gesundheit zusammen, um unseren Mitarbeitenden Rabatte anzubieten», erklärt ein Vertreter des EOC. Zudem bieten einige Gesundheitseinrichtungen in der Region Ausbildungsverträge an, die einen Teil der Kosten decken.
Anmeldung und Fristen
Die Anmeldungen für die nächste Masterausgabe öffnen im Januar 2025, der Studienbeginn ist im September 2025. «Wir empfehlen, die Unterlagen frühzeitig vorzubereiten – besonders für Interessierte, die eine Anerkennung ihres ausländischen Abschlusses benötigen», rät Bianchi. Auf der SUPSI-Website (SUPSI Master Pflegewissenschaften) finden sich alle Details, inklusive Anmeldeformulare und Auswahlkriterien.
Berufliche Perspektiven nach dem Abschluss
Die bereits 60 in der Schweiz ausgebildeten APN besetzen vielfältige Positionen: von der Leitung von Krankenhausabteilungen über Beratungstätigkeiten in der häuslichen Pflege bis hin zur Ausbildung von Kollegen. «Die Möglichkeiten sind zahlreich, sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor», betont Bianchi. Für Grenzgänger eröffnet diese Spezialisierung die Chance, ohne Systemwechsel im Gesundheitswesen Karriere zu machen.
Praktische Tipps für Grenzgänger
Wenn du als Grenzgänger:in die APN-Ausbildung in Betracht ziehst, solltest du die Vorteile in Bezug auf Berufschancen und Arbeitsflexibilität sorgfältig abwägen. «Eine APN kann sowohl im Tessin als auch in der Lombardei arbeiten, sofern der Titel von der zuständigen Gesundheitsbehörde anerkannt wird», erklärt ein Experte. Allerdings ist es wichtig, die spezifischen Regelungen der jeweiligen Region zu prüfen.
Für bereits im Berufsleben stehende Interessierte organisiert die SUPSI Workshops und Informationsveranstaltungen, um die Chancen des Masters aufzuzeigen. «Diese Events stehen allen offen und bieten die Möglichkeit, sich mit Dozierenden und Absolventen auszutauschen», schließt Bianchi.
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📊 Wichtiger Hinweis für Grenzgänger:
Ein APN-Titel ermöglicht die Berufsausübung in der Schweiz und Italien, sofern die Anerkennung durch die lokale Gesundheitsbehörde vorliegt. Prüfe vorab die genauen Anforderungen deiner Zielregion, um böse Überraschungen zu vermeiden!
💡 Tipp:
Nutze die SUPSI-Informationsveranstaltungen, um dich persönlich beraten zu lassen und offene Fragen zu klären.
⚠️ Fristen im Blick behalten:
Die Bewerbungsfrist für den Master 2025 endet voraussichtlich im Januar 2025 – plane genug Zeit für die Vorbereitung deiner Unterlagen ein.
Quelle: ticinonews.ch
Häufig gestellte Fragen
- Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um den Master of Advanced Studies (MAS) der SUPSI zu absolvieren?
- Es wird ein Bachelorabschluss oder ein gleichwertiger, in der Schweiz anerkannter Abschluss in Pflege benötigt. Zudem sind mindestens zwei Jahre Berufserfahrung erforderlich. Die Bewerbung muss bis Januar eingereicht werden, damit das Studium im September beginnen kann.
- Dürfen Pflegefachpersonen mit erweiterter Kompetenz (APN) in der Schweiz Medikamente verschreiben?
- Ja, dieser Tätigkeitsbereich wurde auf nationaler Ebene geregelt, nachdem das Kanton Waadt 2018 ein entsprechendes Gesetz eingeführt hatte. APN im Tessin dürfen bestimmte Medikamente verschreiben, was den Druck auf Hausärzte verringert.
- Wie hoch sind die Kosten für den Master und gibt es Ermäßigungen für Mitarbeitende des EOC?
- Die jährlichen Studiengebühren betragen rund 4.500 Franken. Mitarbeitende des EOC können dank Kooperationen zwischen dem Spitalverband und der SUPSI auf Stipendien und Rabatte zurückgreifen. Einige Gesundheitseinrichtungen bieten zudem Ausbildungsverträge an.
- Wie kann ein Grenzgänger APN werden und sowohl im Tessin als auch in der Lombardei arbeiten?
- Nach dem Abschluss im Tessin muss die Anerkennung des Titels durch die lombardischen Gesundheitsbehörden geprüft werden. APN können in beiden Gesundheitssystemen tätig sein, sofern sie die jeweiligen lokalen Vorschriften einhalten.
- Welche Berufsaussichten haben APN, die ihre Ausbildung im Tessin absolviert haben?
- Die bereits 60 ausgebildeten Pflegefachpersonen mit erweiterter Kompetenz arbeiten in Spitälern, Pflegezentren und ambulanten Diensten. Die Berufschancen erstrecken sich vom öffentlichen bis zum privaten Sektor mit Möglichkeiten für eine Karriereentwicklung.
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